Ein gemachtes Nest ist nicht die beste Option

Markt / 05.08.2015 • 20:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Übergabe von Unternehmen kann in Österreich noch ausgebaut werden, beispielsweise durch eine Gleichstellung mit Firmengründungen.
Die Übergabe von Unternehmen kann in Österreich noch ausgebaut werden, beispielsweise durch eine Gleichstellung mit Firmengründungen.

Eine etablierte Firma zu übernehmen, könnte attraktiv sein. Doch es gibt Hürden.

Schwarzach. (VN-sca) Rund 2400 Betriebe stehen in Vorarlberg bis 2023 zur Übergabe an, das sind über 30 Prozent der Vorarlberger Unternehmen, nicht mitgerechnet sind die Ein-Personen-Unternehmen. Beschäftigt werden in diesen kleinen und mittleren Unternehmen zwischen 12.000 und 24.000 Menschen. Ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor, doch der Übergabemotor stottert. Im Jahr 2014 wurden in Vorarlberg 236 Betriebe übergeben, um 15 weniger als im Jahr zuvor, meldet die Wirtschaftskammer Vorarlberg, deren Gründerservice seit Jahren auf die Situation hinweist.

In Österreich wurden 2014 6675 Betriebe übernommen, ebenfalls ein leichter Rückgang von 2,5 Prozent oder 171 Übernahmen im Vergleich zum Jahr 2013. Dennoch sei die Betriebsnachfolge eine echte und attraktive Alternative zur Betriebsgründung, kommentiert Elisabeth Zehetner-Piewald, Geschäftsführerin des Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich, die Zahlen. Wenn die Voraussetzungen stimmen. Auch bei der Jungen Wirtschaft Vorarlberg steht das Thema ganz oben, sogar ein Buch zum Thema (Titel: „Familienangelegenheit“) wurde heuer publiziert. Vorsitzende Stefanie Walser im Gespräch mit den VN: „Da die Familienunternehmen das Rückgrat der heimischen Wirtschaft sind, ist es umso wichtiger, dass Unternehmen erfolgreich übergeben werden. Die Zahlen bestätigen die Relevanz unseres Schwerpunktthemas Nachfolge im Familienunternehmen. Es ist für mich von großer Wichtigkeit, hier vor allem auch die Bewusstseinsbildung weiter voranzutreiben.“

Gleiche Bedingungen

Obwohl für die Übergabe von etablierten Betrieben zahlreiche Argumente sprechen, ist dieses „gemachte Nest“ für potenzielle Unternehmer in vielen Fällen nicht die beste Option. Eine Neugründung ist nämlich oft weniger kompliziert und günstiger als eine Übergabe. Zehetner-Piewald fordert deshalb, Betriebsnachfolgern einen ähnlich einfachen Start in den Neubeginn zu ermöglichen wie Neugründern.

So sollten sämtliche Begünstigungen des Neugründungsförderungsgesetzes (NEUFÖG) auch für Betriebsübernahmen gelten: „Somit auch die für Neugründer vorgesehene Lohnnebenkostenbegünstigung, wonach im ersten Jahr keine Beiträge zur Unfallversicherung, keine Dienstgeberbeiträge und Dienstgeberzuschläge usw. zu entrichten sind, und zwar für zusätzliche Mitarbeiter, die im Rahmen der Übernahme eingestellt werden.“

Einige Forderungen wurden auch schon umgesetzt. Ein großer Erfolg sei, dass die im Rahmen der Steuerreform geplanten Änderungen bei der Grunderwerbsteuer massiv entschärft werden konnten. Um Betriebsübergaben von Familienbetrieben auch in Zukunft leistbar zu halten, sind nun Freibeträge und eine Deckelung von 0,5 Prozent vorgesehen.

Die Zahlen bestätigen die Relevanz des Themas Nachfolge.

Stefanie Walser

Firmenübergaben

» Bis 2023 stehen 2400 Firmen zur Übergabe an

» 2014: 236 Übergaben

» Mehr Informationen: www.gruenderservice.at (Vorarlberg, Nachfolge)