Flucht aus dem Franken geht weiter

Markt / 13.10.2013 • 18:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Fremdwährungskredite an Private in Vorarlberg weiter rückläufig. 3,4 Mrd. Euro aushaftend.

Schwarzach. Der liebe Franken. Manch ein Häuslebauer hat sich bei der Kreditaufnahme gewiss die Hände gerieben. Mittlerweile sind die ersten Fremdwährungskredite fällig und aus dem Hände­reiben dürfte manchernorts ein Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen gewor­den sein. Immerhin blieben die Vorteile des niedrigeren Zinsniveaus teilweise, wurden aber meist durch den Kursverlust aufgefressen.

„Der große Schwung der Konvertierungen von Franken in den Euro war letztes Jahr. Aber auch heuer spüren wir – zwar verlangsamt, aber doch – einen laufenden Wechsel“, sagt Werner Böhler, Vorstand der Dornbirner Sparkasse und stellvertretender Bankensprecher Vorarlbergs. Dieses Jahr seien die Volumina der Frankenkredite um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Seiner Einschätzung nach hätten sich die Schuldner damit abgefunden, dass der Frankenkurs sich auch künftig bei 1,23 bewegen wird. Im Privatbereich hat die Finanzmarktaufsicht 2008 die Schranken eingezogen – seither dürfen keine Kredite in Schweizer Währung vergeben werden. „Aber auch im Firmenkundenbereich“, sagt Böhler, „haben wir kaum Anfragen.“ Spannend wird es allerdings in drei, vier Jahren, ist der Bankensprecher überzeugt. „Dann müssen die ersten endfälligen Kredite mit dem Tilgungsträger zurückgezahlt werden, da die meisten Verträge eine Laufzeit von 20 Jahren und mehr haben.“ Wobei, relativiert er, schon viele endfällige Kredite auf tilgend umgestellt wurden.

Mit 3,4 Milliarden Euro haben die Vorarlberger Banken im Bundesländervergleich am zweitmeisten Ausleihungen in Franken vergeben. Nur Wien hat mit 13,3 Mrd. Euro deutlich mehr Fremdwährungskredite ausständig. Österreichweit waren im Jahr 2009 noch knapp 37 Milliarden Euro an Fremdwährungsfinanzierungen an private Haushalte offen. Davon fällt der größte Teil auf eben den Schweizer Franken.

Generell rät Markus Salzgeber, Sprecher der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer, nicht zum Umschulden. „Wenn die finanzielle Basis stimmt und die Entwicklung des Tilgungsträgers positiv ist, gibt es keinen Grund dazu“, sagt er. Diesbezüglich seien jährliche Gespräche unerlässlich, um allenfalls den Tilgungsträger aufzustocken, damit keine Kreditlücke entstehe, oder auf veränderte Lebensumstände zu reagieren.

Wie lange die Schweizer Notenbank den Mindestkurs von 1,20 stützen wird, wisse niemand.

Wo die finanzielle Basis stimmt, schulden wir nicht um.

Markus Salzgeber

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