„Sozialpartnerschaft wird mit Füßen getreten“: Ultimatum bis Freitag

Markt / 29.09.2015 • 21:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Keine Spielchen auf Kosten der Menschen“, forderten die Gewerkschaften gestern bei der Betriebsrätekonferenz. Foto: APA
„Keine Spielchen auf Kosten der Menschen“, forderten die Gewerkschaften gestern bei der Betriebsrätekonferenz. Foto: APA

Metaller-KV: Gewerkschaft droht Arbeitgebern mit Betriebsversammlungen.

Wien. (VN-reh) Heuer gab es den Knalleffekt bei den Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen schon vor der ersten Verhandlungsrunde.  Denn bei der Forderungsübergabe der Gewerkschaften an den Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), forderte die Industrie vergangene Woche die Bundesregierung auf, klarzustellen, ob die sechste Urlaubswoche für alle nach 25 Jahren Arbeit und andere Verbesserungen für Arbeitnehmer kommen. Vorher werde nicht weiterverhandelt. Dass man bereits vor den ersten Verhandlungen abgeblitzt sei, das habe es noch nie gegeben, zeigt sich der Vorarlberger Gewerkschafter Bernhard Heinzle im VN-Gespräch erstaunt.

Bei der Regierung hat sich FMMI-Obmann Christian Knill bereits eine Absage geholt. Sozialminister Rudolf Hundstofer (SPÖ) gab ihm einen Korb. Kollektivverträge seien Sache der Sozialpartner. Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) schloss einen Alleingang der Regierung aus. Würden sich die Sozialpartner einigen, würde die Regierung dies aber übernehmen.

Nun haben die Gewerkschaften ein Ultimatum gestellt: Sollte die Industrie nicht bis Freitag 9:00 Uhr ihre Zustimmung zur 1. Verhandlungsrunde am kommenden Montag geben, dann folgen am 7. Oktober Betriebsversammlungen. Gestern gab es in der Wiener Stadthalle eine Betriebsrätekonferenz, bei der über 2000 Arbeitnehmervertreter der Metallindustrie dabei waren, darunter auch 20 aus Vorarlberg, berichtet Heinzle. Zuvor hatten die Verhandlungsführer der Gewerkschaften, Rainer Wimmer und Rudolf Wagner, ihrem Unmut über die Arbeitgeber Luft verschafft: „Die Sozialpartnerschaft wird mit Füßen getreten. Die Arbeitnehmer werden in Geiselhaft genommen“, so einige der Kritikpunkte.

„Verschwörung“ im Raum

Ebenso in der Kritik: Laut Rainer Wimmer hat es am 23. September ein hochrangig besetztes Treffen der Arbeitgebervertreter gegeben. Er vermutet, dass eine Art Masterplan gegen die Gewerkschaften geschmiedet wurde. Ein Treffen von Industrievertretern mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bestätigte die Bundessparte Industrie. Dies sei aber ein ganz normaler Vorgang und kein Grund für eine „Verschwörungstheorie“.