Morschers Weste wieder weiß

Markt / 17.09.2015 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 17. Jänner 2008.

VN-Bericht vom 17. Jänner 2008.

Eines der spektakulärsten Verfahren in Vorarlbergs Wirtschaft wurde eingestellt.

Feldkirch. (VN-sca) Der angeblich größte Fall von Wirtschaftskriminalität im Land Vorarlberg endet nun wie das berühmte „Hornberger Schießen“ – es ist nämlich trotz großem und über Jahre anhaltendem Getöse nichts dabei herausgekommen. Alle Verfahren gegen Richard Morscher (53) wurden eingestellt, der Unternehmer steht mit weißer Weste da und will deshalb von der Republik Österreich Genugtuung.

Acht Jahre Untersuchung

Nach achtjähriger Untersuchung wurden nun sämtliche Ermittlungsverfahren gegen den Werbe-Unternehmer Richard Morscher und seine Firma, die in mehreren Ländern tätige Montfort Werbung, eingestellt, wie der Dornbirner Anwalt Wilhelm Klagian, der die Causa seit Beginn begleitet, mitteilt. Dazu gehört auch die Aufhebung des Sicherstellungsbescheides über 11,4 Millionen Euro durch den österreichischen Verwaltungsgerichtshof wegen Rechtswidrigkeit. Auf dem Konto Morschers sind die Millionen allerdings noch nicht gelandet. Das kann dauern, denn jetzt muss das Bundesfinanzgericht die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs erst umsetzen. Richard Morscher überlegt nun, Amtshaftungsansprüche gegen die Republik Österreich im Ausmaß von 30 Millionen Euro zu erheben.

Vollständig erledigt

Die Causa Richard Morscher, die seit Jahren für viel Aufregung sorgt, ist, was die finanzstraf- und strafrechtlichen Ermittlungen gegen Morscher betrifft, vollständig erledigt. Ins Rollen gebracht wurden die falschen Beschuldigungen gegen den Unternehmer, der seinen Wohnsitz inzwischen von Vorarlberg nach Liechtenstein verlegt hat, durch anonyme Schreiben, aufgrund deren die Staatsanwaltschaft Feldkirch und das Finanzamt Ermittlungsverfahren einleiteten. Nach acht Jahren gesamter Verfahrensdauer wurde nun auch der letzte Vorwurf von der Finanzstrafbehörde und der Staatsanwaltschaft, der sich auf eine Abgabenschuld bezog, fallengelassen, berichtet Anwalt Klagian. „Es ist für Außenstehende schwer vorstellbar, wie es einem als unbescholtenem Steuerzahler und bemühten Unternehmer geht, wenn man acht Jahre lang aufgrund von anonymen Anzeigen und nachweislich rechtswidrig agierenden Beamten geradezu verfolgt wird,“ resümiert Richard Morscher, der unter anderem drei Hausdurchsuchungen und eine breite öffentliche Abhandlung seiner Causa über sich ergehen lassen musste. Entzündet hat sich das Verfahren im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Europazentrale des deutschen Maschinenbaukonzerns Gildemeister in Klaus. Die Rede war von Steuerhinterziehung, von Bestechung, der Vorwurf der Untreue wurde erhoben und Hausdurchsuchungen an 20 Orten durchgeführt. Ermittelt wurde sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Gildemeister hat den Ort des Geschehens ebenso verlassen wie Morscher. Die neue Europazentrale des Konzerns DMG Mori (so heißt das Unternehmen jetzt) wurde vor Kurzem in Winterthur eingeweiht.

Millionenforderung

Klagian und Morscher wollen die Sache nun nicht auf sich beruhen lassen, wie der Anwalt gegenüber den VN bestätigt: „In diesen acht Jahren beläuft sich der Schaden für Richard Morscher, hervorgerufen durch Reputationsverlust, entgangene Aufträge und Vertretungskosten, auf geschätzte 30 Millionen Euro.“ Er rechnet sich gute Chancen aus, wenn er die Republik auf Amtshaftung und Schadenswiedergutmachung klagt.

Schwer vorstellbar, wie es einem ergeht, wenn man verfolgt wird.

Richard Morscher, Montfort Werbung