Agrarsubvention für die Kultur und Heizwerke

Markt / 02.06.2015 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein großer Teil der Subventionen fließt auf die Vorarlberger Alpen, wie aus der Datenbank ersichtlich ist.  Foto: Berchtold  
Ein großer Teil der Subventionen fließt auf die Vorarlberger Alpen, wie aus der Datenbank ersichtlich ist. Foto: Berchtold  

Veröffentlichung der EU-Agrarförderungen sorgt bei Landwirten regelmäßig für Ärger.

Schwarzach, Brüssel. Im Frühsommer muss sich die Landwirtschaftskammer auf Unmut gefasst machen – Unmut ihrer Mitglieder, deren EU-Agrarförderung auf Euro und Cent in der EU-Transparenzdatenbank aufgeführt ist, und Ärger mit einer Öffentlichkeit, die es nicht immer wohl meint mit den Bauern, wie Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger beklagt. Landwirtschaftskammer und Bauernbund kritisieren deshalb die Agrar-Transparenzdatenbank, weil Bauern mit mehr als 1250 Euro Fördersumme seit heuer wieder auf www.transparenzdatenbank.at namentlich veröffentlicht werden. Die österreichische Landwirtschaftskammer unterstützt seit einigen Monaten ein Musterverfahren gegen die Transparenzdatenbank, das derzeit beim Bundesverwaltungsgericht anhängig ist, auch die Vorarlberger Landwirtschaftskammer schließt sich diesem Verfahren an.

23.000 Euro für LWK-Präsident

Ganz anderer Meinung ist in diesem Fall die SPÖ, die aus Tradition mit der Landwirtschaft nicht viel am Hut hat. Diese Gelder seien nicht Privateigentum einiger Landwirte, sagt SP-Agrarsprecher Reinhold Einwallner, sondern Steuergelder. „Und das nicht wenige, wenn man weiß, dass im Land Vorarlberg im Jahr 75 Millionen Euro an Landwirtschaftsförderungen ausbezahlt werden.“ Er könne sich aber durchaus auch vorstellen, dass Wirtschaftsförderungen veröffentlicht werden. Zudem sei es in Vorarlberg seit Jahren üblich, Kultur- und Sportförderungen öffentlich zu machen.

Landwirtschaftskammer-Präsident erhält übrigens 23.230,70 Euro. Der Spitzenfunktionär der blauen Landwirte in Vorarlberg, Daniel Allgäuer, bekommt eine Überweisung von 87.982,57 Euro.

Geld für die Alpwirtschaft

Doch die Datenbank hat auch ihr Gutes: Selbst bei hohen Förderungen an einzelne Landwirte ist ersichtlich, für was sie die ausbezahlte Förderung verwenden – vom Betriebsneubau bis zur Bewirtschaftung schwieriger Flächen. Ganz vorne dabei sind deshalb bei den rund 3500 Subventionsempfängern Alp- und Agrargemeinschaften. Auffällig ist aber auch, dass gerade die einzelnen Bauern in den Bergregionen vergleichsweise wenig Förderung erhalten. Die höchste Förderung im Land wird von der Europäischen Union dem Biowärmewerk Lauterach gewährt, das fast 1,4 Millionen Euro aus Brüssel überwiesen bekommt. Und es ist nicht das einzige Biomasse-Heizwerk in Vorarlberg, das gefördert wird – ein Umstand, der erst vor Kurzem vom Bundesumweltamt in einer Untersuchung kritisiert wurde (Die VN berichteten).

EU-Unterstützung gibt es für die unterschiedlichsten Projekte: Der Verein „Kulturgütersammlung Walgau“ wird mit 23.800 Euro für die „Umsetzung lokaler Entwicklungsstrategien für Lebensqualität und Diversifizierung“ subventioniert. Das Geld ermöglicht ein Kulturprojekt, das darauf abzielt, die Identität des Walgau zu stärken. Die Skilifte Lech bekommen wieder Unterstützung für ihre Viehherde, nämlich knapp 13.000 Euro.

Die Trans­parenz­datenbank der Europäischen Union entwickelte sich zum Datenpranger.

Präsident Josef Moosbrugger

Transparenz im Detail

Ausgesuchte Förderungen in
Vorarlberg

» Arbeitsgemeinschaft Erneuer­bare Energie: 37.434 Euro

» Werkraum Bregenzerwald: 51.420 Euro

» Alpenkäse Bregenzerwald: 763.399 Euro

» Agrarbezirksbehörde Bregenz: 81.252,67 Euro

» Arbeitsgemeinschaft Erneuer­bare Energie: 37.434 Euro

» Vorarlberger Skiverband:
56.068 Euro

» VOGEWOSI: 10.000 Euro

» E-Werke Frastanz: 10.000 Euro

» Sunnahof Tufers (Lebenshilfe): 35.030,38 Euro

» Agrar Nenzing: 205.931 Euro

» Regionalplanung Großwalsertal: 102.252 Euro

» Gemeinde St. Gallenkirch: 107.628 Euro

Alle Förderungen: www.transparenzdatenbank.at

 

Die größten Subventionsnehmer Österreichs:

» Agrarmarkt Austria (AMA): 24.200.000 Euro

» Waldpflegeverein Tirol: 4.100.000 Euro

» Obst Partner Steiermark Gmbh: 3.200.000 Euro