„Auch Arbeitgeber müssen sich bewerben“

Markt / 09.08.2013 • 11:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Martin Giesinger: „Arbeitgeber und -nehmer treten in einen kommunikativen Prozess.“ Foto: vn/Hofmeister
Martin Giesinger: „Arbeitgeber und -nehmer treten in einen kommunikativen Prozess.“ Foto: vn/Hofmeister

Auch ein Kleinbetrieb muss auf dem Arbeitsmarkt Profil zeigen und Werte definieren.

Als Personalberater sind Sie Spezialist, was Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Inwiefern hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren verändert?

Giesinger: Im Gegensatz zu früher müssen sich nun auch die Arbeitgeber bewerben. Denn der Arbeitsmarkt ist zum Wechselspiel zwischen Dienstgeber und -nehmer geworden, in dem beide Seiten Entsprechendes bieten müssen. Beide haben ihre entsprechenden Vorstellungen und treten sozusagen in einen gegenseitigen kommunikativen Prozess. Nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch der Arbeitnehmer schaut sich das Gegenüber an.

Müssen Arbeitgeber immer mehr bieten, um gut ausgebildetes Fachpersonal rekrutieren zu können?

Giesinger: Ich würde nicht zwangsläufig sagen, dass sie immer mehr bieten müssen, sondern dass das, was sie bieten, dauerhaft und zuverlässig ist. Dem Arbeitnehmer ist es wichtig, dass er weiß, wofür die Firma steht und welche Werte sie lebt.

Inwieweit sind Unternehmer gefordert, attraktive Bedingungen zu schaffen, damit sie das ideale Team aufstellen können?

Giesinger: Der Unterschied muss spürbar und ein Profil klar erkennbar sein. Geld allein reicht dafür nicht aus. Es kommt auch auf das Umfeld an und auf die Möglichkeiten, die einem Mitarbeiter geboten werden. Das beginnt bei Weiterbildungs- und Aufstiegschancen, und setzt sich über Beteiligungen bis hin zu den Soft-Facts fort.

Sollte es die oberste Maxime des Arbeitgebers sein, bewährte Mitarbeiter zu halten?

Giesinger: Auf jeden Fall – dies ist mit Abstand das Wichtigste. Jeder Wechsel bedeutet, dass Know-how verloren geht und mitunter viel Geld ausgegeben werden muss, um dieses zu kompensieren.

Ihr Betrieb umfasst drei Mitarbeiter. Inwiefern kann man als solch kleiner Betrieb den modernen Anforderungen entsprechen?

Giesinger: Im Prinzip gibt es keinen Unterschied zwischen Großunternehmen und Kleinbetrieb. Man muss sich im Großen wie im Kleinen positionieren. Unsere Firmenphilosophie beruht auf Ehrlichkeit, Authentizität, Zuverlässigkeit und Offenheit. Die Besonderheit ist, dass man in einem kleinen Unternehmen wesentlich effizienter kommunizieren kann. Man ist praktisch ständig in Blickkontakt und es gibt keine langen Kommunikationswege.

Welchen besonderen Stellenwert haben die Mitarbeiter in einem so kleinen Team?

Giesinger: Einmal pro Woche gibt es einen Jour Fixe, wo wir konsequent und konzentriert zusammensitzen und wo auf gleichrangiger Ebene Meinungen und Positionen ganz offen ausgetauscht werden. Ein weiterer Aspekt ist die Offenheit. Die Mitarbeiter kennen den Kontostand der Firma, sie wissen untereinander, was verdient wird – und auch, was der Chef verdient. Jedem ist bewusst, dass an mir die Letztverantwortung liegt. Das darf und kann man auch nicht abschieben.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten oder Bonifikationen bietet Ihr Unternehmen?

Giesinger: Personalangelegenheiten und Human Ressource im Allgemeinen sind ohnehin unser Spezialgebiet. Dadurch ergeben sich interessante Projekte, etwa bei Betreuungen von Firmen. Angedacht ist auch, dass ich etwa eine Projekt-Studien-Arbeit mitbetreue. Es gibt auch Fahrtkostenzuschüsse. Wer eine längere Reise plant, bekommt auch mal einen längeren Urlaub. Andererseits erwarte auch ich ein entsprechendes Entgegenkommen.

Wie würden Sie als Experte den idealen Bewerber einstufen?

Giesinger: Der ideale Bewerber stellt eine perfekte Kombination zwischen fachlichen Fähigkeiten und gut ausgeprägter Sozialkompetenz dar. Es nützt mir nichts, wenn ich den besten Finanzbuchhalter einstelle, wenn er keine Sozialkompetenz mitbringt. Sehr wichtige Aufschlüsse ergeben sich aus dem persönlichen Gespräch. Es geht um menschliche Fähigkeiten und die Arbeitskraft als wertvollstes Produkt eines Unternehmens. Als Personalberater ist es für mich etwa ein Muss, dass ich zumindest einmal die Luft des Unternehmens eingeatmet habe, für das wir Fachkräfte suchen. Das schärft die Antennen, um besser verstehen zu können, was denn gesucht wird.

Benefits

» Fahrtkostenzuschüsse

» Flexible Regelungen, etwa was den Urlaub betrifft

» Mitwirkung an Projekten

» Möglichkeit, sich regelmäßig mit Mitarbeitern und Geschäftsleitung auszutauschen.

Zur Person

Martin Giesinger

Geschäftsführer Personalberatungsfirma Giesinger & Partner in Götzis

E-Mail: giesinger@giesinger.jobs

Geboren: 21. 01. 1963

Ausbildung: HAK / FH (Dipl.-Ing. FH)

Familienstand: verheiratet, vier Kinder

Homepage: www.giesinger.jobs