„Das Personal ist unsere größte Herausforderung“

Markt / 04.10.2013 • 17:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Rene Bartenbach leitet die Geschicke von R. u. H. Bartenbach, nicht nur Spezialist für Straßenmarkierungen, sondern – wie man sieht – unter anderem auch für Verkehrsschilder. Fotos: oliver Lerch
Rene Bartenbach leitet die Geschicke von R. u. H. Bartenbach, nicht nur Spezialist für Straßenmarkierungen, sondern – wie man sieht – unter anderem auch für Verkehrsschilder. Fotos: oliver Lerch

bürs. Rene Bartenbach stieg vor 15 Jahren in den elterlichen Betrieb ein, den er seit 2001 leitet. Im Interview spricht er über die Herausforderung Personalsuche und wie er die verschiedenen Bereiche unter einen Hut bringt.

Wohl jeder Autofahrer kennt Ihre Fahrzeuge. Haben Sie bei Straßenmarkierungen eine Monopolstellung?

bartenbach: Nein, das meint man nur. Es gibt meistens drei bis vier Betriebe im Land, die das machen. Viele hören aber nach kurzer Zeit wieder auf. Heuer haben wir eine Firma in Niederösterreich gekauft. Damit gehören wir zu den drei größten Straßenmarkierbetrieben in Österreich.

Wie kam es zu dieser Spezialisierung im Straßen- und Verkehrsbereich?

bartenbach: Angefangen haben wir als klassicher Malerbetrieb. Mein Urgroßvater ist 1920 in den Korrosionsschutz eingestiegen. Mein Vater hat 1960 mit Straßenmarkierungen angefangen. Die ersten Striche im Land haben wir bzw. das Land gemacht, das früher noch selbst markiert hat. Wir machen fast jeden Auftrag fürs Land und sind auch im Ausland aktiv. In Stockholm kommen 80 Prozent der Radwegbeschichtungen von uns.

Was zeichnet Bartenbach in diesem Bereich aus?

bartenbach: Bei Straßenmarkierungen sind wir sehr innovativ. Sonst könnten wir in Ländern wie Rumänien nicht mitarbeiten, da das Lohnniveau dort viel niedriger ist.

Wie managen Sie den zweiten Betrieb in Niederösterreich?

Bartenbach: Ich habe einen Betriebsleiter und bin selbst alle zwei Wochen für drei Tage persönlich vor Ort. Der Rhythmus hat sich sehr gut eingespielt. Dabei ist natürlich hilfreich, dass der Betrieb auf eigenen Beinen steht. Ich habe hier sehr gute Abteilungsleiter. Es könnte mir auch was passieren, und dann muss der Betrieb genauso weiterlaufen. Es hilft natürlich, dass wir langjähriges Personal haben. Alle Führungskräfte, die ich eingestellt habe, sind nie mehr gegangen.

Sie haben den Betrieb von Ihrem Vater übernommen. War das für Sie von vornherein so geplant?

Bartenbach: Ich wollte das eigentlich nie machen. Ich hätte nach meinem Zivildienst für ein Schweizer Unternehmen den spanischen Markt aufbauen sollen. Die Firma Bartenbach hatte immer zwei Gesellschafter: neben meinem Vater auch seinen Cousin. Der ist 1991 in Pension gegangen und sein Sohn Hanno hat übernommen. 1998 hat Hanno aber den Gesellschaftervertrag gekündigt und sein eigenes Unternehmen gegründet. Mein Vater war damals 60 Jahre alt. Mein Bruder wollte es nicht alleine machen. So habe ich mit 20 Jahren angefangen. Das Problem war: Viele Mitarbeiter sind uns abgeworben worden. So hatten wir eine große Halle, aber nur 14 Mitarbeiter. Damals konnte mir niemand sagen, ob das gut geht oder nicht.

Sie sind 2008 in die Werbetechnik eingestiegen. Welche Überlegung stand dahinter?

bartenbach: Ich glaube, dass man am Markt nur überleben kann, wenn man flexibel agiert und Komplettanbieter ist. Der Kunde bekommt alles aus einer Hand, und für uns ist es ein Weg. Die Werbetechnik passt gut zu unseren anderen Bereichen dazu, weil sich eben vieles überschneidet. Wir brauchen zum Beispiel Schablonen für Straßenmarkierungen, oder jemand will ein Firmenlogo auf seiner Tapete haben.

Ich versuche immer, Dinge zu verknüpfen. Bei der Parkplatzmarkierung waren wir einige Jahre vom Markt weg. Heute machen wir die Verkehrszeichen mit, die Bodenschwellen oder das Werbeschild. So sind wir wieder in den Markt hineingekommen.

Was ist für Sie als Handwerksbetrieb die größte Herausforderung?

bartenbach: Eindeutig das Personal. Wenn wir in der Werbeabteilung eine Lehrstelle ausschreiben, bekommen wir fünfzig Bewerbungen. Wenn wir fünf Malerlehrlinge suchen, müssen wir froh sein, wenn sich zwei melden. Wenn ich morgen zehn Lehrlinge bekommen würde, würde ich sie sofort einstellen. Auch die Gesetzeslage macht es uns schwer, weil oft Dinge vorgeschrieben werden, die nicht machbar sind. Zum Beispiel wenn eine Mitarbeiterin aus der Karenz kommt. Im Büro ist es kein Problem, aber auf einer Baustelle kann man nicht nur einen Vormittag arbeiten. Wegen drei Stunden rentiert es sich ja kaum anzufangen. Da ist die Gesetzgebung zu wenig flexibel. Allgemein wird es der Handwerker in den nächsten Jahren schwierig haben.

Was sind die Gründe dafür?

Bartenbach: Viele Jugendliche gehen weiter in die Schule. Vor einigen Jahren haben wir bei Personalnot auf Leasingfirmen zurückgreifen können, das ist heute auch nicht mehr so einfach. Aber sobald jemand bei uns ist, passt es. Denn wir haben ein gutes Betriebsklima und unternehmen viel zusammen. Wir waren zum Beispiel gemeinsam auf Betriebsausflug in der Türkei. Bei uns kann man auch zwischen den Bereichen wechseln, das nutzen viele.

Es gibt einen Facharbeitermangel, aber wenn jemand mehr arbeiten will, muss er sein Geld teuer versteuern.

Zur Person

Rene Bartenbach

seit 1998 Geschäftsführer und Gesellschafter von R. u. H. Bartenbach in Bürs, BG GmbH in Bürs, Bartenbach GmbH in Bürs, R. Bernhard Gesellschaft m.b.H. in Kleinneusiedl (NÖ)

Geboren: 7.2.1978

Ausbildung: Nach der Schule Lehre als Maler im elterlichen Betrieb

Laufbahn: 1998 Einstieg ins Familienunternehmen, 2001 Übernahme des Betriebs gemeinsam mit seinem Bruder Ralf, der den Bereich Korrosionsschutz leitet.

Familie: verheiratet, zwei Kinder

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