Streit um Zufriedenheit mit Arbeitsbedingungen

Markt / 07.08.2013 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Arbeitnehmervertreter sehen bei den Arbeitsbedingungen dringenden Handlungsbedarf und berufen sich auf eine Umfrage. Für Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund nicht nachvollziehbar und unseriös.

Die Arbeitnehmervertreter sehen bei den Arbeitsbedingungen dringenden Handlungsbedarf und berufen sich auf eine Umfrage. Für Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund nicht nachvollziehbar und unseriös.

AK und ÖGB sehen dringenden Verbesserungsbedarf. Industrie: Mitarbeiter zufrieden.

wien. Die Arbeiterkammer (AK) und der Österreichische Gewerkschaftbund (ÖGB) sehen anlässlich einer Umfrage unter 300 Betriebsräten „dringenden Handlungsbedarf“ bei den Arbeitsbedingungen. Hoher Stresspegel, familienfeindliche Arbeitszeiten, Auslagerungen von Unternehmensteilen würden die heutige Arbeitswelt bestimmen, heißt es im aktuellen AK-Strukturwandelbarometer in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES).

Zwei Drittel der befragten Betriebsräte sahen im vergangenen halben Jahr ein Ansteigen des Zeitdrucks sowie eine Erhöhung der Flexibilitäts­anforderungen. Für fast die Hälfte der Befragten sind die steigenden Flexibilitätsanforderungen vorteilhaft für die Firma, aber zwei Drittel meinen, dass dieser Wandel für die Belegschaft nachteilig ist. Laut Umfrage werden Teilzeitkräfte in fast jedem der untersuchten Betriebe eingesetzt – bei mehr als einem Drittel machen diese mittlerweile sogar mehr als zehn Prozent der Beschäftigten aus. Fast jedes zweite Unternehmen beschäftigt Leiharbeitskräfte. Arbeiterkammer und ÖGB wollen deshalb den Anteil der Leiharbeitnehmer auf maximal 10 Prozent der Belegschaft beschränken. Zudem sollen Überstunden für Unternehmen in Form einer Arbeitgeberabgabe in Höhe von 1 Euro pro geleisteter Überstunde verteuert werden. Weiter sollen All-in-Arbeitsverträge eingeschränkt und der Zugang zur sechsten Urlaubswoche erleichtert werden.

Nicht nachvollziehbar, unseriös

„Mehr als 90 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer geben an, mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im EU-Durchschnitt sind es 84,3 Prozent. Österreich liegt damit unter den Top 5“, betont indes der Vize-General­sekretär der Industriellenvereinigung, Peter Koren, unter Verweis auf die Ergebnisse der OECD, wonach sich die guten Ergebnisse bei der Arbeitszufriedenheit ­unter anderem auf die hohen ­Durchschnittseinkommen kombiniert mit einer hohen Beschäftigungssicherheit

zurückführen lassen. „Gerade in der Industrie sind die kollektivvertraglichen Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren immer über der Inflationsrate gelegen. Die Ergebnisse der AK sind daher nicht nachvollziehbar“, so der Vize-Generalsekretär. Zudem liegt Österreich an der Spitze bei der betrieblichen Weiterbildung. Laut Eurostat haben im Jahr 2010 87 Prozent der heimischen Unternehmen ihren Arbeitnehmern Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. „Zusätzlich ist auch das Sicherheits- und Gesundheitsschutzniveau in den österreichischen Betrieben besonders hoch sowie die sozialversicherungsrechtliche Absicherung in Österreich ausgezeichnet“, so Koren.

Wirtschaftsbundgeneralsekretär Peter Haubner findet die AK/ÖGB-Umfrage unseriös und verweist auf eine Market-Umfrage, wonach Mitarbeiter Überstunden machen wollten. „Zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer sind mit ihrem Überstundenausmaß zufrieden und schätzen vor allem die zeitliche Flexibilität, die sie durch Mehrarbeit bekommen“, erklärte Haubner.