Beim Sparen hört für Gewerkschaft Spaß auf

Markt / 10.10.2013 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für die Beschäftigten in der österreichischen Metallindustrie fordern die Gewerkschafter eine Lohnerhöhung von 100 Euro. Foto: vn/hofmeister
Für die Beschäftigten in der österreichischen Metallindustrie fordern die Gewerkschafter eine Lohnerhöhung von 100 Euro. Foto: vn/hofmeister

Gewerkschafter Proyer hat einen klaren Plan: Einen guten Abschluss für die Beschäftigten.

schwarzach. Metaller-Verhandler Karl Proyer (Gewerkschaft GPA-djp) ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Schließlich sitzt er bereits seit 30 Jahren mit am Tisch, wenn um die Löhne und Gehälter der Metaller verhandelt wird. Für heuer liegt seine Forderung bereits auf dem Tisch: 3,4 Prozent bzw. mindestens 100 Euro mehr Lohn. Am Dienstag geht es in die dritte Runde. Und sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber hoffen auf eine Einigung.

Am Ende wird sich wohl eine der beiden Seiten bewegen müssen. „Unsere Forderung ist realistisch und sie gilt“, betont Proyer im VN-Gespräch. Das sei ja schließlich nicht wie auf einem Basar. Dass die Arbeitgeberseite betont, die Branche sei von einem Auftrags- und Gewinnrückgang betroffen, lässt Proyer nicht gelten. „Meistens gibt es zwei Monate, in denen es den Betrieben besonders schlecht geht. Und das sind September und Oktober“, schmunzelt er. Fakt sei, die Maschinen- und Metallindustrie habe im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Euro an Dividenden und Gewinnen ausgeschüttet.

Albern findet Proyer auch die Diskussion um die Inflation. Die Arbeitgeber wollen sich an 1,8 Prozent orientieren, der monatlichen Inflationsrate im August. Die Gewerkschaft geht von einer Jahresinflation von 2,4 Prozent aus. „Ich wäre ja gespannt, was passiert, wenn die Monatsinflationsrate in einem Jahr einmal höher wäre als die Jahresrate. Würden wir dann mit dieser verhandeln?“, fragt sich Proyer. Mit dieser Diskussion müsse Schluss sein, weil sie letztlich auch unseriös sei. Ärgern kann sich Proyer auch über Versuche, auf betriebliche Beispiele zurückzugreifen. „In einem Unternehmen in Vorarlberg gibt es bezahlte Rauchpausen. Die Idee war, dass der Kollektivvertrag in diese betriebliche Regelung eingreifen soll. Wenn dann ein Beschäftigter künftig zum Rauchen ausstempeln muss, könnte man sagen, schuld sind die in Wien“, erzählt Proyer. Er selbst und sein Kollege Rainer Wimmer (PRO-GE) seien von keinem Unternehmen angestellt und daher keine Befehlsempfänger. „Uns muss niemand belehren“, stellt der Gewerkschafter klar.

Konflikt um Arbeitszeit

Strittig ist nach wie vor die Arbeitszeit. Man stelle sich strikt gegen eine Ausweitung der Normalarbeitszeit. Wenn Überstundenzuschläge wegfallen, bedeute das bei einem Gehalt von 3000 Euro und einer Überstunde am Tag, dass am Jahresende ein Minus von 2500 Euro stehe.

Die Konflikte im Vorfeld und bei jeder Lohnrunde sind mittlerweile zum Ritual geworden. Oft wird die Frage gestellt, ob das nicht effizienter geht. „Ja“, sagt Proyer, „aber die Forderungen dürfen der Effizienz nicht zum Opfer fallen. Ein guter Abschluss geht vor.“ Schließlich sei es kein Spiel, sondern es gehe um die Einkommen von 180.000 Beschäftigten.

Proyer jedenfalls ist für die dritte Verhandlungsrunde zuversichtlich, was das Ergebnis betrifft. „Wir haben einen klaren Plan. Sparen geht mit uns nicht. Schließlich ist es Geld, das die Beschäftigten zum Leben brauchen“, so der Gewerkschafter.

Wir folgen nicht dem Arbeitgeberprinzip ,give and take‘.

Karl Proyer, Gewerkschaft

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