„Offizielle Rückrufe nur im äußersten Notfall“

Markt / 01.10.2015 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anwalt Burkert berät Automobil-Zulieferer. Foto: VN/Scalet
Anwalt Burkert berät Automobil-Zulieferer. Foto: VN/Scalet

Der deutsche Rückruf-Spezialist Marcus Burkert referierte vor Vorarlbergs Automobil-Zulieferern.

Dornbirn. (VN-sca) Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Die Vorarlberger Niederlassung des Risikoversicherers Greco International lud die Automobilzulieferer des Landes zum Vortrag des deutschen Anwalts Marcus Burkert, der sich einen Namen als Rückruf-Spezialist gemacht hat. Der Dieselskandal bei Volkswagen sorgt für Sensibilität in der Branche.

Die Unsicherheit in der Branche ist groß. „Die Amis wollten ein Exempel statuieren, und das muss auch finanziell richtig weh tun“, so Burkert. Dass man das mit einem deutschen Autobauer mache, liege auf der Hand. Die letzte Strafe, die US-Hersteller General Motors ausgefasst habe, sei im Vergleich zu der nun in den Raum gestellten Strafe gering gewesen. „Damit schützt man auch die eigenen Hersteller“, ist er sicher.

Doch der VW-Super-GAU, so Burkert gleich zu Beginn des Gesprächs in der VN-Redaktion, ist gar kein klassischer Rückruf. Das sei, auch wenn es angesichts der Zahlen und der Milliarden-Strafe, die im Raum steht, schwer zu glauben ist, eine Service-Aktion, bei welcher der Konzern die Software updatet. „Leib und Leben sind dabei ja nicht in Gefahr“, so der Anwalt, der zum Thema auch ein Standardwerk verfasst hat, Titel: „Kfz-Rückruf – Haftung und ausgewählte Deckungsfragen der Automobilzulieferer“.

Das Interesse war dementsprechend, denn die meisten Rückrufe betreffen die Zulieferer, so der Fachmann. Diese sind eng an die Vorgaben ihrer Kunden gebunden, „dennoch sind es oft ganz kleine Teile, die schadhaft sind“. Abgesehen vom Image­schaden für die Automarke sei auch der materielle Schaden nicht zu unterschätzen. „Denn wenn man in Tausenden Autos ein kleines Teil auswechseln muss“, gehe das ins Geld. Die Zulieferer, die mit ihrer Kalkulation oft am Anschlag sind, kann das die Existenz kosten, weiß Burkert und rät ihnen deshalb zu einer Haftungsbegrenzung. „Darauf gehen die Automobilkonzerne auch oft ein“, erzählt er aus der Praxis.

Durch die Vernetzung des Automobils rechnet er mit einer massiven Zunahme von Rückrufen. Das Cyberthema sei noch gar nicht in seinem ganzen Umfang erfasst, befürchtet der Experte. „Die Manipulation bei Chrysler-Fiat gibt nur einen ungefähren Eindruck, was da auf uns zukommen kann.“ Dennoch: Wenn nur irgend möglich, wird von den Autoherstellern ein öffentlicher Rückruf vermieden. „Die meisten Rückrufaktionen werden in Flughafenhotels sehr diskret aus der Welt geschafft.“ Damit spare man sich auch Leihwagenaktionen und ähnliches für die Kunden.

Für den Konsumenten seien die strengen Vorschriften dennoch sehr gut. „Denn der bekommt ein sehr gutes Produkt für sein Geld.“ Bei welchem Produkt außer bei Autos werden so langfristige Garantien gewährt, stellt er abschließend eine wichtige Frage in den Raum.

Automotive-Rückruf/Versicherung

Dr. Marcus Burkert

» Rechtsanwalt, Anwaltskanzlei Schweizer & Burkert, Rosengarten (Baden-Württemberg)

» Langjähriger Leiter Haftpflicht-Schaden bei der Hörtkorn-Gruppe

» Lehrbeauftragter der Deutschen Versicherungsakademie (DVA)

» Spezialist für Kfz-Rückruf

» Autor des Buches „Kfz-Rückruf“, zusammen mit Joachim Vogel, Rosengarten-Verlag

 GrEco International

» Größter österreichischer Broker und Risk Consulant mit Niederlassung in Dornbirn

» Leitung Vorarlberg: Herwig Ganahl

» Mitarbeiter: 825 insgesamt, Vorarlberg: 13

» Konzernumsatz: 78 Millionen Euro

» Prämienvolumen: 597 Millionen Euro

» Fokus: Firmenkunden aus Industrie, Handel, Gewerbe, Öffentlicher Sektor