Sonntagsruhe kümmert immer weniger Leute

Markt / 28.11.2014 • 22:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Befürworter der Sonntagsöffnung sehen bessere Einkaufsmöglichkeiten, aber Handel ist skeptisch.  Foto: MK
Befürworter der Sonntagsöffnung sehen bessere Einkaufsmöglichkeiten, aber Handel ist skeptisch. Foto: MK

Die Vorarlberger sind immer noch gegen die Sonntagsöffnung. Doch nicht mehr ganz so vehement.

Schwarzach. (VN-sca) „Momentan haben wir keinen Bedarf an einer Sonntagsöffnung“, nimmt der Bregenzer Modehändler und Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Gebhard Sagmeister, gleich Wind aus den Segeln. So wie es sei, sei es gut. Wenn er sich aber etwas wünschen könnte, dann, dass die Händler die vorhandenen Möglichkeiten nutzen und zum Beispiel am Samstagnachmittag geöffnet halten.

Das wird den Präsidenten der Arbeiterkammer, Hubert Hämmerle, etwas beruhigen. Erst vor Kurzem sah er sich nämlich genötigt, nochmals darauf hinzuweisen, dass die Sonntagsruhe heilig ist. Nervös gemacht hat ihn die Diskussion in Wien, wo die Kaufleute der Innenstadt auf eine Öffnung der Geschäfte an Sonn- und Feiertagen drängen. Aber nur auf einen Justament-Standpunkt wollte sich der Arbeitnehmerchef offenbar nicht verlassen.

Berndt-Umfrage

Die Arbeiterkammer beauftragte das Meinungsforschungsinstitut Dr. Berndt mit einer Umfrage unter Arbeitnehmern zum verlässlich wiederkehrenden Thema, das vor allem den Handel betrifft. Zuletzt wurde eine Umfrage im Jahr 1999 durchgeführt, die Voraussetzungen waren die gleichen, deshalb können die Zahlen gut verglichen werden. Befragt wurden Mitte November 403 Personen. Für eine generelle Freigabe der Sonntagsarbeit sind heuer 25 Prozent, das ist lediglich ein Prozent mehr als vor 15 Jahren. Doch 1999 waren noch 66 Prozent gegen eine solche Freigabe, heute sind es noch 60 Prozent. Und zwölf Prozent ist es egal, was passiert, das sind vier Prozent mehr als vor 15 Jahren. Keine Meinung haben laut Berndt drei Prozent. Die Zahl der Befürworter wuchs zwar nur von 24 auf 25 Prozent, dafür ist es heute zwölf Prozent der Befragten einfach egal. Ihre Zahl wuchs in 15 Jahren um ein Drittel an. Die Befürworter der Öffnung führen vor allem das Argument ins Feld, dass Sonntagsarbeit zum Beruf gehört, (32 Prozent) und die Schaffung neuer Arbeitsplätze (30 Prozent)

Besserer Berufseinstieg

Für eine Freigabe sind vor allem Frauen. 30 Prozent der weiblichen Befragten würden den Sonntag als Arbeitstag freigeben, 1999 waren es nur 18 Prozent. Meinungsforscher Edwin Berndt erklärt das so: „Frauen haben durch Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigungen am Sonntag einen leichteren Einstieg ins Berufsleben.“ Bei den Männern sind das nur 22 Prozent, aber 18 Prozent ist es egal, ob der Sonntag Arbeitstag ist oder nicht. AK-Präsident Hämmerle und Handels-Sprecher Sagmeister sind sich übrigens bei der Einschätzung, dass ein verkaufsoffener Sonntag dem Internet-Handel kein Paroli bieten würde, einig. Sagmeister: „Es gibt Untersuchungen, die nicht den Sonntag als besonders kaufstark im Internet sehen, sondern Abende.“ Und Hämmerle: „Ich bezweifle, dass mit dem Sonntag die Umsätze steigen. In Summe werden die Kleinunternehmer draufzahlen. Das kann auch Arbeitsplätze kosten.“

Vorarlberger Handel hat keinen Bedarf an Sonntagsöffnung.

Gebhard Sagmeister

Umfrage Dr. Berndt

» Für Freigabe der Sonntagsarbeit: 25 % (1999: 24 %) Frauen 30 %, Männer 22 %

» Gegen Freigabe der Sonntagsarbeit: 60 % (1999: 66 %)

» Befragt wurden vom Institut Dr. Berndt zwischen 5. und 12. November 2014 403 Arbeitnehmer