China-Schwäche schickt die Börsen auf Talfahrt

Markt / 24.08.2015 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Stärkster Tagesverlust in China seit mehr als acht Jahren. Börsen weltweit auf Talfahrt.

Tokio. Die Börse in China hat am Montag eine rasante Talfahrt hingelegt. Der chinesische Aktienindex Shanghai Composite stürzte um 8,5 Prozent auf 3210 Punkte ab. Damit wurden sämtliche Kursgewinne dieses Jahres zunichte gemacht. Es war der stärkste Tagesverlust seit mehr als acht Jahren. Einzelne Firmen verloren bis zu zehn Prozent ihres Börsenwertes. Auch an anderen Börsen in Asien ging es abwärts. In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index 4,6 Prozent auf 21.369 Punkte. Der japanische Nikkei-Index lag nach einem Minus von 4,6 Prozent bei 18.544 Punkten. Für den südkoreanischen Kospi-Index ging es um drei Prozent nach unten. Als Grund für den Aktienausverkauf gilt das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Hinzu kommt der weitere Verfall der Rohstoffpreise. Die Regierung in Peking strebt heuer einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von sieben Prozent an (2013: 7,4 Prozent), im Vergleich zur BIP-Entwicklung in Europa ein extrem hohes Niveau, für chinesische Verhältnisse aber der schwächste Anstieg seit 25 Jahren.

Das nachlassende Wirtschaftswachstum in China versetzt die Finanzwelt in Aufruhr und schickt die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt. Anleger warfen weltweit Aktien im hohen Bogen aus ihren Depots. Auch an den Rohstoffmärkten brachen die Preise für Öl und Kupfer ein. Der DAX rutschte auf unter 9700 Zähler und damit weit unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Damit sind die seit Jahresanfang angehäuften Gewinne aufgezehrt. Auch an der Wall Street fielen die Kurse dramatisch: Dow-Jones und S&P500 verloren allein in den ersten Handelsminuten rund sechs Prozent. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von knapp vier Prozent. Auch an der Computerbörse Nasdaq wurde mit einem Minus von knapp vier Prozent geschlossen.

Für Österreich verkraftbar

Auch der ATX verbuchte ein Minus. Das gebremste Wirtschaftswachstum in China und den Stress an den Börsen beurteilt der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich in Peking, Martin Glatz, aber gelassen. Die Börse in China sei wegen des hohen Anteils an privaten und kleinen Investoren immer schon riskanter gewesen als bei uns. In China bestünden Überkapazitäten, und jetzt werde die Effizienz gesteigert, sagt Glatz und verweist etwa auf die Stahl- und Automobilindustrie. Zudem sind die Lohnkosten in China gestiegen und die Umweltauf­lagen verschärft worden: „Das Land geht halt weg von der billigen Werkbank.“ Der Anteil der heimischen Warenexporte nach China ist mit rund 2,5 Prozent überschaubar.