Zu günstigem Wohnraum durch Nachverdichtung

Markt / 11.08.2014 • 22:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Haus Thissen-Drössler in Hörbranz gilt als Vorzeigeprojekt für intelligente Sanierung.  
Das Haus Thissen-Drössler in Hörbranz gilt als Vorzeigeprojekt für intelligente Sanierung.  

Energieinstitut sieht eine Sanierung als Chance auf günstigen Wohnraum.

Bregenz. Fliegt man mit dem Hubschrauber über das Vorarlberger Rheintal hinweg, so zeigt sich eines ganz klar: Der ausgedehnte Siedlungsraum der Gemeinden besteht aus einem löchrigen und unfertigen Siedlungsmuster. Ein Geflecht aus kleinen und großen, kurzen und langen, mehr oder weniger bebauten Parzellen. Der Schweizer Raumplaner Beat Suter hat vier Thesen zur Nachverdichtung in Vorarlberg aufgestellt, wie das vorhandene Bauland effektiver genutzt werden kann.

Neben raumplanerischen Möglichkeiten, die insbesondere die Gemeinden betreffen, liefert der Schweizer nun mit dem Modell „Nachdoppler“ auch einen Ansatz für Hausbesitzer: Ein guter Teil des Gebäudebestandes stammt aus den 60er- bis 80er-Jahren, als großzügige Grundstücke verbaut wurden. „Diese Gebäude stecken mitten im Sanierungsalter“, sagt Suter, „und würden im Rahmen einer Sanierung die Möglichkeit bieten, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.“ So sei es vielfach möglich, durch Aufstockung oder Zubau aus einem Einfamilienhaus ein Mehrfamilien- oder Generationenhaus zu schaffen, das sich kompakt und verträglich in den Bestand der Nachbarschaft integriert.

Nach diesem Modell wurden bereits Häuser in Vorarlberg umgestaltet. Wie das Haus Thissen-Drössler in Hörbranz: Wo vor der Sanierung für drei Nutzeinheiten noch 7000 Euro im Jahr für Heizöl ausgegeben wurden, werden jetzt fünf Wohnungen um 400 Euro mittels Wärmepumpe beheizt. Die zusätzliche Wohnfläche wurde vor allem durch den Ausbau des vorher ungenutzten Dachbodens zu einem Penthouse mit Dachterrasse geschaffen. „Mehr Fläche, mehr Komfort, mehr Wert“, lautet die kurze und bündige Bilanz der Eigentümergemeinschaft, die das Generationenhaus realisiert hat.

Unterstützung notwendig

„Für die gute Umsetzung einer Nachverdichtung braucht es neben dem Engagement der Bauleute auch weitsichtige Planer und Berater zum Ausschöpfen der Potenziale“, sagt Josef Burtscher vom Energieinstitut Vorarlberg. „Wir arbeiten daran, in unseren Netzwerken der Partnerbetriebe Traumhaus-Althaus und der e5-Gemeinden-Planer zu sensibilisieren und innerhalb der Gemeinden vorhandene gute Beispiele zu bewerben“.

Neben den energetischen Aspekten einer Gebäudesanierung hätte das Schaffen von zusätzlichem Wohnraum quasi im Hinterhof auch positive soziale Aspekte, sind sich Burtscher und Suter einig. Darüber hinaus profitiert die Allgemeinheit von der besseren Nutzung kommunaler Infrastruktur wie öffentlicher Verkehr, soziale Einrichtungen oder Erschließungen wie Straßenbau oder Versorgungsleitungen, die die Gemeindebudgets erheblich belasten.

Für eine gute Nachverdichtung braucht es weitsichtige Planer.

Josef Burtscher

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