Firmen zahlen Kosten

09.10.2015 • 07:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Psychische Probleme der Arbeitnehmer verringern die Wirtschaftsleistung in Österreich täglich um über 62 Millionen Euro.
Psychische Probleme der Arbeitnehmer verringern die Wirtschaftsleistung in Österreich täglich um über 62 Millionen Euro.

Psychische Probleme der Mitarbeiter treffen laut einer aktuellen Studie vor allem die Unternehmen hart.

KRANKHEIT. Psychische Probleme von Arbeitnehmern, die sich in verminderter Produktivität sowie Kosten für Unternehmen niederschlagen, verringern Österreichs Wirtschaftsleistung im Jahr um etwa 3,6 Prozent des BIP. Das geht aus einem OECD-Bericht zur Beschäftigung von Menschen mit psychischen Problemen hervor. Das bedeutet Verluste von 66,78 Mill. an jedem einzelnen Tag. Jeder dritte Arbeitslose und jeder zweite Langzeitarbeitslose hat demnach psychische Probleme. Trotzdem wird das Thema nach wie vor stark stigmatisiert. Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen ist dabei laut Studienautor Christopher Prinz seit Jahrzehnten gleich. „Es gibt kein Indiz, dass sich an der Prävalenz in den vergangenen 50 Jahren etwas geändert hat“, hielt der Experte fest. Nur würden jetzt mehr Erkrankungen erkannt.

Die Kosten, die durch psychische Probleme von Arbeitnehmern entstehen, betreffen laut dem Schweizer Psychologen Niklas Baer, Koautor des Berichts, nur zu einem geringen Teil das Gesundheitssystem. Den weitaus größeren Anteil machen die sogenannten arbeitsassoziierten Kosten aus: Menschen mit psychischen Erkrankungen sind weniger produktiv, häufiger und länger im Krankenstand, gehen früher in Pension und sind öfter von Arbeitslosigkeit betroffen. 1995 lagen zehn Prozent aller Invaliditätspensionen psychische Diagnosen zugrunde, 2013 war das bei einem Drittel der Fall – ein Faktum, das Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) nach eigenen Worten „nicht wahrhaben“ wollte. Er wies auf eine Palette von Initiativen hin wie ambulante Rehabilitation, fit2work und Jugendcoaching. Raum für Verbesserungen sieht er aber eingestandenermaßen noch bei der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

„Hundstorfers Einschätzung deckt sich im Hinblick auf die KMU mit dem Ergebnis des OECD-Berichts: Gerade bei kleineren Arbeitseinheiten und -gruppierungen sei das Bewusstsein für psychologische Belastungen am Arbeitsplatz noch gering ausgeprägt, hält der Bericht fest. Dass das Problembewusstsein steigt, ist zudem nicht nur von Vorteil: Oft bleibe es nur beim Anerkennen des Problems, gefolgt von einer unternehmerischen „Schauen wir einmal“-Kultur, wie es im Bericht heißt. Wie die Autoren festhalten, geht es zudem nur in den seltensten Fällen um den Job als einziger Ursache für psychische Probleme.

Meist sind es mehrere Faktoren, die zur Überbelastung der Mitarbeiter führen. Am Arbeitsplatz wären die Alarmsignale jedoch oft zuerst erkennbar, mahnt der Bericht. Auch werden Arbeitgeber daran erinnert, dass sie die Folgen von Ignoranz in diesem Fall zu einem guten Teil selbst bezahlen müssten.