Scheitern ist ein Fehler

Markt / 11.10.2013 • 10:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Gerhard Scheucher gilt Scheitern als fixer Bestandteil des Lebens. Foto: Lukas Ilgner
Für Gerhard Scheucher gilt Scheitern als fixer Bestandteil des Lebens.
Foto: Lukas Ilgner

Scheitern ist in unserer Arbeitswelt verpönt. Dabei sind Fehler der Weg zur Innovation.

Buchtipps. (VN) Was gibt es bei der täglichen Arbeit Schlimmeres, als Fehler zu machen? Doch wer (ständig) Angst davor hat, hemmt sich am Ende nur selbst am meisten. So paradox es klingt: Ohne Fehler hätte es manche Errungenschaft nicht gegeben. Beispielsweise hätte Viagra ursprünglich ein Durchblutungsmittel für das Herz sein sollen, oder entstand Porzellan aus der Folge, Gold herstellen zu wollen. Allein aus diesen Beispielen zeigt sich, dass Fehler eine Innovationskraft innehaben. Doch wer gesteht sich schon gerne ein, dass er etwas falsch gemacht hat oder gar ein ganzes Projekt in den Sand gesetzt hat? „Fehler lösen Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen aus oder auch die Befürchtung, dass man sich die nächsten Karriereschritte verbauen könnte“, weiß die Psychologin und Managementberaterin Elke Schüttelkopf, die im September ihr neues Buch „Lernen aus Fehlern“ veröffentlichte. Die Angst ist oftmals auch nicht unbegründet, betont die Autorin. Dabei können Fehler, je länger sie verheimlicht werden, tatsächlich fatale Konsequenzen haben.

Offener Umgang mit Fehlern

Schüttelkopf rät deshalb Unternehmen zu einem offenen Umgang. Fehlerkultur wird dies im Fachjargon genannt. Bei Fluggesellschaften etwa ist es üblich, jeden noch so kleinen Irrtum zu analysieren und zu dokumentieren. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass andere daraus lernen. Zu einer modernen Betriebsstruktur sollte die Fehlerkultur dazugehören, da nur auf diese Art Verbesserungen möglich sind. In Deutschland gibt es bereits eigene Fehlermanagementkurse.

Noch einen Schritt weiter geht Gerhard Scheucher in seinem Buch „Ein Irrer schreitet die Parade ab“. Der Strategieberater hält darin auf unterhaltsame Form ein Plädoyer für das Scheitern. „Ein Hauptgrund, Dinge nicht zu tun, ist immer wieder die große Angst vor dem persönlichen Scheitern, dem Moment der Stigmatisierung, wenn dann das Umfeld mit dem Finger auf einen zeigt“, ist der 47-Jährige überzeugt. Vorwiegend sind es dann jene Menschen, die es ohnedies schon immer gewusst haben, dass sie scheitern werden. Als gesichert gilt, dass Scheitern aber als fixer Bestandteil des Lebens angenommen werden muss. Damit wir jedoch an Niederlagen wachsen können, müssen wir richtig mit ihnen umgehen. Wir brauchen ein neues Bewusstsein für unsere Schwächen. Ausgerechnet die Evolution macht es uns vor: Zufällige Mutationen im Erbgut führen zu einer aberwitzigen Vielfalt von Variationen, die sich in der jeweiligen Umwelt bewähren müssen. Manche verschwinden schnell wieder, andere werden zu Erfolgsmodellen. So gesehen ist wohl der Mensch auch aus einem Fehler entstanden.

Fehler lösen die Angst aus, man könnte sich den nächsten Karriereschritt verbauen.

Elke Schüttelkopf, Buchautorin

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