„Die Mittelschicht wird schleichend enteignet“

Markt / 18.11.2014 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Prof. Dr. Max Otte (rechts) mit Harald Giesinger, Vorstandsmitglied der Dornbirner Sparkasse. Foto: Sparkasse  
Prof. Dr. Max Otte (rechts) mit Harald Giesinger, Vorstandsmitglied der Dornbirner Sparkasse. Foto: Sparkasse  

Prof. Dr. Max Otte referierte in Dornbirner Sparkasse über die Folgen der Nullzinspolitik.

Dornbirn. Von denen, die den Crash 2008 richtig vorausgesagt haben, gibt es nicht viele. Von denen, die drei Mal in Folge Börsianer des Jahres geworden sind, ebenso wenig. Prof. Dr. Max Otte schaffte beides. Zurecht war der Sparkassensaal in Dornbirn bis auf den letzten Platz gefüllt als der Ökonom seine Ausführungen über die „Nullzinspolitik und ihre Folgen“ zum Besten gab.

Eine lockere Geldpolitik würden die Notenbanken nicht etwa erst seit dem Ausbruch der Krise 2008 fahren, wie viele glauben. Schon 1987 habe Alan Greenspan, der damalige Chef der US-Notenbank, die lockere Geldpolitik forciert, und seither sitze man in ihr fest – mit verheerenden Folgen: „Es ist eine schleichende Enteignung der Mittelschicht zu sehen.“

Mogelpackung Inflation

Doch die Missstände würden nicht nur Privatpersonen betreffen. „Sondern solide Institute, wie die hiesigen Regionalbanken, werden für die unsoliden Institute zur Kasse gebeten“, sagt Otte. Er ist überzeugt, dass die normale Inflation vier bis fünf Prozent beträgt. „Bei der Inflation wird getrickst, dass sich die Balken biegen“, sagt Otte und rechnet vor: „Nach 15 Jahren sind 36,8 Prozent des Vermögens weg.“

Was vor der Krise gut funktionierte, sei heute nicht mehr machbar. Nämlich das 3-6-3-Banking: „3 Prozent geben, 6 Prozent nehmen, und um 3 am Golfplatz sein.“

Aus der Krise habe man indes gar nichts gelernt. Die fremdfinanzierten Spekulationen, die Kreditverbriefungen in den USA gingen weiter. „Die Politik ist in der Hand der großen Finanzinstitute“, malt der 50-Jährige ein gar düsteres Bild. Ihm macht vor allem Sorgen, dass sich die Staaten weiter verschulden und trotzdem die Gefahr der Deflation besteht. „Staatspleiten drohen, und auch Deutschland läuft Gefahr abzusaufen. Die Angst vor der Euro-Krise ist zurück.“

Aktien überstehen Krisen

Was also tun? Das Geld aufs Sparbuch legen oder gar unter das Kopfkissen? Weit­gefehlt. Der Experte rät dennoch zu Aktien. Da rät Otte aber zu den „Handwerksmeistern“, das heißt Aktien von Unternehmen, die jeder kennt und eine lange Tradition haben. „Was soll an einer Coca-Cola, OMV oder Voestalpine zocken sein“, fragt der Deutsche sich und begründet: „Die Dividendenrendite der weltweiten Aktien liegt bei vier Prozent. Die Firmenwerte von Nestle oder Novartis steigen stetig, aber vor allem kann man davon ausgehen, dass die Aktienmärkte auch die nächste Krise überstehen.“

3-6-3-Banking funktioniert nicht mehr. 3 Prozent geben, 6 Prozent nehmen, um 3 am Golfplatz stehen.

Max Otte

Zur Person

Prof. Dr. Max Otte

Deutsch-US-amerikanischer Ökonom

Geboren: 7. Oktober 1964

Ausbildung: Studium in Köln,
Washington D.C. und in Princeton

Laufbahn: Professur an den Universitäten Worms und Graz, betreut den „Max Otte Vermögenbildungsfonds“