„Arbeitszeitverkürzung gibt es schon längst“

Markt / 07.07.2015 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

35-Stunden-Woche: ÖGB-Chef Erich Foglar hat in Vorarlberg noch Gesprächsbedarf.

Dornbirn. (VN-reh) Vergangene Woche ließ Norbert Loacker, Landesvorsitzender des Österreichischen Gewerkschaftsbundes in Vorarlberg, aufhorchen. Entgegen der Meinung seiner Kollegen und seines „Chefs“ in Wien, Erich Foglar, sprach er sich zusammen mit IV-Präsident Martin Ohneberg gegen die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich aus.

Als nun Foglar anlässlich seines Vorarlberg-Besuches zu einem Pressegespräch lud, ließ sich Loacker entschuldigen. „Ein wichtiger Termin im Unternehmen.“ Dass es im Land unterschiedliche Meinungen gibt, die es zu diskutieren gilt, ist auch Erich Foglar bewusst. Allerdings nahm er das Wort „35-Stunden-Woche“ nicht in den Mund. Er nennt es lieber Arbeitszeitverkürzung und sieht auch einen Widerspruch bei Loacker. Denn in einer „Allianz der Vernünftigen“, wie die IV und Loacker ihren Schulterschluss bezeichneten, setze man sich an einen Tisch und diskutiere miteinander. Seine Devise ist es, dass man versuche, verschiedene Interessen, die auch praktikabel sind, unter einen Hut zu bringen. Ganz nach dem Motto: Mehr Win-win für alle Beteiligten.

Verkürzung bereits Realität

Zu reden gibt es also genug. Zum Beispiel darüber, dass die Arbeitgeber die Arbeitszeit flexibler gestalten und die Arbeitnehmer diese verkürzen wollen inklusive Einführung der sechsten Urlaubswoche für alle. „Ein 12-Stunden-Arbeitstag wie von der Wirtschaft gefordert, ist ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert“, stellt der ÖGB-Chef klar und ist auch der Meinung, dass die Arbeitszeitverkürzung ja bereits gelebte Realität ist. Für jene, die Teilzeit arbeiten, genauso wie für jene, die gar keinen Job haben, wenn auch unfreiwillig. Deshalb solle man nun nicht so tun, als gäbe es das nicht.

Die Arbeitszeitverkürzung ist für Foglar ein geeignetes Mittel, das der Rekordarbeitslosigkeit Abhilfe schaffen könnte sowie die Gesundheit der Beschäftigten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördere. Denn neue Technologien würden Arbeitsplätze ersetzen, aber keine neuen mehr schaffen.

In Arbeitslosigkeit gedrängt

Zudem müsse die Wirtschaft endlich ihre Blockadehaltung aufgeben und dürfe Personen ab 50 Jahren nicht in die ­Arbeitslosigkeit drängen. Als Anreiz, Ältere einzustellen, bringt der ÖGB-Chef wieder das Bonus-Malus-System ins Spiel. Ein Punkt, den die Arbeitgebervertreter so gar nicht toll finden. Aber Foglar stellte bei seinem Vorarlberg-Besuch eines klar: Man müsse auch manchmal Maßnahmen andenken, die nicht alle freuen, wenn es der Sache dient. So auch eine Wertschöpfungsabgabe, die vorsieht, dass neben der Lohnsumme auch die Wertschöpfung eines Betriebes als Bemessungsgrundlage dient. Ebenfalls ein „rotes Tuch“ für die Arbeitgeber.

Mehr Zustimmung könnte Foglar mit dem geforderten „industriepolitischen Masterplan“ erfahren. Denn um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu sichern, brauche es Investitionen in Infrastruktur und Bildung sowie eine zielgerichtete Forschungs- und Entwicklungspolitik. Die Botschaft: Bei der Erarbeitung eines Maßnahmenpakets für die Industrie will die Arbeitnehmerseite von Anfang an eingebunden sein.