Spezieller Lernzugang

Markt / 06.06.2014 • 11:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mario Prünster vom AK Bildungscenter setzt unter anderem auf Firmenkurse, die für Niedrigqualifizierte konzipiert sind.  Foto: Dietmar Hofer
Mario Prünster vom AK Bildungscenter setzt unter anderem auf Firmenkurse, die für Niedrigqualifizierte konzipiert sind. Foto: Dietmar Hofer

Das AK-Bildungscenter widmet sich vermehrt dem Thema Weiterbildung für niedrig qualifizierte Beschäftigte.

WEITERBILDUNG. (VN-dh) Selbst in einfacheren Jobs ist es wichtig, dass Anweisungen klar verstanden oder weitergegeben werden können. Denn Verständnis für Betriebsabläufe, Problemlösungsbewusstsein und kooperative Fähigkeiten sind nur einige der Kompetenzen, die auch im Bereich der niedrig qualifizierten Arbeit heute notwendig sind. Ansonsten drohen mitunter Produktionsmängel oder sonstige Fehlleistungen, was sich für Unternehmen teuer auswirken kann.

Sprachbarrieren oder mangelnde Lese- oder Rechenkenntnisse können beispielsweise zu solchen Missverständnissen führen. Doch Vorgesetzte oder Personalverantwortliche fehlen oft selbst die Kenntnisse, wie sie damit umgehen sollen. „Es ist jedoch nicht so, dass Niedrigqualifizierte bildungsunwillig sind. Vielmehr muss man einen speziellen Lernzugang schaffen“, weiß Mario Prünster vom Bildungscenter der AK Vorarlberg. Das Institut arbeitet in dieser Hinsicht mit Experten zusammen und arbeitet entsprechende Firmenkurse aus.

Zu den Menschen hingehen

Als ehemaliger Metaller, der selbst an der Basis angefangen hat, weiß der nunmehr beim AK BC unter anderem für Firmenschulungen zuständige 42-jährige Feldkircher, dass es den direkten Draht „nach unten“ braucht, um diese Menschen auch zu erreichen. „Es ist wichtig, dass man dort hingeht, wo sich ihr Tätigkeitsbereich abspielt und sehr praxisorientiert agiert. Deshalb finden solche Kurse vielfach in den Firmen statt. Und ein wichtiger Aspekt für die Unternehmen ist auch, dass die Kurse flexibel gestaltet und nach Bedarf abgestimmt werden können.“ Genau darauf zielt das Angebot des Bildungscenters ab.

Einer Studie der Hohenemserin Eva Häfele zufolge waren im Jahr 2011 in Vorarlberg insgesamt 47.400 Personen in Hilfs- oder angelernten Tätigkeiten beschäftigt. Das entspricht 28,5 Prozent aller unselbstständig Erwerbstätigen des Landes – oder anders ausgedrückt gut jeder vierte Arbeitnehmer. Wobei niedrigqualifiziert nicht zwangläufig mit unqualifiziert gleichzusetzen ist. Vielfach sind es auch negative frühere Lernerfahrungen oder Prüfungsängste, die eine gewisse Scheu auslösen. „Gerade solche Menschen sind oft sehr dankbar, wenn sie sehen, wie man sich um sie bemüht und ihre Tätigkeiten entsprechend wertschätzt“, so Prünster. Doch aus der Studie geht auch hervor, dass für die meisten Betriebe dies kein vorrangiges Anliegen ist. „Das Bewusstsein, dass Niedrigqualifizierte zu einer Zielgruppe der betrieblichen Personalentwicklung gemacht werden sollten, muss vielfach erst noch geschaffen werden“, schreibt Eva Häfele. Das Bildungscenter der AK will seinen Beitrag mit entsprechenden Kursangeboten dazu leisten.

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