„Langfristig orientiert“

Markt / 23.08.2013 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
AR-Vorsitzender Jürg Zumtobel. „Entscheidung wurde von allen Aufsichtsratsmitglieder gemeinsam getroffen. Foto: VN/Hartinger
AR-Vorsitzender Jürg Zumtobel. „Entscheidung wurde von allen Aufsichtsratsmitglieder gemeinsam getroffen. Foto: VN/Hartinger

Neuer Vorstand mache Lichtkonzern fit für die Zukunft, sagt Jürg Zumtobel im VN-Gespräch.

Dornbirn. Die Nachrichten aus der Dornbirner Zentrale der Zumtobel-Group waren in den letzten Monaten eher Durchhalteparolen denn Appelle zum Aufbruch. Aktienexperten hatten den Lichtkonzern bestensfalls nicht im Fokus und Vorstand Sommerer kalmierte bei der Bilanzpressekonferenz: „Dass es ewig so abwärts geht, davon gehen wir nicht aus.“ Am Donnerstag nahm Sommerer nach drei Jahren an der Spitze des Lichtkonzerns den Hut. Der Aufsichstrat hat den Technologie-Experten Ulrich Schumacher zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt (siehe unten).

Herr Zumtobel, der Wechsel im Vorstand kam überraschend. Wie geht es nun weiter?

zumtobel: In der generellen Ausrichtung gibt es per se keine Änderungen. Aber über das Wie hatten wir andere Vorstellungen als der scheidende Vorstand. Das Verständnis darüber, was uns alles passieren kann, ist wichtig für die Zukunft. Wir müssen wissen, was unsere Mitbewerber tun, und wir müssen uns gegen die Konkurrenz aus Fernost wappnen. Man muss die Stärken und Schwächen der Konkurrenz kennen.

Ulrich Schumacher kennt die Branche, und er kennt als Manager auch China. Gab das den Auschlag für seine Wahl?

zumtobel: Wir sind im Aufsichtsrat unisono der Ansicht, dass wir den geänderten Bedingungen Rechnung tragen müssen. Die Anforderungen sind ungeheuer gewachsen durch die neuen Technologien. Diese sind sehr stark von Fernost beeinflusst. Gerade aufgrund seiner Erfahrung – er hat Elektrotechnik studiert, kennt er den fernen Osten als Manager sehr gut – ist er derjenige, der das Klavier beherrscht.

Das Umfeld, in dem Zumtobel tätig ist, wurde nicht besser. Wie sieht die Strategie des Unternehmens aus?

zumtobel: Das ist eine schwierige Frage. Die Politiker versprechen ja schon lange, dass die Talsohle durchschritten ist. Als wir vor zwei Jahren unsere Wachstumsstrategie veröffentlichten, hat niemand gewusst, dass die Euro-Krise solche Formen annimmt. Ich glaube aber, dass man immer wachsen kann, wenn man sich richtig aufstellt. Nachdem die Zyklen in der Branche früher lange waren, kommen wir jetzt in die Welt der Elektronik. Da ändern sich Produkte innerhalb eines halben Jahres. Wir müssen wesentlich schneller reagieren.

Sie haben im letzten Jahr rund 70 Mill. Euro für die Entwicklung ausgegeben. Wird auch in Zukunft diese Summe aufgewendet?

zumtobel: Wir werden auch in den nächsten Jahren viel Geld in die Entwicklung stecken. Der Wandel in der Branche ist fundamental und wir werden dabei sein.

Wie sieht die Zukunft für die Mitarbeiter aus. Müssen sie sich Sorgen machen?

zumtobel: Die Kernstrategie , die wir in den letzten Jahren hatten, wird auch in Zukunft wichtig bleiben. Die Belegschaft muss sich keine Sorgen machen, da wird es keine Änderungen geben. Aber der Herr Schumacher wird jetzt anfangen, Akzente zu setzen.

Unruhe ist in AGs durch die Berichtspflicht vorprogrammiert. Bringt ein großer Aktionär wie die Familie Zumtobel da Ruhe hinein?

zumtobel: Ich glaube, das ist ein großer Stabilitätsfaktor, dass der Kernaktionär sich eben auch Gedanken darüber macht, wie die Zukunft wird. Als Familie Zumtobel waren und sind wir langfristig orientiert. Wir investieren ja auch weiter in den Standort Vorarlberg. Derzeit wird in Dornbirn für 20 Millionen Euro ein neues Gebäude gebaut, das im Frühjahr fertig sein wird.

Ich bin überzeugt, dass wir große Chancen haben, aber man muss bereit sein zur Veränderung

Jürg Zumtobel