Wie man für Kinder richtig vorsorgt

Markt / 30.10.2013 • 20:21 Uhr / 11 Minuten Lesezeit
Wie man für Kinder richtig vorsorgt

Vorarlbergs Experten zeigen, welche Finanzprodukte sich dafür am besten eignen.

Schwarzach. In der Weltsparwoche und am heutigen Weltspartag nutzen wieder viele Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, bei den heimischen Banken ihre „Kässele“ zu leeren und sammeln dadurch erste Erfahrungen mit der Finanzwelt und dem Thema „Sparen“.

Aber genauso wie Kinder sparen lernen, können auch Eltern ihren Beitrag zur Vorsorge leisten. Dabei kommt es nicht auf die Höhe der Sparsumme an, wie die Beispiele unserer Experten zeigen. Sie zeigen auf, wie man für seine Kinder optimal vorsorgt und welche Produkte sich am besten eignen.

Allerdings, so rät Finanzberater Markus Salzgeber, sollten sich die Eltern anfangs alle Vor- und Nachteile der Produkte im Detail aufzeigen lassen. „Eltern sollten nur solche Produkte zeichnen, die in Notlagen einen schnellen Zugriff ermöglichen, die sie verstehen und nachvollziehen können und die ein überschaubares Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen“, so der Sprecher der Vorarlberger Finanzdienstleister.

Zusätzlich gelte es die Frage abzuklären, auf welchen Namen das Vorsorgeprodukt künftig lauten soll. Dies hat insofern eine hohe Bedeutung, als nicht alle Anlageprodukte für Kinder und Jugendliche gemäß § 217 ABGB als mündelsichere Anlagen geeignet sind und im Falle des Todes eines Elternteils umgehend eine Sachwalterschaft für das Kind gerichtlich bestellt wird.

„So früh wie möglich“

Generell gilt, so früh wie möglich mit dem Sparen anzufangen. Denn der Faktor Zeit spiele eine große Rolle, erklärt Herbert Nitz von der Hypo Landesbank. Auch Günther Lutz von der Dornbirner Sparkasse betont, nie wieder könne so günstig und ertragreich eine finanzielle Basis aufgebaut werden. „Es genügen schon geringe Beträge, damit jeder Euro ein Vielfaches an Ertrag erwirtschaften kann.“

Auch für Stephan Kaar, Vorstandsdirektor der Volksbank Vorarlberg, ist der ideale Zeitpunkt „ab der Geburt des Kindes“. Schließlich sei eine gute Vorsorge wichtig für eine sichere Zukunft.

Günther Lutz, Sparkasse Dornbirn

Damit Kinder später einen finanziellen Startvorteil genießen können, empfehle es sich, schon sehr früh – idealerweise vom Babyalter an – Vorkehrungen zur finanziellen Vorsorge zu treffen, ist Günther Lutz von der Dornbirner Sparkasse überzeugt.

Denn nie wieder könne so günstig und ertragreich eine finanzielle Basis aufgebaut werden.
„Es genügen schon geringe Beträge, damit jeder Euro ein Vielfaches an Ertrag erwirtschaften kann.“

Für die Vorsorge bieten sich unterschiedliche Produkte an, wobei Anlageformen mit großer Sicherheit empfehlenswert sind. So bringt das 3 % Sparefroh Sparbuch Kindern schnelle Spar-Erfolge: Einmalig für jedes Kind werden die täglich fälligen Einlagen bis maximal 500 Euro mit 3 %, darüber hinaus mit 0,125 % verzinst. Der Betrag kann ganz oder in Kleinbeträgen auf die Sparkarte überwiesen werden. Nach dem 10. Geburtstag wird das gesamte Guthaben mit 0,125 % p. a. fix verzinst.

Zielführend ist aber auch ein privates Pensionsversicherungsmodell, das speziell auf den Einstieg im Kindesalter abgestellt ist. Zusätzliche Einzahlungen, aber auch Zwischenbehebungen – z. B. für Führerschein oder Haushaltsgründung – sind möglich. Mit dem Abschluss eines Bausparvertrages ist man ebenfalls auf der sicheren Seite. Neben der staatlichen Prämie schafft der Bausparer auch die Basis für eventuelle Wohnraum- oder Ausbildungsfinanzierung.

Ebenfalls geeignet sind Fonds-Pläne, bei denen regelmäßig Anteile an bestimmten Fonds erworben werden. Hier ist jedoch unbedingt auf eine mittlere Behaltefrist zu achten, um die Wertschwankungen des Fonds auszugleichen. Alle Produkte sind mit leistbaren monatlichen Beträgen ab etwa 30 Euro erschwinglich.

Aber auch für Kinder sei es wichtig, so früh wie möglich zu lernen, wie man Geld umsichtig verwendet und es für die zukünftige Erfüllung von Wünschen auf die Seite legt. „Es ist so wichtig, dass Eltern ihre Kinder von Anfang an auf den Umgang mit Geld vorbereiten. Denn Sparen legt den Grundstein für finanzielle Unabhängigkeit und bewahrt vor der Schuldenfalle“, erklärt Lutz.

Herbert Nitz, Hypo Landesbank

Das Motto bei der Hypo Landes­bank lautet unverändert „Je früher, desto besser“ bzw. „Je mehr, desto besser“. Sparen sollte als langfristiges Ziel betrachtet werden und ist in erster Linie eine Sache der Disziplin und Konsequenz, erklärt Herbert Nitz, Vertriebsleiter Privatkunden bei der Landesbank.

Aus diesem Grund empfehle man den Kunden schon seit vielen Jahren konsequentes, monatliches Ansparen mittels Dauer- bzw. Einziehungsauftrag. Beim Sparen für Kinder bzw. Jugendliche gebe es sehr viele Möglichkeiten.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Eltern monatlich die Familienbeihilfe für ihre Kinder zur Seite legen und später oft für deren Ausbildung, ein Mofa, den Führerschein das erste Auto oder für das Studium nutzen. Vor allem wenn mehrere Kinder diese Ziele haben, stellt dies für viele Eltern eine große finanzielle Belastung dar, die durch frühzeitiges Ansparen besser bewältigt werden kann“, ist Nitz überzeugt.

Beim Sparen, vor allem bei Kindern bzw. Jugendlichen, spielen sowohl Zeit als auch Sicherheit eine große Rolle. Die Auswahl der Produkte ist groß und es gelte, die Anlageziele mit unterschiedlichsten Bedingungen in Einklang zu bringen. Produkte, die sich laut Herbert Nitz gut eignen, sind z. B. ein täglich fälliges Sparbuch, ein Prämiensparbuch mit vier Jahren Laufzeit, das zumindest vierteljährlich bespart werden soll, oder ein Bausparvertrag (Laufzeit: sechs Jahre).

Interessant seien auch das monatliche Ansparen in Fonds mit verschiedenen Risikoklassen oder das Ansparen in Versicherungen.

Dass Zeit ein wesentlicher Faktor ist, zeige das folgende Beispiel: Wird beispielsweise zur Geburt eines Kindes ein Fondsansparvertrag mit einer monatlichen Besparung von 50 Euro abgeschlossen, steht zum 18. Geburtstag des Kindes eine Einlagensumme in Höhe von ca. 15.300 Euro zur Verfügung (10.800 Euro resultieren aus Eigeneinzahlungen, der Rest aus Zinsen. Die KESt ist bereits abgezogen.).

Markus Salzgeber, Finanzberater

„Je nach frei verfügbarem Betrag kann bereits mit geringen Sparbeträgen begonnen werden“, erklärt Markus Salzgeber, Sprecher der Vorarlberger Finanzdienstleister. Sollten keine regelmäßigen Sparzahlungen möglich sein, so empfehle er den Eltern, zuerst ein Sparbuch bzw. Internetkonto zu eröffnen und hier die kleinen Sparbeträge anzusammeln. Sollten diese mit der Zeit den Betrag von 500 Euro übersteigen, könne eine weitere Veranlagung in ein Folgeprodukt erfolgen. „Wir persönlich bevorzugen Mündelgeld- u/o internationale Anleihe-, Vermögensverwaltungs- bzw. Mischfonds als mittel- bis längerfristige Vorsorgeprodukte für Kindergeldanlagen. Fondspolizzen sind aus steuerlicher Sicht langfristig interessant“, betont Salzgeber. Reine Aktienfonds empfehle er nur dann, wenn das Risiko von den Eltern auch wirklich getragen werden kann.

Generell eignen sich seiner Meinung nach aber je nach Erfahrungswert der Eltern im Umgang mit Sparprodukten, voraussichtlicher Laufzeit und Ertrags- bzw. Risikoverhältnis auch folgende Produkte:

Sparbücher und Bausparverträge haben den Vorteil der Einlagensicherung und dass Einzahlungen bereits mit kleinen, auch unregelmäßigen Beträgen möglich sind. Der Nachteil beim Sparbuch allerdings sind die geringen Zinsen und der Realverlust.

Für mündelsichere Fonds sprechen die breitere Risikostreuung und die mittel- bis längerfristig höheren Rendite-Chancen als bei Sparbüchern und Bausparverträgen. Die Zeichnung von Einmalerlägen ist meist ab 500 Euro möglich, monatliche Sparpläne meist ab 50 Euro. Dafür gibt es einen Ausgabeaufschlag, Depotkosten und Kaufspesen sowie eine Kursgewinnbesteuerung.

Auch bei Pfand- und Kommunalbriefen, Bankschuldverschreibungen bzw. Staatsanleihen der Republik Österreich gibt es mittel- bis längerfristig höhere Rendite-Chancen, aber ebenfalls Kaufspesen, Depotgebühren, Kursgewinnbesteuerung und die Tatsache, dass die ausgezahlten Zinsen nicht ohne Weiteres wiederveranlagt werden können.

Stephan Kaar, Volksbank Vorarlberg

„Der Weltspartag oder vielmehr die Weltsparwoche ist für uns eine der wichtigsten Zeiten des Jahres. Wir empfehlen unseren Kunden, schon möglichst früh mit der finanziellen Vorsorge für ihre Kinder zu beginnen – idealerweise bereits ab der Geburt“, betont Stephan Kaar, Vorstandsdirektor der Volksbank Vorarlberg.

Denn neben einem stabilen familiären Umfeld sei besonders eine gute Vorsorge wichtig für eine sichere Zukunft.

Sein Tipp: Wer schon mit der Geburt des Nachwuchses damit beginne, könne bis zu dessen Volljährigkeit eine beachtliche Summe ansparen.

Die Volksbank Vorarlberg empfiehlt folgende Varianten:

Das Sparbuch ist für jeden (jungen) Sparer fast schon ein Muss. Eltern können ihrem Neugeborenen bei der Volksbank ein Babysparbuch anlegen.

Für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren ist dann das MIKE-Sparsystem ideal. Das Kind erhält zu Beginn ein MIKE-Sparbuch und einen Sparpass. Der Sparpass dient dazu, Bonuspunkte für Einzahlungen zu sammeln sowie Freude am Sparen zu erlangen. Nach Erreichen eines bestimmten Punktestands erhält das Kind ein Geschenk und das MIKE-Comic-Heft.

Ein weiteres Spitzenprodukt und ein „Klassiker“ unter den Sparformen ist der Bausparvertrag – eine der beliebtesten Anlageformen! „Wir bieten das Jugendbausparen der ABV an, das einen besseren Zinssatz als das ,normale‘ Bausparen bietet.

Mit bereits kleinen Beträgen, die später gesteigert werden können, kann im Laufe der Jahre ein schönes Guthaben aufgebaut werden. Diese Vorsorgeform ist sicher und ertragreich“, erklärt Kaar.

Es gibt auch passende Versicherungslösungen: Aufgrund der flexiblen Zahlungsmöglichkeiten können Paten, Eltern oder Großeltern für die Kleinen sparen. „Die von uns angebotene Kindervorsorge bietet u. a. eine fondsgebundene Lebensversicherung mit Kapital- und Höchststandsgarantie, die bereits ab Beträgen von 25 Euro pro Monat möglich ist“, betont der Vorstandsdirektor. Je nach Bedarf gebe es die Möglichkeit, vorzeitig Geld aus dem vorhandenen Fonds-Guthaben zu entnehmen.

„Das Wichtigste ist, den Spargedanken zu fördern und den Umgang mit und das Gefühl für Geld zu erlernen“, ist Kaar überzeugt.

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