Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Dieser Wunsch ist ein Auftrag

Markt / 23.10.2013 • 21:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

1800 Frauen wurden von den Meinungsforschern des „market“-Instituts im Auftrag der Wirtschaftskammer-Vorfeldorganisation „Frau in der Wirtschaft“ zum Thema Arbeitszeit befragt. Und 87 Prozent dieser berufstätigen Frauen sagten „verschieden lange Arbeitstage“ seien für sie interessant. Drei von vier Frauen würden ihre Arbeitszeit auf wenige Tage in der Woche beschränken, würde man sie lassen.

Ein eindeutiges Ergebnis. Könnte man meinen. Ein klarer Auftrag an Interessenvertreter, tätig zu werden. Und das wurden sie auch. Die Reaktionen der Arbeitnehmerseite auf den Flexibilisierungsvorstoß der Unternehmerinnen war einhellig: Sie lehnte die Initiative rundweg ab. Die aus der Umfrage abgeleiteten Forderungen der Wirtschaftsfrauen haben da sicher das Ihre dazu beigetragen: Die Arbeitszeitmodelle kämen den Angestellten zwar entgegen, sie hätten aber auch den Verlust der Überstunden-Zahlungen zur Folge. Das ist bei den niedrigen Löhnen, die in den typischen Frauenberufen nach wie vor üblich sind, ein No-Go, das muss auch den Wirtschaftskammer-Strateginnen klar sein. Aber das ändert nichts am Wunsch vieler Arbeitnehmerinnen und -nehmer nach flexibleren Arbeitszeiten.

Und dieses Begehren wird von einigen behäbigen, aber entscheidenden Funktionären, die z. B. in den Arbeiterkammern sitzen, nicht goutiert. Es gilt nur, was genehm ist. Wo käme man denn hin, wenn man jeden Wunsch der Mitglieder ernst nähme. Es waren übrigens genau jene Funktionäre, die vor Kurzem in einer eigenen Untersuchung (IFES) zu viele Überstunden zählten. Von den Unternehmen forderten sie, diesen „Missbrauch“ abzustellen. Ja, wie jetzt? Wollen sie nun ein Recht auf Überstunden oder soll es ein Gesetz gegen Überstunden geben?

Dieses verwirrende Verhalten der Spezies „Arbeitnehmervertreter“ könnte man als flexibel bezeichnen. Und sich ärgern, dass die Flexibilität, überhaupt über Veränderungen in der Arbeitswelt nachzudenken, bei manchen einfach nicht vorhanden ist. Dass die Umfrage nicht zum Anlass einer grundsätzlichen Diskussion über Arbeitszeitflexibilisierung hergenommen wird, ist symptomatisch für eine Funktionärskaste, die offenbar zu abgehoben ist, um noch zu wissen, was ihre Klientel will und braucht. Dabei ist der Auftrag der Untersuchung eigentlich klar: Es soll sachlich und durchaus hart über Bedingungen verhandelt werden, wie der Wunsch nach flexibleren Arbeitzeiten umgesetzt wird. Fair und für alle Branchen gleichermaßen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862

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