Vom Kaschmirgebiet und Pionieren aus Schröcken

Markt / 24.10.2013 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nichts für schwache Nerven: Die Bauarbeiten in rund 150 Metern Höhe über dem Fluss Chenab in Indien. Fotos: Jochum
Nichts für schwache Nerven: Die Bauarbeiten in rund 150 Metern Höhe über dem Fluss Chenab in Indien. Fotos: Jochum

Beim Bau der größten Materialseilbahn der Welt geht nichts ohne Vorarlberger Know-how.

Schröcken. In Indien im Kaschmirgebiet soll die höchste Eisenbahnbrücke der Welt entstehen. Die Züge werden in über 350 Metern Höhe über das Tal, das der Fluss Chenab teilt, gleiten. Für den Bau werden völlig neue Maßstäbe gesetzt – auch bei den Vorarbeiten. Um die temporäre Materialseilbahn, die nach ihrer Fertigstellung ebenso wie die Eisenbahn den Weg ins Guinessbuch der Rekorde finden wird, aufzubauen, rückte vor drei Jahren die Firma „Jochum Andreas – Seilbahntransporte GmbH“ aus Schröcken aus, um im Auftrag des Südtirolers Seilbahnherstellers Seik die Bahn zu montieren. „Erst sollte es eine Winterbaustelle werden. Nun wurden es drei Winter“, sagt Firmeninhaber Andreas Jochum (45).

Abgesehen von den noch nie da gewesenen Dimensionen seien halt auch die Umstände in Indien keine einfachen. „Die größte Herausforderung war die Infrastruktur. Was wir nicht von zu Hause mitgenommen haben, hatten wir auch keine Chance mehr vor Ort zu bekommen“, sagt Jochum und führt aus: „Dann hieß es immer wieder einmal Baustopp und wir mussten wieder abreisen und erneut anreisen.“

Mit fünf Mann vor Ort

Drei Jahre lang war Jochum immer wieder mit vier, fünf Mann vor Ort. Die größten Herausforderungen sei zum einen die Aufrichtung der 130 Meter hohen und 400 Tonnen schweren Stützen gewesen. Zudem wurden diese fliegend verankert, was bedeutet, dass sie sich je nach Standpunkt der Last mitbewegen. Zum anderen war es kein leichtes Unterfangen, die Seilzüge über das 1,3 Kilometer breite Tal zu bringen. Die Lösung: „Wir sind mit den Seilzügen runter ins Tal marschiert und mieteten uns Boote an, um den Fluss zu überqueren“, erklärt der 45-Jährige. Klingt banal, die Ausführung war aber bei Weitem nicht so einfach.

Jochum Seilbahntransporte hat sich seit 1995 in der Branche einen Namen gemacht, wickelte Projekte in Myanmar (Thailand), Rumänien oder Ecuador ab. Neben Seilbahnmontagen machen die Schröckener auch Seilzüge aller Art und darüber hinaus erledigt Jochum mit seiner achtköpfigen Mannschaft auch Kranarbeiten.

Weitere Vorarlberger involviert

Doch zurück zur Materialseilbahn in Indien. Dort ist Vorarlberger Know-how längst nicht nur bei der Montage gefragt. Der Südtiroler Seilbahnbauer Seik bediente sich bereits beim Bau der Materialseilbahn im Ländle. Steurer Seilbahnen nämlich lieferte mit sogenannten „Spangen“ ebenfalls Komponenten.

Kritische Gegend

2016 soll die Eisenbahn fertiggestellt sein. Ob das gelingt, ist fraglich. Noch immer gibt es im Kaschmirgebiet Konflikte zwischen Indien und Pakistan. Bauherr ist das indische Ministerium, das die staatliche Eisenbahn „Indian Railways“ unter seiner Verantwortung hat. Die Indian Railways sind mit einer Streckenlänge von mehr als 109.221 km eine der größten Eisenbahngesellschaften der Welt. Im Rahmen der Zukunftsvision 2020 (Zeitraum 2010-2020) plant die indische Regierung rund 300 Milliarden US-Dollar in die Modernisierung und den Ausbau des Bahnnetzes zu investieren.

Andreas Jochum und sein Team haben ihre Arbeiten nun beendet – dem Bau der Eisenbahnbrücke steht von dieser Seite zumindest nichts mehr im Weg.

Die größte Herausforderung in Indien ist die Infrastruktur.

Andreas Jochum
Die Stützen sind 130 Meter hoch und beweglich. Laut Jochum ist es eine der größten Herausforderungen, die Stützen aufzurichten.
Die Stützen sind 130 Meter hoch und beweglich. Laut Jochum ist es eine der größten Herausforderungen, die Stützen aufzurichten.

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