Weniger Tage pro Woche, dafür mehr Stunden

Markt / 21.10.2013 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorreiter in Sachen überbetrieblicher Kinderbetreuung ist die Prisma Gruppe, die eigene Betreuungseinrichtungen betreibt. Foto: prisma
Vorreiter in Sachen überbetrieblicher Kinderbetreuung ist die Prisma Gruppe, die eigene Betreuungseinrichtungen betreibt. Foto: prisma

Frau in der Wirtschaft will flexiblere Arbeitszeiten. „Eine win-win-win-Situation.“

schwarzach. Flexible Arbeitszeiten heißt das Gebot der Stunde, vor allem wenn es darum geht, Beruf und Familie zu vereinen. Der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten ist speziell bei Frauen stark verankert. „Doch selbst wenn Unternehmen und Arbeitnehmerin miteinander eine Lösung finden könnten, hakt es oft an den gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen“, stellt Adelheid Fürntrath-Moretti fest. Sie ist die Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft und weiß daher, wo der Schuh drückt. Um Lösungen zu finden, die praktikabel sind, hat sie eine Umfrage unter Frauen in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass hier eindeutig Handlungsbedarf besteht.

Vor allem der Wunsch nach verschieden langen Arbeitstagen wurde dabei laut. Für 87 Prozent wäre dies interessant und drei Viertel würden sich die Arbeitszeit gern auf weniger Tage pro Woche aufteilen. Frau in der Wirtschaft (FiW) fordert daher eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes, damit Arbeitnehmer einfach zwischen unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten wechseln können. Zudem soll die tägliche Normalarbeitszeitgrenze auf 10 Stunden angehoben werden. Somit wären die neunte und zehnte Stunde keine Überstunden und damit zuschlagsfrei. Gleichzeitig sollen für bestimmte Fälle und „Arbeitsplätze geringer Belastung“ die Spielräume, mehr als 10 Stunden zu arbeiten, erweitert werden.

Wesentliche Erleichterungen

„Gerade die Kinderbetreuung in den Ferienzeiten stellt die Familien immer wieder vor große Herausforderungen. Längere Durchrechnungszeiten oder Jahresarbeitszeitmodelle könnten hier eine wesentliche Erleichterung bringen“, ist Karin Furtner von der Geschäftsstelle Frau in der Wirtschaft überzeugt. Eine weitere Forderung betrifft den Bereich Homeoffice. Hier geht es um die festgelegten Ruhezeiten, die nach Ansicht von Frau in der Wirtschaft die flexible Zeiteinteilung stark einschränken. Die gesetzlichen Ruhezeiten bei Teleworking sollen daher verringert werden. Zudem würden zahlreiche Kollektivverträge ab einer gewissen Uhrzeit, meist ab 20 Uhr, Nacht- oder erhöhte Überstundenzuschläge vorsehen. FiW tritt dafür ein, die Arbeitszeit flexibel einteilen zu können.

„Wir fokussieren uns beim Thema flexiblere Arbeitszeit auf die Vorteile für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, stellt Evelyn Dorn, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft in Vorarlberg, klar.

Wenn flexible Arbeitszeiten nicht reine Zukunftsmusik bleiben sollen, müsse aber auch das Angebot in der Kinderbetreuung ausgebaut werden. „Hier ist die Politik gefordert, die Öffnungszeiten an die flexiblen Arbeitszeiten anzupassen. Das heißt auch, dass wir endlich über die vielen Schließtage in Vorarlberg diskutieren müssen. Wenn die Kinder mehr Ferientage haben als eine Angestellte in unseren Unternehmen – geschweige denn von arbeitsfreien Tagen der Unternehmerinnen – müssen wir nicht über Arbeitszeiten sprechen“, betont Dorn.

Hier gehe es um eine individuelle Regelung ohne Zwang, die für alle Seiten Vorteile mit sich bringe. „Wenn wir Unternehmer, Arbeitnehmer und Familie betrachten, kann das sogar eine Win-win-win-Situation ergeben. Die Unter­nehmer können so flexibel auf Konjunkturschwankungen, saisonale sowie branchenspezifische Auftragslagen reagieren“, ist Dorn überzeugt.

„Win-win-win-Situation“

Das betont auch Karin Furtner: Für die Arbeitnehmer sei gerade die längere Durchrechnungszeit ein enormer Vorteil, wenn diese individuell und in Einzelvereinbarungen festgelegt werden. „Um beim Beispiel der berufstätigen Mutter zu bleiben: Sie könnte in den ersten 26 Wochen des Jahres 30 Stunden arbeiten, weil das Unternehmen viele Aufträge hat. In den nächsten 13 Wochen arbeitet sie 20 Stunden, baut ihre Plusstunden ab. Für den Rest des Jahres bleibt es bei den vereinbarten 25 Wochenstunden.“

Uns geht es um eine individuelle Regelung ohne Zwang.

evelyn Dorn, FiW