Private Häuslebauer im Fadenkreuz der Finanz

Markt / 31.05.2015 • 20:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Finanzpolizei wird künftig auch auf den Baustellen der Vorarlberger Häuslebauer strenge Kontrollen durchführen. Foto: FP  

Die Finanzpolizei wird künftig auch auf den Baustellen der Vorarlberger Häuslebauer strenge Kontrollen durchführen. Foto: FP  

Um die Steuerreform zu finanzieren, droht der Finanzminister Häuslebauern mit saftigen Strafen.

Schwarzach. (VN-sca) Wer in Zukunft ein Haus baut und dabei einen großen Teil oder überhaupt das ganze Gebäude in Eigenregie errichten will, sollte gute Freunde haben. Und viele Verwandte. Denn um die „größte Finanzreform in der Geschichte der Zweiten Republik“ (O-Ton Bundeskanzler Werner Faymann) zu finanzieren, muss der schwarze Finanzminister Hans Jörg Schelling wirklich jeden Stein umdrehen. Natürlich auch jeden Ziegelstein, denn gerade beim privaten Hausbau sehen der gebürtige Hohenemser und sein Expertenteam beträchtliches Einnahmenpotenzial für die leere Staatskasse. Er beziffert die möglichen Mehreinnahmen, die durch verschiedene Maßnahmen erzielt werden könnten: Rund 60 Millionen sollen aus einer „Aktion scharf“, die für einmal nicht die Bauunternehmen betrifft, erlöst werden (siehe auch Steuertipp links unten).

Strafe für Auftraggeber

Bisher waren es die Pfuscher, die, wenn sie erwischt wurden, mit Strafe und saftigen Bußgeldern rechnen mussten. In Zukunft sollen auch die Auftraggeber, also die privaten Häusle- und Wohnungsbauer, saftig zur Kasse gebeten werden. Strafen von bis zu 2180 Euro drohen bei Zuwiderhandeln. Kontrollieren soll die Finanzpolizei, die bisher schwerpunktmäßig auf gewerblichen Baustellen anzutreffen war.

Speziell privater Hausbau

„Die Abgabenbehörden werden berechtigt, Kontrolltätigkeiten im Bereich der Errichtung und Sanierung von Gebäuden und Wohnungen – speziell im privaten Hausbau – vorzunehmen. Mit dieser Maßnahme werden die Abgabenbehörden stärker als bisher gegen Schwarzarbeit (außerhalb der Nachbarschaftshilfe) vorgehen können“, formuliert es die Beamtenschaft im vorgelegten Entwurf zum Steuerreformgesetz 2015. Immerhin: Ausdrücklich ausgenommen ist die sogenannte Nachbarschaftshilfe, schon bisher für Tausende Vorarlberger Familien die einzige Möglichkeit, ihren Traum vom privaten Wohneigentum zu verwirklichen.

Die Umsetzung der Kontrolle privater Baustellen ist laut Finanzministerium ab 2017 geplant. Ein Grund dafür ist, dass die Finanzpolizei personell und in der Ausstattung erst in die Lage versetzt werden muss, flächendeckend kontrollieren zu können. Von der Verordnung sind auch Dienstleister wie Putzfrauen, Nachhilfelehrer oder Pflegekräfte betroffen, allerdings nur theoretisch, wie man im Finanzministerium versichert. Kontrollen in Privatwohnungen seien nicht vorgesehen.

Lohn aufs Konto

Ebenfalls vorbei ist es in Zukunft mit der Barauszahlung des Lohns für Bauarbeiter. „Um dem Steuerbetrug entgegenzuwirken wird in der Baubranche die Bezahlung von Arbeitslöhnen mit Bargeld durch den Arbeitgeber verboten und unter Strafe gestellt“, formuliert der Minister. Er rechnet auch gleich hoch, wie viel Geld das in die Kasse spülen soll: „Es wird erwartet, dass diese Maßnahme 2017 Mehreinnahmen von rund 20 bis 30 Millionen Euro erbringt.“

Private im Visier

» Verstärkte Bekämpfung von Schwarzarbeit im Bereich der Errichtung und Sanierung von Gebäuden und Wohnungen, Strafen bis zu 2180 Euro für den Auftraggeber

» Abzugsverbot für Barzahlungen von Bauleistungen an Unternehmer, Einnahmen zusammen mit der obigen Maßnahme: rund 60 Millionen Euro

» Ausschluss der Barzahlung von Arbeitslohn in der Baubranche. Erwartete Einnahmen: 30 Millionen Euro