“Unsere Urenkel werden keine Gletscher sehen”

Markt / 20.06.2014 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Roger Hackstock (r.) zusammen mit Helmut Krapmeier (Energieinstitut) zu Gast bei den VN. Foto: VN/Hartinger
Roger Hackstock (r.) zusammen mit Helmut Krapmeier (Energieinstitut) zu Gast bei den VN. Foto: VN/Hartinger

Energiewende ist eine Antwort auf den Klimawandel, schreibt Hackstock in seinem Buch.

Schwarzach. So ein Buch hätte er eigentlich immer gerne gelesen. Das sagt Roger Hackstock im Gespräch mit den VN zur Frage, warum er die vergangenen zwei Jahre an seinem Buch „Energiewende“ geschrieben hat. Er zeigt darin nicht den Klimawandel und die Energiewende aus technischer Sicht, sondern das Gesamtbild. So schildert er unter anderem, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Pasterze, den höchsten Gletscher Österreichs, hat, wie sie sich seit seiner Kindheit zurückbildet.

2007 wäre für ihn ein Gelegenheitsfenster gegeben gewesen, politische Maßnahmen zu ergreifen. Nämlich als Al Gore mit seinem Dokumentarfilm aufzeigte, dass Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Gore gewann zwar den Oscar für den besten Dokumentarfilm, die Gunst der Kinogänger blieb dem US-Amerikaner aber verwehrt. „Ich war verwundert, als ich ins Kino ging, um den Film zu sehen, und der Kinosaal praktisch leer war“, schildert Hackstock in seinem Buch eines der Erlebnisse, die ihn wachrüttelten. Die Menschen, so seine Erkenntnis, wüssten vom Klimawandel, doch bedienen sie sich des Mechanismus der Verdrängung. Zudem wehrten sich noch zu viele klassische Energieversorger gegen die Energiewende. „Denn die Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen hat heute eine Größenordnung erreicht, die Konzerne vor große Probleme stellt.“

Der ehemalige Geschäftsführer des Branchenverbandes Austria Solar und freiberufliche Energiepolitik-Berater ist überzeugt, dass die Energiewende eine Antwort auf den Klimawandel ist. „Und Gott sei Dank ist die Energiewende schon im Gange.“ Denn die Menschheit verursacht immer mehr CO2-Ausstoß anstatt weniger. Hackstock versucht in seinem Buch auch mit schockierenden Zahlen wachzurütteln. So betrug zum Beispiel der Kohlendioxidausstoß 1938 nur den zweimillionsten Teil des CO2-Ausstoßes im Jahr 2011.

Ein Beitrag von allen

Was passiert, wenn man nicht auf die veränderten Lebensumstände reagiert, zeigten bereits zahlreiche Beispiele in der Vergangenheit. So starben die Wikinger aus, als sie sich in Grönland nicht an die Gegebenheiten angepasst haben, oder die Bewohner der Osterinseln. „Ebenso sind auch wir dem Niedergang geweiht, wenn wir weiter auf Erdöl und fossile Energieträger setzen“, sagt Hackstock.

Jede/r Einzelne, schreibt Hackstock, kann ganz leicht zur Energiewende beitragen. „Erstens: Ich steige auf Ökostrom um. So verhindere ich, dass auch nur ein Euro von mir zu einem Atomkraftwerk fließt; zweitens: Ich beteilige mich an einer Bürgerbeteiligungsanlage, sei es Windkraft oder Photovoltaik. Drittens: Ich beteilige mich an einer Firma, die auf erneuerbare Energie setzt.“

Zur Person

Roger Hackstock

Ehemaliger Geschäftsführer von Austria Solar. Mitglied im europäischen Think-Thank Energy Academy

Geboren: 1963

Ausbildung: Studium der Elektrotechnik, Schwerpunkt Umwelttechnik an der TU Wien.

Im Februar publiziert: „Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen“ von Roger Hackstock

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