Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Eine kalkulierte Provokation

Markt / 28.08.2013 • 21:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Natürlich ist der Wirtschaftsstandort Österreich nicht „abgesandelt“, aber er ist jetzt immerhin im Gespräch. Und genau das wollte Österreichs Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Denn mit wohlgesetzten Worten ist heutzutage kein Staat zu machen, gehen Nachrichten allzu oft unter in der Flut von Informationen. Leitl hat sich das genau überlegt, diese Formulierung ist ihm nicht versehentlich rausgerutscht.

Doch braucht der Standort diese Beachtung, oder ist eh nichts faul im Staate Österreich? Ja, natürlich ist die Diskussion notwendig, und wenn man’s genau nimmt, sollte eine Debatte über den Standort eigentlich ständig geführt werden. Dann bliebe man wach, dann kann man schnell auf Entwicklungen reagieren, die existenziell sein können für unsere Unternehmen. Denn den Anschluss im globalen Wettbewerb verliert man schnell – auch Vorarlberger Konzerne können ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, wieder an die Spitze zu kommen, wenn man wichtige Entwicklungen verpasst hat.

Die wichtigen Parameter wie Forschung und Entwicklung sowie Produktions- und Arbeitskosten müssen ständig im Auge behalten werden, auch ohne die kalkulierte Provokation eines Herrn Leitl. Dass gerade in der Politik dieses Bewusstsein fehlt, zeigt sich in den derzeitigen Wahlkampfbeiträgen. Natürlich soll man über eine Arbeitszeitflexibilisierung reden dürfen, über eine Tagesarbeitszeit, die ausnahmsweise auch mal zwölf Stunden betragen könnte. Unternehmer müssen flexibel auf die Auftragslage reagieren können. Es ist ihnen nicht zuzumuten, dass sie aufgrund von Auftragsspitzen, die ja deshalb so heißen, weil sie nicht alltäglich sind, neue Mitarbeiter einstellen müssen. Fachkräfte sind ja auch nicht so einfach zu finden. Einfach die Arbeitslosenzahlen zu nehmen und sich auszurechnen, wie viele Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, würde sich nicht einmal ein Milchmädchen trauen.

Die Diskussion um Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern muss natürlich auch geführt werden, da führt kein Weg daran vorbei. Wir können in Österreich nicht die Augen davor verschließen, dass in anderen Ländern die Lohnkosten niedriger sind und das Salär trotzdem höher ist. Und es nützt letztendlich nichts, wenn man die Diskussion mit einfachen Schlagworten wie der „Reichensteuer“ emotionalisiert und schließlich unterbindet. Damit ist weder den Unternehmern noch den Arbeitnehmern, um deren Arbeitsplätze es geht, gedient.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862