Das Kreuz mit dem Papierkram: Bürokratie bremst Handwerk

Markt / 01.10.2013 • 21:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Geschäfte laufen gut für das Vorarlberger Gewerbe und Handwerk.
Die Geschäfte laufen gut für das Vorarlberger Gewerbe und Handwerk.

Gewerbe und Handwerk sieht Auftragslage positiv. Bürokratieabbau hat oberste Priorität.

schwarzach. Die österreichweit Verantwortlichen schlagen Alarm, sprechen von einem Konjunktur-Tal und einem stotternden Wirtschaftsmotor Gewerbe und Handwerk. Die Betriebe hätten mit einem deutlichen Minus bei Auftragseingängen und Umsätzen, konkret von minus 2,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2012, zu kämpfen.

Das erste Halbjahr verlief für das Vorarlberger Gewerbe und Handwerk zahlenmäßig gleich. Dennoch sei die Stimmung hierzulande deutlich besser, berichtet Spartenobmann Bernhard Feigl. Vorarlberg sei generell immer euphorischer, dabei helfe auch der Exportanteil von knapp 16 Prozent. „Viele Betriebe leben davon. Und es lässt uns die Entwicklung positiver sehen“, so Feigl. Sowieso wolle man auch nichts krank reden, dazu gebe es keinen Grund.

Einziger Sorgenpunkt: Obwohl die Geschäfte der Handwerksbetriebe gut gehen und sie auch die weitere Entwicklung positiv sehen, sind sie realistisch, was die Personalplanung angeht. Nur 15 Prozent der befragten Betriebe haben vor, ihren Beschäftigtenstand zu erhöhen. Zudem gab es einen Investitionsstau durch den langen Winter. Dass die Wärmedämminitiative bei der Wohnbauförderung weggefallen ist, sei auch kein Grund zur Freude. „Aber man darf sich von Quartalszahlen nicht beeinflussen lassen, die letzten eineinhalb Jahre waren schließlich von einem ständigen Auf und Ab geprägt“, berichtet Feigl. Generell gelte, bei guten Handwerkern und Individualisten sei die Auftragslage stabiler, weil es keine Übersättigung gebe.

Flut an Bürokratie

Die größten Sorgen bereite dem Vorarlberger Gewerbe nach wie vor die Bürokratie. Jedes Jahr kommen neue Gesetze und Vorschriften. „Wenn ein Betrieb Erweiterungspläne hat und in die Zukunft denkt, muss man ihn unterstützen und nicht bremsen“, betont der Spartenobmann. Es sei wirklich bedenklich, mit welchen Regulativen man mittlerweile konfrontiert sei.

So ist zum Beispiel seit heuer die Evaluierung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz Pflicht. Hier muss im Unternehmen jeder Mitarbeiter befragt werden, um zu prüfen, ob arbeitsbedingte physische und psychische Belastungen vorliegen. Das führe zu einer Dynamik, in der es fast schon abnormal sei, wenn jemand angibt, keinen psychologischen Druck zu verspüren. Zudem könne die Evaluierung kein normaler Betriebsarzt durchführen, sondern nur jemand, der über eine psychologische Zusatzausbildung verfüge, erklärt Feigl.

Eine weitere Verordnung: Wenn jemand einen Handwerker beauftragt, muss dieser zuerst sicherstellen ob das Stromnetz abgesichert ist. Weiß das der Wohnungs- bzw. Hausbesitzer nicht, muss der Handwerker unverrichteter Dinge wieder gehen, aber die Anfahrt in Rechnung stellen. Und von den unzähligen Beauftragten, die jedes Unternehmen ab einer bestimmten Größe haben muss, ganz zu schweigen.

Besser werde dadurch nichts, ist der Spartenobmann überzeugt. Man schaffe nur immer wieder neue Pro­bleme.

Durch neue Vorschriften und Gesetze wird nichts besser.

Bernhard FEigl

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