“Ruhen uns nicht auf Lorbeeren aus”

Markt / 22.06.2014 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
LH Wallner: „Wir konzentrieren uns stark auf die Bereiche Bildung und Ausbildung.“  Foto: VLK
LH Wallner: „Wir konzentrieren uns stark auf die Bereiche Bildung und Ausbildung.“ Foto: VLK

Sind es die Unternehmen oder die Wirtschaftspolitik, die einen Standort erfolgreich machen?

Schwarzach. (VN-sca) Bei Standort-Vergleichen ist Vorarlberg regelmäßig auf Spitzenplätzen zu finden. Liegt das an den Rahmenbedingungen, die von der Landes- und Bundespolitik geschaffen werden oder an den erfolgreichen Unternehmen des Landes mit ihren qualifizierten Mitarbeitern?

Sowohl als auch, sagt Landeshauptmann Markus Wallner im Gespräch und verspricht, auch in Zukunft „nit lugg z‘lo“.

Prof. Friedrich Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Linz hat eine aufwendige Studie der erfolgreichsten europäischen Wirtschaftsregionen erstellt. Vorarlberg ist weit vorne. Ein Erfolg der Unternehmer oder kann auch die Landesregierung einen Teil für sich beanspruchen?

Wallner: Unser Land zählt zu den besten drei Wirtschaftsregionen Europas. Darauf können wir stolz sein. Das ist in erster Linie der Verdienst der Betriebe, vielfach in Familienhand, und Tausender, sehr leistungswilliger Arbeitnehmer. Die Vorarlberger Landesregierung unterstützt diese Entwicklung durch eine gezielte Stärkung des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg. Wir strengen uns sehr an, dort, wo wir selbst verantwortlich sind, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern.

Es gibt in der Vergleichsstudie doch einige Ergebnisse, die noch Luft nach oben lassen. Gibt es dafür bereits Maßnahmen? Was kann politisch getan werden, um diese Ergebnisse zu verbessern?

Wallner: Luft nach oben gibt es trotz der beeindruckenden Ergebnisse in der Benchmarkstudie immer. Auf Lorbeeren auszuruhen ist nicht meine Sache, ehrlich gesagt ist mir das zu langweilig. Wir sollten alles daran setzen, den Vorsprung Vorarlbergs gegenüber den meisten europäischen Regionen weiter auszubauen. Die Aufgabenstellung im Land ist klar: volle Konzentration auf Bildung und Lehre, Forschung, Infrastruktur und Deregulierung. Viele Länder und Standorte sitzen auf Schuldenbergen, und es ist ihnen längst die Luft für Zukunftsinvestitionen ausgegangen. Das Land Vorarlberg hingegen kann das Tempo nach wie vor vorgeben. Wir sollten unsere Chancen dazu gezielt nutzen.

Man sollte sich den Blick trotz des Vergleichs nicht versperren: Vorarlberger Unternehmer leiden nach wie vor unter Arbeitskräftemangel, sind mit der Verkehrssituation nicht wirklich zufrieden, zahlen mehr Steuern als andere Standorte in diesem Vergleich: Probleme die erkannt sind?

Wallner: Ein Mangel an gut ausgebildeten Arbeitnehmern kann die Wachstumschancen eines Standorts erheblich hemmen. Deshalb konzentrieren wir uns sehr stark auf den Bereich der Bildung und Ausbildung: Mehr Frühförderung und Ganztagsangebote, Stärkung der Lehre, Ausbau der Fachhochschule und der betrieblichen Forschung. Und wir verbessern die Infrastruktur. Die Arbeiten am Güterbahnhof Ludesch starten im Herbst und ich will heuer auch noch einen Spatenstich für den Güterbahnhof Wolfurt. Mit dem neuen Kraftwerk Obervermunt II stärken wir außerdem die Wasserkraft im Land.

Kann der Vorarlberger Weg aus eigener Kraft weiterverfolgt werden, oder was erwarten Sie vom Bund bzw. der EU zur Unterstützung?

Wallner: Wir haben gezeigt, dass wir dort, wo wir eigenständig arbeiten können, auch besonders erfolgreich sind: ob gesunde Landesfinanzen, eigenständige Energieversorgung, schlanke Verwaltung, Impulse im Bereich des leistbaren Wohnens oder in der Sozialpolitik. Der Bund soll sich aus meiner Sicht vor allem um zwei Dinge kümmern: runter mit den Steuern und eine radikale Entschlackungskur für die Zentralbürokratie.

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