Novomatic ist in Kauflaune

Markt / 28.07.2015 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Glücksspielkonzern wird größter Casinos-Aktionär. Wettbewerbsrechtlich könnte das heikel werden.

gumpoldskirchen. (VN) Die Österreicher geben im Schnitt 23 Euro im Monat für Glücksspiele aus. Ins Casino gehen rund 13 Prozent. Eine gute Basis also für den niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic, der seine Betiligung an den Casinos Austria weiter aufstockt. Nun verkauft auch die Uniqa-Versicherung ihre Beteiligung an den Casinos Austria an den Konzern. Der Kaufpreis wird nicht bekannt gegeben. Vereinbart wurde, dass Novomatic die 29-Prozent-Beteiligung der Uniqa Insurance Group an der Medial Beteiligungs-GmbH erwirbt, die wiederum mit rund 38 Prozent an der teilstaatlichen Casinos Austria AG beteiligt ist. Durchgerechnet entspricht die Uniqa-Beteiligung an der Medial einer Beteiligung von 11,4 Prozent an den Casinos.

Novomatic hat darüber hinaus bereits die Zustimmung der MTB Privatstiftung und der Leipnik-Lundenburger Invest, die ihre Casinos-Beteiligungen ebenfalls verkaufen wollen. Von MTB erwirbt Novomatic 16,8 Prozent der Casinos-Anteile, von LLI indirekt 11,34 Prozent. Durch die Käufe wird die Novomatic mit einer Beteiligung von 39,5 Prozent der größte Casinos-Aktionär. Der Glücksspielkonzern hat damit die Republik Österreich, die über die Beteiligungsholding ÖBIB 33,24 Prozent hält, übertrumpft. Weitere Anteile – jene 11,35 Prozent der Vienna Insurance Group (VIG) sowie 9,44 Prozent der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera – könnten diese Woche an Novomatic wandern.

„Knappe Geschichte“

Das alles vorerst auf dem Papier. Denn der Deal ist wettbewerbsrechtlich heikel. Nicht nur müssen die aneinander gebundenen Casinos-Syndikatspartner den Einstieg des Erzrivalen absegnen – sie haben gegenseitige Vorkaufsrechte –, sondern auch gesellschafts- und kartellrechtliche Genehmigungen braucht es noch. „Das wird eine knappe Geschichte, zumal es nicht viele Wettbewerber gibt“, sagt Kartellrechtsexperte Martin Stempkowski. 

Novomatic betreibt in Österreich, im Gegensatz zu den Casinos Austria, keine Vollcasinos. Auf dem Automatenmarkt hingegen sind beide Konzerne aktiv, die gesetzliche Grundlage ist aber eine andere. Auch Sportwetten, die in Österreich nicht als Glücksspiel deklariert sind, bieten beide Unternehmen an: Novomatic besitzt die größte Sportwettenkette Admiral, zum Casinos-Konzern gehört tipp3. Die Wettbewerbshüter müssen sich nun ansehen, ob die verschiedenen Spielangebote für die Kunden unterscheidbar sind. Sollten die Wettbewerbshüter zur Erkenntnis kommen, dass die Vollcasinos ein anderes Zielpublikum ansprechen als Automatenhallen, würde es sich dabei um zwei eigene Märkte handeln. Gut möglich ist auch, dass sich die EU-Kommission der Causa annimmt. Eine der Voraussetzungen dafür ist eine Umsatzschwelle von fünf Mrd. Euro, diese wäre erreicht: Die Novomatic AG setzte zuletzt knapp zwei Mrd. Euro um, der Casinos-Konzern mehr als 3,6 Mrd. Euro. 

Was macht der Staat?

Novomatic hält sich zum weiteren Vorgehen bedeckt. Konzernsprecher Hannes Reichmann bestätigt nur, den Uniqa-Anteil an den Casinos gekauft zu haben. Von VIG sowie Schelhammer & Schattera, die ihre Anteile ebenfalls abgeben wollen, gibt es keinen Kommentar. Im Finanzministerium, der Staat hält ja ein Drittel an den Casinos, heißt es ebenfalls nur, man halte sich alle Optionen offen. Am Montagabend hatte Finanzminister Hans Jörg Schelling gesagt, er glaube nicht, dass die Republik ihre Anteile abstoßen werde. Martha Oberndorfer, Chefin der Staatsholding ÖBIB, hatte jedoch eine Reduktion der Anteile auf 25 Prozent plus eine Aktie ins Gespräch gebracht: „Theoretisch könnte die Republik ihren Anteil auf die Sperrminorität reduzieren.“

Theoretisch könnte die Republik ihren Anteil reduzieren.

Martha Oberndorfer, ÖBIB