„Nur auf Erfahrung kann man nicht aufbauen“

Markt / 21.11.2014 • 21:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Alfred Herburger übernahm Niggbus im Jahr 1990. Ein Bus wird rund zehn Jahre genutzt und fährt in der Zeit 600.000 bis 700.000 Kilometer.  Fotos: VN/Steurer
Alfred Herburger übernahm Niggbus im Jahr 1990. Ein Bus wird rund zehn Jahre genutzt und fährt in der Zeit 600.000 bis 700.000 Kilometer. Fotos: VN/Steurer

Rankweil. Niggbus befördert als Betreiber des Stadtbus Feldkirch und Partner von Landbus Oberes Rheintal, Walgau und des Verkehrsverbundes jährlich sieben Millionen Fahrgäste. Im Interview spricht Geschäftsführer Alfred Herburger über die kommenden Herausforderungen.

In 90 Jahren war Niggbus Fuhrwerksbetrieb, hatte einen Güter-Linienverkehr und war Anbieter von Busausflügen. Was bewog Sie, sich letztlich auf den öffentlichen Personennahverkehr zu spezialisieren?

Herburger: Als ich 1990 eingestiegen bin, hatten wir drei Standbeine: Werksverkehr, Linienverkehr und Touristik-Busreisen. Ich bin kein Bus-Touristiker und habe gemerkt, dass ich das nicht verkaufen kann. Zu der Zeit hat die öffentliche Hand Interesse gezeigt, den Linienverkehr auszubauen und zu investieren.

In Anbetracht der steigenden Fahrgastzahlen die richtige Entscheidung . . .

Herburger: Ja, die Spezialisierung auf den Linienverkehr war die absolut richtige Entscheidung. Vorarlberg hat als ländliche Region sicher den am besten ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr in Österreich. Natürlich sind Städte wie Wien besser. Aber was die Qualität anlangt, ist Vorarlberg sicher federführend. Hier bewegt sich was, und es wird unterstützt und honoriert.

Birgt das nicht die Gefahr, dass man von einem einzigen Geschäftspartner abhängig ist?

Herburger: Sicher. Wir haben im nächsten Jahr auch eine größere Herausforderung zu meistern. Es werden nämlich sämtliche Verkehrsdienstleistungen europaweit ausgeschrieben. Da müssen wir bestehen und bereiten uns schon lange darauf vor. Da steckt natürlich Stress dahinter, auch persönlich. Denn es entscheidet über Sein oder Nicht-Sein als Unternehmen.

Gibt es große Anbieter, die in neue Regionen drängen?

Herburger: Meistens ist es so, dass regionale Anbieter Konkurrenten sind. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auch große Anbieter aus Österreich ein Angebot legen. Wir werden also nicht die einzigen Bewerber sein.

Kommt Ihnen da nicht Ihre langjährige Erfahrung zugute?

Herburger: Nur auf der Erfahrung kann man nicht aufbauen. Man muss natürlich Erfahrung haben, genauso wie gut ausgebildete Mitarbeiter und Erfahrung mit Verkehr in der Stadt. Es gibt beispielsweise wenige Städte in Vorarlberg, die so viele Anschlüsse an Bahn und Bus haben wie Feldkirch. Heute haben die meisten Busse ein fahrzeugautonomes Betriebsleitsystem. Das heißt: Alle Linien, die der Bus fährt, sind im Bordrechner hinterlegt. Dieser kontrolliert permanent Fahrplanabweichungen. In Feldkirch haben wir aber zum Beispiel Möglichkeiten, Stau auszuweichen. So gibt es mit Ausnahme der Bärenkreuzung keine Ampel, die wir mit dem Bus nicht beeinflussen können.

Wenn man sieben Millionen Fahrgäste im Jahr transportiert, trägt man eine große Verantwortung. Wie bereiten sich Ihre Mitarbeiter darauf vor?

Herburger: Wir haben ein spezielles Einschulungskonzept. Denn während man vor 20 Jahren einen Busführerschein nur machen konnte, wenn man zwei Jahre Lkw-Praxis hatte, kann man heute mit 21 Jahren den Busführerschein machen und loslegen. Da steckt eine große Anforderung dahinter, dass man die neuen Mitarbeiter langsam und behutsam auf die Aufgabe vorbereitet. Denn im Berufsverkehr, unter Zeitdruck mit einem vollen Bus, das ist schon eine Herausforderung.

Finden Sie noch Fahrer?

Herburger: Es ist nicht ganz einfach, weil es ein Beruf ist, in dem man bei den Arbeitszeiten sehr flexibel sein muss. Busse fahren an 365 Tagen im Jahr, von frühmorgens bis spät in die Nacht. Wichtig ist uns ein guter Umgang mit den Fahrgästen. Danach suchen wir Mitarbeiter auch aus. Fahren gelehrt haben wir noch die meisten, aber der Umgang ist eine große Herausforderung.

Umgekehrt: Was erwarten sich Ihre Busfahrer von den anderen Verkehrsteilnehmern?

Herburger: Dass ein Bus, der alle 300 Meter stehenbleiben muss, für den Pkw-Lenker ein gewisses Hindernis ist, ist, ist verständlich. Wir versuchen aber die Fahrern zu lerhren, Rücksicht zu nehmen. Nicht vergessen darf man, dass sie oft unter Zeitdruck stehen und es nicht einfach ist, allen Anforderungen gerecht zu werden.

Busse müssen immer umweltfreundlicher werden. Das kostet. Ist das ein notwendiges Übel oder vielmehr Unternehmensphilosophie?

Herburger: Es ist eine spannende Herausforderung. Deshalb waren wir immer aktiv in die Richtung. Wir waren das erste Unternehmen Österreichs mit einem Euronorm-2-Bus und haben freiwillig Partikelfilter eingebaut. Heuer haben wir einen Hybrid-Bus getestet.

Steuern Sie selbst auch manchmal einen Bus?

Herburger: Das kommt selten vor. Ich merke aber, dass man nicht so fit ist, wenn man es nicht täglich macht. Da fehlt mir die Übung.

Expandieren kann man, wenn man bei Ausschreibungen aggressiv auftritt. Das ist nicht unser Ziel.

Alfred Herburger übernahm Niggbus im Jahr 1990. Ein Bus wird rund zehn Jahre genutzt und fährt in der Zeit 600.000 bis 700.000 Kilometer.  Fotos: VN/Steurer
Alfred Herburger übernahm Niggbus im Jahr 1990. Ein Bus wird rund zehn Jahre genutzt und fährt in der Zeit 600.000 bis 700.000 Kilometer. Fotos: VN/Steurer
Alfred Herburger erklärt, was man in einem Busumlaufplan alles berücksichtigen muss.
Alfred Herburger erklärt, was man in einem Busumlaufplan alles berücksichtigen muss.

Kennzahlen

Niggbus GmbH, Rankweil

» gegründet 1924 von Josef Nigg als Fuhrwerksbetrieb

» Mitarbeiter: 62

» Niederflurbusse: 22

» Fahrgäste: 7 Millionen im Jahr

» Auszeichnungen: Umweltpreis des Landes, Ökoprofit-Betrieb, VCÖ-Mobilitätspreis, Energie- und Mitweltpreis, familienfreundlicher Betrieb, Gesundheitspreis Salvus

Zur Person

Alfred Herburger

geschäftsführender Gesellschafter der Niggbus GmbH, Rankweil

Geboren: 14. 10. 1959

Ausbildung: Handelsschule (nach eigenen Angaben jedoch ein „schrecklicher Schüler“), Lehre als Kfz-Mechaniker, viele verschiedene Aus- und Weiterbildungen während der beruflichen Tätigkeit

Laufbahn: Seit 1990 führt Herburger das Unternehmen Niggbus GmbH in dritter Generation

Familie: verheiratet, zwei Töchter (22, 25)