Lage der Transporteure spitzt sich weiter zu

Markt / 18.06.2014 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 11. Juni 2014.
VN-Bericht vom 11. Juni 2014.

Immer mehr Lkw werden ausgeflaggt und Arbeit in die Billiglohn-Länder exportiert.

Schwarzach. Auf Österreichs Autobahnraststätten sind die Parkplätze überfüllt. Lkw reihten sich an Lkw. 105 Berufskraftfahrer sind in Vorarlberg derzeit als arbeitslos gemeldet. Deren 95 waren es noch vor einem Jahr.

Für diese beiden Fehlentwicklungen gibt es zwei Gründe: Zum einen erbringen immer mehr ausländische Transportunternehmen Transportdienstleistungen, und zum anderen sehen sich immer mehr Transporteure dazu veranlasst, ihre Lkw auszuflaggen. „Das geht dann direkt auf die Arbeitsplätze“, erklärt Gerhard Berk­mann, Obmann der Sparte Transport und Verkehr bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer und führt aus: „Das betrifft dann nicht nur Berufskraftfahrer, sondern auch Disponenten. Die Fahrzeuge werden dann natürlich auch im Ausland repariert und serviciert, wodurch noch mehr Wirtschaftsleistung verlorengeht.“

49.000 Euro pro Fahrzeug

Je ausgeflaggtem Lkw entgehen dem Staat 49.000 Euro. Das geht aus einer Studie über die Auswirkung der Ausflaggung von Fahrzeugen auf die Volkswirtschaft hervor, die an der WU Wien von Univ.-Prof. Dr. Sebastian Kummer ausgearbeitet wurde. 117 österreichische Straßengüterverkehrsunternehmen wurden befragt. Demnach besteht eindeutig ein Trend zur Ausflaggung. Als Hauptgründe nannten die Unternehmer die Lohnnebenkosten, direkte Lohnkosten und die Kfz-Steuer. „Einen österreichischen Betrieb kostet ein Fahrer 42.500 Euro brutto im Jahr. Ein Rumäne hingegen kostet 1500 Euro monatlich und das mal 12“, rechnet Berkmann vor. Deshalb, ist er überzeugt, würde es schon helfen, die Kfz-Steuer und die Lohnnebenkosten anzugleichen. „Die Steuer, die man weniger einnimmt, wird dem Staat über Umwege zurückgeführt“, sagt Berk­mann. Denn wie aus der Studie ebenfalls hervorgeht, verursacht die Ausflaggung für die öffentliche Hand Einnahmenausfälle von jährlich 680 Millionen Euro.

Das Phänomen der Ausflaggung gilt ebenso für Gesamtösterreich wie für Vorarlberg. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich von insgesamt 300 Fahrzeugen, die allein in der ersten Jahreshälfte 2015 ausgeflaggt werden sollen.

Doch zurück auf die Straße. Berkmann: „Hier fordert die Transportwirtschaft von der ASFiNAG schon lange genügend Parkplätze mit Toiletten“, sagt Berkmann.

Dass die osteuropäischen Fahrer oft wochenlang ihre Zelte auf der Straße aufschlagen müssen, ist auch der Polizei aufgefallen. „Wir führen dann eine umfassende Kontrolle durch“, sagt Meinrad Müller, Chefinspektor bei der Verkehrspolizei. Bedenken äußert Müller auch aus verkehrstechnischer Sicht. „Die Wochenruhezeit müsste eigentlich zur Erholung dienen, doch von Erholung kann bei dieser Hitze im Lkw keine Rede sein. Zudem fahren die Lenker nach der Pause oft mit Restalkohol los“, sagt Müller.

Es gibt bereits Länder, die gegen diese Fehlentwicklung vorgehen. In Frankreich beispielsweise  liegt ein Gesetzesentwurf vor, wonach die Fahrer ihre Wochen­endruhezeit abseits ihres Lkw verbringen müssen. „In der Schweiz“, sagt Berkmann „wird das Transportgewerbe ebenfalls geschützt“. Dort wäre ein ausländisches Fahrzeug sofort beschlagnahmt, das inländische Beförderungen übernimmt. „Bei uns braucht es neue Rahmenbedingungen für Kabotage“, fordert Berkmann.

Stichworte

Kabotage: Im Anschluss an eine grenzüberschreitende Beförderung dürfen innerhalb von sieben Tagen höchstens drei Fahrten durchgeführt werden.

Ausflaggung: Lkw werden hierzulande abgemeldet und in Billig-Lohn-Ländern angemeldet, um so die Frachtpreise zu senken.

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