Das Erfolgsgeheimnis “ehrbarer Kaufmänner”

Markt / 26.06.2014 • 22:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Claus Hipp sprach gestern vor den Gästen der Jungen Wirtschaft in der Hohenemser Otten Gravour. Foto: Stiplovsek
Claus Hipp sprach gestern vor den Gästen der Jungen Wirtschaft in der Hohenemser Otten Gravour. Foto: Stiplovsek

Für Claus Hipp sind es Werte und Tugenden, die den unternehmerischen Erfolg bringen.

Hohenems. Claus Hipp ist 75 und leitet seit nunmehr 47 Jahren die Geschicke des gleichnamigen Nahrungsmittel- und Babykostherstellers. Und wer kennt den Werbespot nicht, in dem er sich mit seinem Namen für Qualität und biologischen Anbau verbürgt. Hipp ist Unternehmer, Musiker, ausgebildeter Maler und machte zuletzt mit seinem Buch „Achtung! Anstand“ von sich reden. Darin betrachtet er Respekt und Wertschätzung als Schlüssel zu beruflichem Erfolg und gesellschaftlichem Ansehen.

Auch in seinem Vortrag anlässlich der Sommergespräche der Jungen Wirtschaft in Hohenems betonte er die Wichtigkeit von Werten und ehrbarem Handeln. „Wenn es zwei Marken gibt, die das Gleiche tun, sind Kompetenz und Vertrauen die entscheidenden Erfolgsfaktoren“, betont Hipp.

Werte entscheiden über Erfolg

„Ehrbares Kaufmannstum“ ist für ihn der Grund dafür, wieso manche Unternehmen mehr Vertrauen bei den Kunden genießen als andere. Oder anders gesagt, ein Unternehmer sollte „alles tun, was Ehre macht und alles unterlassen, was Schande bringt“. Und das in einer Gesellschaft, in der es immer mehr um das schnelle Geld und um persönliche Interessen gehe und das Allgemein­interesse zu kurz komme. „Das führt dazu, dass der Ruf nach Regeln immer lauter wird, und das führt wiederum zu einer Überregulierung“, ist Hipp überzeugt. Aber nicht nur die Wirtschaft leide darunter, sondern genauso der Pfarrer oder der Landwirt. Dabei soll schon Kaiserin Maria Theresia gesagt haben: „Vorschriften muss der letzte Schweinehirt in Galicien verstehen. Ist das nicht der Fall, gehören diese Gesetze abgeschafft!“ Er jedenfalls komme sich manchmal vor wie ein Schweinehirt, betont Hipp.

Von Kopf, Herz und Hand

Ein gutes Zeugnis stellt der Unternehmer der heutigen jungen Generation aus und plädiert bei deren Erziehung ganz im Sinne des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi für die Dreiteilung in „Kopf, Herz und Hand“, um die natürliche kindliche Entwicklung zu unterstützen. Also Intellekt, Emotionalität und praktische Fähigkeiten. „Man muss mehr Achtung haben vor Menschen mit Fähigkeiten. Manche lernen nicht so gerne, sind mehr praktisch veranlagt. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Tüchtigkeit in der Arbeitswelt zu zeigen. Wir brauchen auch Menschen, die Lösungen finden, die Phantasie haben und die einen anständigen Umgang miteinander haben“, erklärt Hipp. Und so sind es letztlich die Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhaltung, die für ihn von Bedeutung sind. „Recht haben ist nicht Recht bekommen, und was legal ist, ist nicht immer legitim“, so Hipp, der auch davon spricht, wie befreiend es sei, sich von Statussymbolen zu trennen. Genauso ist es ihm wichtig, von Leuten umgeben zu sein, die mehr von etwas verstehen als er selbst. „So kann ich ruhig schlafen, denn ansonsten könnte mich ja niemand mehr korrigieren.“

Mit 75 noch im Betrieb

Claus Hipp ist übrigens noch selbst im Unternehmen aktiv. „Solange noch die Kinder das Gefühl haben, ich nütze was“, betont er. Er habe Gott sei Dank zwei Söhne, „die sehr gut sind“. Letztlich sei es bei einer Übergabe sehr wichtig, möglichst früh den Thronfolger einzubinden. „Möglichst schon als Kind“, gab er als Tipp an künftige Übergeber.

Aber nicht nur Claus Hipp setzte sich gestern Nachmittag mit dem Thema Unternehmensnachfolge auseinander. Die Junge Wirtschaft präsentierte ihr neues Buch „Familienangelegenheit“.  Darin berichten viele bekannte Vorarlberger Unternehmer von ihren persönlichen Erfahrungen als Übergeber oder Übernehmer. So Bettina Rhomberg vom Hotel Krone in Dornbirn („Ich bin froh, dass ich meinen Vater jederzeit um Rat fragen kann“) oder die Meisterbäcker Bernhard und Florian Ölz („Man kann nicht von Beruf Sohn sein, sondern muss sich den Respekt der Mitarbeiter verdienen“).

Das Erfolgsgeheimnis "ehrbarer Kaufmänner"

Buchpräsentation

In “Familienangelegenheit – Nachfolge im Familienunternehmen” (Bucher Verlag) kommen Stefanie Walser, Bettina Rhomberg, Peter und Florian Amann, Sandro Preite, Manfred und Marius Amann, Bernhard und Florian Ölz sowie Sabrina, Michaela, Ricarda und Günther Greber zu Wort.

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