„Bedingungen für Bevölkerung und Wirtschaft sind untragbar“

Markt / 27.10.2013 • 20:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nichts geht mehr: Das Wirtschaftsland Vorarlberg leidet an der veralteten Verkehrsinfrastruktur, wie der Stau auf der Lustenauer Rheinbrücke zeigt. „Das ist der Bevölkerung und der Wirtschaft nicht mehr zumutbar.“ Foto: VN/Hartinger
Nichts geht mehr: Das Wirtschaftsland Vorarlberg leidet an der veralteten Verkehrsinfrastruktur, wie der Stau auf der Lustenauer Rheinbrücke zeigt. „Das ist der Bevölkerung und der Wirtschaft nicht mehr zumutbar.“ Foto: VN/Hartinger

Exportweltmeister müssen ihre Produkte verteilen. Das geht aber nur mit leistungsfähigen Transportwegen.

Schwarzach. Tirol ist für die Vorarlberger Transportwirtschaft ein Problem – seit Jahrzehnten. Mit immer neuen Regelungen, die den Lkw-Verkehr eindämmen sollen, sorgen Tirols Politiker bei den Frächtern für permanenten Ärger „Wir bekämpfen die Fahrverbote immer wieder vor Gericht. Wir bekommen auch recht“, so der Branchensprecher der Verkehrswirtschaft, Gerhard Berkmann, „aber die ändern dann ihre Vorschrift und die ganze Prozedur beginnt von vorne.“ Aktuell dräut ein Nachtfahrverbot für alle Lastwagen, die nicht der Abgasnorm Euro 6 entsprechen. „Ein Wahnsinn“, so Berkmann. „Die Betriebe haben viel Geld in den Fuhrpark gesteckt, um Euro-5-fit zu sein, und jetzt das.“ Von der Bundespolitik erwartet sich Berkmann deshalb „endlich verlässliche Bedingungen, damit nicht jeder Kommunalpolitiker einfach Fahrverbote erlassen kann“. Aber nicht nur Tirol macht Sorgen. In Vorarlberg leiden die Transporteure darunter, dass die Verkehrsinfrastruktur im Argen liegt.

Seit 1980 diskutiere man über die S 18, aber „bis heute ist nichts passiert“. Die Bedingungen auf den Straßen nach Lustenau und Höchst seien inzwischen untragbar für Bevölkerung und Wirtschaft. Die Vorarlberger Transportwirtschaft, die über 4500 Personen beschäftigt, fordert Maßnahmen, denn der Zollübergang Feldkirch-Schaanwald habe ebenfalls seine „Abfertigungsgrenze“ erreicht. Mit der Bahn gehe auch nichts mehr, solange der Güterbahnhof Wolfurt nicht endlich ausgebaut werde. Immerhin habe Vorarlberg den höchsten Bahnanteil aller Bundesländer beim Gütertransport.

„Vorarlberg ist stolz auf die hohe Exportrate seiner Wirtschaft. Aber die Produkte müssen auch zu ihren Märkten transportiert werden“, weist er auf wirtschaftliche Zusammenhänge hin. Eine weitere Herausforderung wartet mit der Totalsperre des Arlbergtunnels, die allerdings anders gelöst werden soll als mit einem Ersatztunnel wie von einem Kammerfunkionär vorgeschlagen: „Wir sind für eine Totalsperre, um dann in möglichst kurzer Zeit mit den Sanierungsarbeiten fertig zu werden.“ Dafür müsste das Pass-Fahrverbot für diese Zeit ausgesetzt werden.

Die Produkte müssen zu ihren Märkten transportiert werden – und die Rohstoffe ins Land.

Gerhard Berkmann

Wichtige Branche, wichtige Anliegen

Transport in Zahlen

» Lkw 2012: 914

» Kleintransportgewerbe bis 3,5 t Gesamtgewicht 2012: 547

Unternehmen und Beschäftigte im Vorarlberger Güterbeförderungsgewerbe

» Einpersonenunternehmen (EPU) = selbstfahrende Unternehmer: 167

» Arbeitgeberbetriebe: 226

» Arbeiter: 833

» Angestellte: 2083

» Lehrlinge: 18

» Gesamtbeschäftigte im Vorarlberger Güterbeförderungsgewerbe („Frächter“) 2012: 2933
(zusätzlich in Vorarlberger Speditionen: 1479)

Das braucht der Güterverkehr

Infrastruktur

» Ausbau der Straßeninfrastruktur mit neuen Zollamt im unteren Rheintal

» Verkehrslösung Feldkirch/Liechtenstein

» Beginn mit den Ausbau des Güterbahnhofs Wolfurt

Rechtssicherheit

» Einheitliche Regeln für Fahrverbote auf Bundes- bzw. EU-Ebene

Arlbergtunnel-Sperre

» Totalsperre statt Teillösungen – dafür Aufhebung des Anhängerfahrverbots und der Tonnagebeschränkung – Aufhebung des Fahrverbotes über den Fernpass.

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