„Ausfallrate ist gering“

Markt / 29.10.2013 • 21:07 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

In Sotschi sind Bauarbeiten fast abgeschlossen. Russland sei generell auf gutem Weg.

Sotschi. Siegfried Wolf ist Gesellschafter in zwei Unternehmen des Mischkonzerns Basic Element (BasEl), der dem Oligarchen Oleg Deripaska gehört. Als Verwaltungsratschef steht Wolf in der Maschinenbausparte Russian Maschines (RM) mehr als 90.000 Mitarbeitern vor, in der Bauindustrie sind es direkt und indirekt an die 100.000 Leute. Die BasEl-Gruppe hält laut FirmenCompass über die zypriotische Rasperia Trading Limited derzeit 18,8 Prozent der Anteile an der Strabag und hat bis Juli 2014 eine Kaufoption für weitere 6,2 Prozent.

Im Interview mit den Vorarlberger Nachrichten spricht Wolf über Russland als Wirtschaftsstandort, über Putin und den aktuellen Baufortschritt in Sotschi, wo Wolf Bauherr über Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp zwei Milliarden Euro ist.

In 100 Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele. Hat sich an der Einstellung Russlands mit den Vorbereitungen etwas geändert?

Siegfried Wolf: Man geht mit vollem Enthusiasmus in die Endphase, man nimmt die Dinge sehr ernst. Normalerweise passt man hier den Plan an die Leistung an, jetzt musste man sich erstmals an den Plan halten. Die Spiele sind nicht zu verschieben.

Dennoch hat Wladimir Putin zuletzt Kritik geübt …

Wolf: Diese Spiele sind die Spiele des Herrn Präsidenten. Deshalb nimmt er die Dinge sehr persönlich und ist laufend vor Ort. So reißt er alle mit, dass sein Versprechen umgesetzt wird.

Sie sind mit ihren Firmenbeteiligungen in das Bauvorhaben involviert. Wie sehr sind Sie vom Erfolg abhängig?

Wolf: Unter den privaten Investoren sind wir die Nummmer 2. Eine Größenordnung von zwei Milliarden Euro, das kann man auch nicht in den Sand setzen. Aber von großen Gewinnen kann man hier nicht sprechen.

Wie ist der aktuelle Baufortschritt? Ist das Bauen leichter, weil Putin dahintersteht?

Wolf: 95 Prozent sind fertig. Die ersten Zimmer wurden zur Möblierung übergeben. Es gibt auch hier Normen, die setzt auch kein Präsident außer Kraft. Man kann Abläufe natürlich besser gestalten.

Wie wichtig ist Ihnen die Nachnutzung der geschaffenen Infrastruktur?

Wolf: Ein wesentliches Thema, denn da bekommen wir unser Geld zurück. Wir müssen alles verkaufen, deshalb bringen wir gerade die Verkaufsproblematik auf Schiene. Wir bauen das Olympische Dorf nicht nur für Sportler, sondern auch für den Verkauf danach.

Besteht denn hier ein so großer Immobilienbedarf?

Wolf: Natürlich; sie können am Berg Skifahren und können danach im Schwarzen Meer schwimmen. Das macht es attraktiv. Hier wird eine neue Fremdenverkehrsregion geschaffen.

Das werden sich wohl nicht alle leisten können …

Wolf: Ich gehe davon aus, dass Förderprogramme von der Regierung den Immobilienkauf unterstützen werden. Dass 4000 Euro pro Quadratmeter nicht billig ist, ist klar. Aber wie erwähnt, die Region hat einen sehr hohen Freizeitwert und wird eher was für junge Leute sein.

Was halten Sie von denen, die einen Rückzug aus dem Ost-Europa-Geschäft befürworten?

Wolf: Wo macht denn die Raiffeisen International ihr Geld? In Weißrussland und in Russland. Wir sind im Autogeschäft und verkaufen unsere Produkte. Und die Ausfallrate ist gering, die ist im hinteren Komma­bereich zu messen. Ich verspüre diesen Rückzug nicht – wohin soll denn Europa wachsen? Wenn dann ein Putin einen Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon anbietet und zu Investitionen einlädt, sehe ich das als positives Signal. Ich glaube, dass wir dieses Europa des Friedens in einen größeren Wirtschaftsraum verwandeln müssen. Ich bin ein glühender Verfechter der EU-Leitlinien.

Für all jene, die den Weg nach Russland scheuen: Wie bringt man die russische und österreichische Mentalität unter einen Hut?

Wolf: Wir Österreicher sind Intergrationsfiguren, mit einer Kultur des Zusammenbringens. Kulturell sind wir uns ähnlich. Die Russen essen und trinken auch das Gleiche wie wir – gut, bei uns heißt es Schnaps und bei ihnen Wodka. Aber das ist eine sehr sehr gute Basis.

Von ausländischen Medien wird immer wieder Kritik zum totalitären Führungsstil Putins und zum Rechtsstaat geäußert …

Wolf: Macht Russland alles richtig? Die Frage kann man sich stellen. Aber ist die ­Richtung die richtige? Ich glaube schon. Wenn Sie Russland mit den anderen BRIC-Staaten vergleichen, sind die Russen beim Pro-Kopf-Einkommen weit vor den Chinesen, Brasilianern und Indern. Russland braucht industrielle Arbeitsplätze, hier muss noch viel geschehen. Damit die Sicherheit der Investitionen garantiert ist. Auf die Kritik reagierte Putin und setzte einen Ombudsmann ein. Ich habe das probiert; man bekommt sofort eine Antwort. Zusätzlich gibt es Schnellgerichtsverfahren, da habe ich das Gefühl, dass es fair abläuft. Industriell läuft alles nach internationalen Spielregeln.

Wenn ein Putin zu Investitionen einlädt, sehe ich das positiv.

Siegfried Wolf

Zur Person

Siegfried Wolf

Manager aus der Steiermark, Aufsichtsratsvorsitzender von „Russian Machines“ und Aufsichtsrat bei der Strabag

Geboren: 31. Oktober 1957

Ausbildung: Werkzeugmachermeister

Laufbahn: Bis 1995 Werksleiter der Hirtenberger AG, 2005 bis 2010 CEO bei Magna

Familie: verheiratet, zwei Kinder

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