Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Klein, mutig und unabhängig

07.10.2015 • 20:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

1800 Neugründungen, 3600 neue Jobs. Land, Republik und Wirtschaftskammer rufen zur gemeinsamen Gründerstrategie auf und machen Unternehmertum mit verschiedensten Maßnahmen schmackhaft. In der Tat: Ein attraktiver Wirtschaftsstandort braucht Neugründer. Nur mit Ansiedlungen großer Unternehmen ist es nicht getan. Eine Volkswirtschaft lebt davon, dass neue Unternehmen gegründet werden und wachsen und andere ihren Lebenszyklus beenden.

Doch die Option Selbstständigkeit wird nur gewählt, wenn es auch Perspektiven gibt. Eine eigene Gründerlandstrategie, wie sie von der Bundesregierung vorgestellt wurde, ist eine solche Perspektive für kommende Unternehmen. Doch in dieser Strategie fehlen ganz wichtige Teile, und die betreffen Unternehmen, die nicht erst gegründet werden, sondern oft schon sehr lange für Arbeitsplätze sorgen, die mit ihrer Wertschöpfung und ihrer Steuerleistung einen wesentlichen Beitrag zum allgemeinen Wohlstand beitragen.

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land. Heute Abend werden sie bei der Verleihung des KMU-Preises der Vorarlberger Nachrichten ins Rampenlicht gestellt. Doch wenn die Scheinwerfer wieder erloschen sind, kehrt der unternehmerische Alltag wieder ein.

Der aber ist für die Unternehmen, vor allem die kleinen, nicht einfacher geworden. Auch wenn Bürokratie abgebaut wird: Für jede Vorschrift, die abgeschafft wurde, kommen zwei weitere Verordnungen hinzu. Auch wenn es neue Förderungen gibt: Die Steuerbelastung nimmt ihnen die Luft zum Atmen. Auch wenn genug Geld für Kredite vorhanden ist: Die Anforderungen machen es für viele unmöglich, weiter zu investieren.

KMU, klein, mutig, unabhängig – diese Attribute treffen auf diese Unternehmen zu; damit sind auch inzwischen riesige Konzerne in das Abenteuer Selbstständigkeit gestartet. Doch die kleinen und mittleren Unternehmen müssen Möglichkeiten zur Gestaltung haben. Es darf kein Nachteil sein, wenn ein Unternehmen klein ist. Mut und unternehmerisches Risiko müssen ermöglicht werden, dann ist ein Selbstständiger in seiner Entscheidung unabhängig, kann Erfolg haben.

Unternehmer verzichten gerne auf Förderungen. Sie wollen und brauchen Freiraum und Bedingungen, die ihnen das Gestalten ermöglichen. Das wäre eine Strategie, die den Kleinen nützt.

Unternehmer verzichten gerne auf Förderungen, wenn sie dafür ordentliche Rahmenbedingungen bekommen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862