8300 Vorarlberger haben Arbeit in Liechtenstein

Markt / 06.10.2013 • 18:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hilti beschäftigt in Schaan (im Bild das neue Innovationszentrum) zahlreiche Arbeitskräfte. Foto: hilti
Hilti beschäftigt in Schaan (im Bild das neue Innovationszentrum) zahlreiche Arbeitskräfte. Foto: hilti

Der Anteil der Vorarlberger, die nach Liechtenstein pendeln, hat weiter zugenommen.

Schwarzach, Vaduz. (VN-sca) 36.000 Menschen werden von der Liechtensteiner Wirtschaft beschäftigt, über 52 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland. Konkret: Hauptsächlich aus der Schweiz und aus Österreich pendeln über 18.000 Menschen Tag für Tag ins Fürstentum ein. 51,8 Prozent der meist hoch spezialisierten Fachkräfte wohnen in der Schweiz, 44,1 Prozent in Österreich, 3,2 Prozent in Deutschland und ein Prozent in anderen Staaten.

Im Jahr 2012 wurden knapp 600 neue Arbeitsplätze geschaffen, wobei der Dienstleistungssektor, in dem sich auch die Tourismuswirtschaft wiederfindet, mit einem Anteil von 60 Prozent klar dominiert. In der Industrie sind fast 40 Prozent beschäftigt. Und 0,8 Prozent der in der kleinen Alpenmonarchie arbeitenden Menschen tun dies in der Landwirtschaft. Von den insgesamt neugeschaffenen 600 Arbeitsplätzen wurden 461 mit Zupendlern besetzt.

Arbeitsmarkt wird entlastet

In Vorarlberg sieht man die Pendler seit vielen Jahren mit zwiespältigen Gefühlen: Bis in den 1980er-Jahre sprachen Arbeitgeber in Vorarlberg sogar von „Arbeitskräfteraub“. Die Wirtschafts- und Sozialstatistik damals wörtlich: „Vorarlberg scheint nicht in der Lage zu sein, die Lohnkonkurrenz mit der Schweiz und Liechtenstein aufzunehmen und muss daher ziemlich hilflos zusehen, wie ihm in vielen wichtigen Wirtschaftszweigen die dringend benötigten Fach- und Hilfsarbeiter in oft rücksichtsloser Weise abgeworben werden.“

Aber der angespannte Arbeitsmarkt in Vorarlberg wird auch entlastet. Derzeit gibt es in Vorarlberg immerhin 9000 Arbeitslose. Es sind traditionell fast ausschließlich Spitzenkräfte, die den Weg über die gelb-rote Grenze finden.

Besonders die ausbildenden Betriebe im Land beklagen regelmäßig den Know-how-Transfer nach Liechtenstein und in die Schweiz. Die Besoldung und vor allem die Besteuerung der Arbeit verhindern eine Chancengleichheit der Arbeitgeber: Das Durchschnittseinkommen in Liechtenstein beträgt 5100 Euro brutto. In Vorarlberg bleiben einem Arbeitnehmer durchschnittlich 2400 Euro – ebenfalls brutto.

Arbeitslosenzahlen gestiegen

Der Beschäftigtenstand in Liechtenstein war noch nie so hoch. Hoch sind aber auch die Arbeitslosenzahlen. Gegenüber September 2013 stieg die Arbeitslosigkeit massiv: plus 14,2 Prozent beziehungsweise 62 Personen. Aktuell sind 498 Liechtensteiner arbeitslos gemeldet. Immerhin sind gleichzeitig auch 361 offene Stellen gemeldet, so das Liechtensteiner AMS vor wenigen Tagen. Die Konjunktur­umfrage in den Liechtensteiner Topbetrieben ist für die kommenden Monate positiv. Die Auftragslage ist gut, die meisten Topbetriebe rechnen mit einem Plus an Aufträgen, Umsatz und Gewinn. Die Statistik zeigt aber auch, dass, wenn die Wirtschaft kränkelt, ebenso wie in der Schweiz zuerst die ausländischen Arbeitnehmer gekündigt werden.

Kennzahlen

Beschäftigung Liechtenstein

» Einwohner: 37.182

» erwerbstätige Einwohner: 19.041

» Wegpendler ins Ausland: 1952

» erwerbstätig in Liechtenstein: 17.089

» Beschäftigte in Liechtenstein: 35.829

» Zupendler aus dem Ausland: 18.740

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