Riskantes Ende der Geldflut

Markt / 13.10.2013 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vor allem Schwellenländer könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn lockere Geldpolitik beendet wird.

Washington. Die Finanzminister aus aller Welt haben vor den Risiken im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Politik des lockeren Geldes gewarnt. Die Zentralbanken der Industrieländer müssten Vorsicht bei der geldpolitischen Wende walten lassen, forderte der Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) an diesem Wochenende in seinem Abschlussbericht nach seiner halbjährlichen Tagung in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington.

Ein Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik dürfe nicht zu einer Destabilisierung der Schwellenländer führen. Zugleich müssten diese umgehend Schutzmaßnahmen ergreifen, ihre Wirtschaftspolitik reformieren und die Anfälligkeit gegenüber unvorhersehbaren Kapitalflüssen reduzieren. Die Verringerung der Haushaltsdefizite sei ein solcher Schritt. Allerdings seien dazu auch Industrieländer wie die USA und Japan verpflichtet.

Schwellenländer unterstützen

„Schlüsselaufgabe ist es, uns auf diesen Prozess zu konzentrieren und uns gut auf diese letztendliche Normalisierung vorzubereiten“, sagte Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam, der dem Lenkungsausschuss derzeit vorsteht. Der IWF müsse bereitstehen, um den Schwellenländern unter die Arme zu greifen. Zwar werde der Ausstieg nicht umgehend stattfinden, doch werde es dazu kommen.

Turbulenzen durch Andeutung

Zuletzt hatten bereits die Andeutungen der US-Notenbank im Juni, wohl noch in diesem Jahr ihr 85 Mrd. Dollar (62,66 Mrd. Euro) schweres Anleihe-Kaufprogramm zurückzufahren, für Marktturbulenzen gesorgt. Darunter litten vor allem die Schwellenländer, wo Anleger in großem Stil Gelder abzogen. Denn bei einem Ende der Anleihe-Käufe durch die Notenbank steigen die Renditen in den USA wieder, was die Bonds anderer Länder für Investoren im Vergleich weniger attraktiv macht. Diese Aussicht brachte die Kurse lokaler Währungen unter Druck.

Wachstum bleibt verhalten

Dies kommt nach Analysen der IWF-Experten zur Unzeit, da etliche dieser Länder bereits mit Problemen kämpfen, wie etwa einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Dieses bleibt nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds auch weltweit weiterhin verhalten.

„Werkzeugkasten“ ausbauen

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, es wäre ratsam, sich auf eine „normalere“ Geldpolitik vorzubereiten und zugleich ein Auge auf die Risiken zu haben, die in einem Niedrig-zins-Umfeld entstünden. Die USA halten ihren Leitzins seit 2008 bei nahe null. Ähnlich äußerte sich auch der russische Finanzminister Anton Siluanow. Es könnte zu „erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten“ kommen, sollte der Schritt in Richtung einer strafferen Geldpolitik gegangen werden.

Ähnlich äußerte sich Malaysias Zentralbankchefin Zeti Akhtar Aziz. Sie forderte deswegen den IWF auf, seinen Werkzeugkasten auszubauen, um auf Erschütterungen angemessen reagieren zu können.

Der österreichische Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny betonte: „Die globale Finanzstabilität ist eine gemeinsame Verantwortung.“ Wichtig sei, dass die Federal Reserve eindeutig kommuniziere, welchen Weg sie einschlage, um die Auswirkungen einigermaßen in Grenzen zu halten.

Wichtig ist, dass die Fed eindeutig kommuniziert, welchen Weg sie einschlägt.

Ewald Nowotny

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