Völlig andere Parameter

Markt / 24.04.2014 • 22:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ingo Metzler erstellt mit seinem Betrieb die Gemeinwohl-Bilanz.  VN/KH
Ingo Metzler erstellt mit seinem Betrieb die Gemeinwohl-Bilanz. VN/KH

Schon 35 Vorarlberger Betriebe haben sich der Gemeinwohl-Ökonomie angeschlossen.

Lochau. 90 Prozent der Menschen in Österreich und Deutschland wünschen sich eine neue Wirtschaftsordnung. Das hat eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann-Stiftung im Jahr 2010 ergeben. Nun – vier Jahre später – versammelten sich gestern unter anderem in Berlin, Hamburg, Valencia und am Kaiserstrand in Lochau eben jene, die das Wohl der Gemeinschaft aktiv mitgestalten wollen und wirtschaftlichen Erfolg nicht nur anhand der Finanzen messen wollen.

Waren es vor einem Jahr noch 19 Unternehmen, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, waren es mit dem gestrigen Tag bereits deren 35 in Vorarlberg.

Einen Mehrwert schaffen

Erstmals in diesem Jahr bilanzierte Ingo Metzler mit der Metzler Käse-Molke GmbH in Egg für das Gemeinwohl. Mit 22 Mitarbeitern bewirtschaftet er 30 Hektar Grünland und unterhält 16 Milchkühe sowie 70 Milchziegen. „Dass wir mit der Finanzwirtschaft nicht erfolgreich sind, war mir immer schon klar. Mit dem derzeitigen Finanzsystem fahren wir gegen die Wand“, erzählt Ingo Metzler. Also hat er nach einer Möglichkeit gesucht, wie er seinen Betrieb nicht nur unter finanziellen Aspekten begutachten kann, sondern auch anhand der „Soft Facts sieht, was wir gut machen und was verbesserungswürdig ist“. Mit der Gemeinwohl-Ökonomie ist das möglich.

Eine hohe Punktzahl zum Beispiel erhielt der Landwirtschaftsbetrieb, der über 10.000 Besucher im Jahr begrüßt, in puncto Ökologie und soziale Ausrichtung. So beschäftigt Metzler seit vielen Jahren einen Mitarbeiter mit Behinderung und nimmt sich auch langzeitarbeitsloser Personen an.

Der Gemeinwohl-Ökonomie folgen aber auch große Betriebe, wie zum Beispiel Kirchner Konstruktionen in Weingarten. Mit 200 Mitarbeitern programmiert das deutsche Unternehmen Roboterstraßen für die Automobilindustrie. „Da solche Anlagen viel Energie benötigen, wollten wir effizienter werden. Zudem wollten wir bei der Gemeinwohl-Ökonomie einsteigen, weil das ein Vorteil bei der Mitarbeiterrekrutierung ist“, sagt Energiemanager Martin Ströhle. Erste Maßnahmen waren unter anderem Elektrofahrräder für die Mitarbeiter sowie Obsttankstellen. Der Einsatz für das Gemeinwohl schlägt bei den Konstrukteuren bereits große Wellen: Von BMW hat Kirchner Konstruktionen den Auftrag erhalten, nachhaltige Potenziale des Konzerns aufzudecken. „Die waren richtig platt, dass wir eine Gemeinwohl-Bilanz vorweisen konnten“, freut sich Ströhle.

Um was geht es?

Gemeinwohlökonomie überträgt die heute schon gültigen Beziehungs- und Verfassungswerte auf den Markt, indem sie Wirtschaftsakteure dafür belohnt, dass sie sich human, kooperativ, solidarisch und ökologisch verhalten.

Unternehmen (u. a.): Dorfelektriker, Dorfinstallateur, Energieinstitut, Engel und Brotzge, Gartenbau Angeloff, Gruber+Haumer Landschaftsarchitektur, KAIROS, Müller Wohnbau, Rhomberg Bau, walchbewegt, Weltladen, Aquamühle, Moser, Entner Dach, WEGweisER, Müller Ofenbau, Raiba Lech

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