Private Gaskunden können bis zu 380 Euro sparen

Markt / 27.08.2013 • 21:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
E-Control-Vorstand Walter Boltz im Gespräch mit den VN im Hotel Post in Lech. Foto: vn/hartinger
E-Control-Vorstand Walter Boltz im Gespräch mit den VN im Hotel Post in Lech. Foto: vn/hartinger

Neues Gasmarktmodell eröffnet ab 1. Oktober den Wettbewerb in Vorarlberg.

Lech. Noch zahlen Gaskunden in Bayern eklatant weniger als Vorarlberger Haushalte, die mit Erdgas versorgt werden. Denn bisher gab es neben dem nunmehrigen VKW Erdgas (ehemals VEG) nur Goldgas als weiteren Anbieter – „der Wettbewerb war nur theoretischer Natur“, wie es Walter Boltz, Vorstand der Wettbewerbsregulierungsbehörde E-Control, im Gespräch mit den VN zum Ausdruck brachte.

Das wird sich nun aber ändern, da mit 1. Oktober das neue Gasmarktmodell in Kraft tritt und der Vorarlberger Markt für deutsche Gasanbieter einfach belieferbar ist. „Es haben sich bereits an die fünf deutsche Anbieter für Vorarlberg registrieren lassen“, sagt Boltz und geht schlussendlich von mindestens zehn Anbietern aus, aus denen die Vorarlberger ihr Gas beziehen können. Er geht davon aus, dass sich der Gaspreis in Vorarlberg und Tirol an das bayrische Niveau angleichen wird. Der derzeit günstigste Gaslieferant in Bayern hat einen Energiepreis von 1,95 Cent pro Kilowattstunde, die VKW Erdgas verlangt 3,54 Cent (ohne Netzkosten und ohne Steuern und Abgaben). „Würde der günstigste bayerische Lieferant mit demselben Preis in den Vorarlberger Markt eintreten, könnte sich ein Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden 380 Euro pro Jahr bei einem Wechsel sparen“, rechnet Boltz vor.

Durch Service punkten

Mit einem starken Wettbewerb und 10 bis 20 Mitbewerbern rechnet künftig Illwerke-VKW-Vorstand Christof Germann. „Auf dem deutschen Gasmarkt gibt es ein Überangebot“, sagt Germann gegenüber den VN. Man hoffe aber, die Kunden halten zu können. Schließlich „ist der Preis der eine Aspekt und der Service der zweite. Und den können wir besser bewerkstelligen als andere“, sagt Germann.

Die VKW Erdgas wappnete sich bereits und kündigte die erste Preissenkung an. Diese bezeichnet Boltz als „noch sehr bescheiden“. „Doch es werden weitere Schritte folgen müssen“, ist er sich sicher.

Kalkulator im Internet

Der E-Control-Vorstand geht davon aus, dass alle neuen Mitstreiter ihre Angebote mit Beginn der Heizsaison publik machen werden. „Der heurige Herbst ist daher eine gute Zeit für Gaskunden, sich darüber zu informieren, wie viel er durch einen Tarifwechsel einsparen kann. Bei uns auf der Homepage haben wir dafür einen Kalkulator eingerichtet“, sagt er und weist auch darauf hin, dass mit einem etwaigen Wechsel keine technische Unterbrechung verbunden ist. Denn die technische Belieferung erfolge nach wie vor über das Vorarlberger Erdgasnetz.

Wechselfreudigkeit steigt

Mit Freude habe man im ersten Halbjahr festgestellt, dass die Wechseltätigkeit der Österreicher zunimmt. „Im letzten Jahr haben rund ein Prozent der Kunden den Stromlieferanten gewechselt. Bei den Gaskunden waren es 1,7 Prozent, und damit erstmals mehr. Das zeigt, dass die Veränderungen am Markt Auswirkungen auf das Kundenverhalten haben“, so Boltz. Nur so könne das Kundenbewusstsein bei den traditionellen Lieferanten verbessert werden.

Deutschland hat vergleichsweise eine Wechselrate von rund sechs Prozent. Allein in Bayern können Konsumenten aber auch unter 255 verschiedenen Angeboten wählen. „Wir hoffen, dass sich die Wechselraten auch hierzulande erhöhen, damit auch die Anbieter reagieren müssen“, sagt Boltz.

Grundsätzlich sagt Boltz dem Gas noch eine lange ­Zukunft voraus, auch wenn auf europäischer Ebene
eine intensive Debatte darüber geführt wird. „In den ­nächsten 20 bis 30 Jahren wird es ohne Gas nicht gehen“, sagt der Experte und führt aus: „Schließlich haben wir keine wirkliche Alterna­tive.“

Der heurige Herbst ist eine gute Zeit für jeden Gaskunden, sich zu informieren, wie viel er einsparen kann.

Walter Boltz, E-Control

Fakten

» 16 Prozent der Haushalte heizten im vergangenen Winter mit Erdgas

» 29.000 Erdgaskunden gibt es in Vorarlberg

» 450 Neukunden pro Jahr

» 23.900 kWh beträgt der durchschnittliche Gasverbrauch eines Haushalts.

» 41,4 Prozent betrug der Anteil von Erdgas am Energieverbrauch der Vorarlberger Industrie im Jahr 2011.