Von Gulasch und anderen Ritualen

09.10.2015 • 20:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rudolf Wagner leitet heuer die Lohnverhandlungen für die Gewerkschaft GPA-djp als Nachfolger von Karl Proyer.  Foto: VN/Steurer
Rudolf Wagner leitet heuer die Lohnverhandlungen für die Gewerkschaft GPA-djp als Nachfolger von Karl Proyer. Foto: VN/Steurer

Wieso für Gewerkschafter Rudolf Wagner Drama zur Metaller-Lohnrunde dazugehört.

Schwarzach. Hitzige Diskussionen bis spät in die Nacht und Würste als Verpflegung – rund um die alljährlichen Metaller-Lohnverhandlungen ranken sich verschiedenste Mythen. Auch weil niemand genau weiß, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Einer der mittendrin ist, ist Gewerkschafter Rudolf Wagner, der zusammen mit Rainer Wimmer auf der Arbeitnehmerseite Platz nimmt. Die erste Verhandlungsrunde fand am Montag statt. Nicht unter den besten Voraussetzungen, denn bei der traditionellen Forderungsübergabe hatte es wegen der sechsten Urlaubswoche schon einen Tumult gegeben. Die Industrie brach die Gespräche ab. Der Ärger darüber sei mittlerweile verflogen, sagt Wagner im VN-Gespräch. Dennoch, so etwas tue man nicht. Es sei Teil der Wertschätzung, dass man bei der Eröffnungsrunde die Argumente der Gegenseite anhöre.

Am Montag, bei der Verhandlung, sei die Situation dann deutlich entspannter gewesen, man konnte das Forderungsprogramm sachlich besprechen. „Es geht ja nicht ums Gewinnen oder Verlieren“, betont Wagner. Vielmehr sieht er die Metaller-Lohnrunde als langjährige traditionelle Arbeitsbeziehung, bei der es darum gehe, die Löhne und Gehälter der Beschäftigten zu erhöhen. Deshalb habe er sich auch so über die Aktion der Arbeit­geber geärgert.

Inszenierung gehört dazu

Dass die Verhandlungen jedes Jahr auch eine ordentliche Portion Inszenierung beinhalten, gehöre dazu. „Schließlich geht es um viel Geld.“ Zudem habe der Abschluss eine wichtige Signalwirkung auf andere Branchen. Und so bleiben auch bestimmte „Rituale“ jedes Jahr die gleichen. „Die Sonnwende im Juni bringt nicht nur neue Tages- und Nachtzeiten. Dann geht es auch der Industrie immer schlechter als zuvor“, merkt Wagner an. Im Frühjahr würden die Betriebe wieder Rekord­ergebnisse verbuchen. „Aber das gehört zum Geschäft. Das kann man nicht ernst nehmen.“ Viel eher stört ihn die Tatsache, dass Christian Knill, Obmann Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie, in der Öffentlichkeit so auftrete, als ob er bei den Verhandlungen mit dabei wäre. „Ich kann mich nicht an eine einzige Verhandlung erinnern, an der er teilgenommen hat. Dennoch tut er so, als ob er mit uns am Tisch sitzen würde. Das ist schlecht für die Kultur und Teil des Problems, wieso es überhaupt Konflikte gibt.“

Kräftige Erhöhung ein Muss

Mit wie viel Prozent Lohnerhöhung die heurige Lohnrunde abschließen soll, will Wagner noch nicht sagen. Eine kräftige Erhöhung sei aber ein Muss. Ob auch eine Freizeitoption kommt, steht noch in den Sternen. Die Forderung der Gewerkschaft ist schon lange aufrecht. Einige Branchen haben sie bereits eingeführt. Die Industrie hat jedoch ihr Veto eingelegt. „Es gibt immer noch das Bild, dass nur der fleißig ist, der 60 Stunden die Woche arbeitet“, ortet Wagner einen Grund dafür. Er sehe die Freizeitoption als Win-win-Situation. So könne man Auftragsschwankungen ausgleichen und zudem mache sie Betriebe zu attraktiven Arbeitgebern. Auch sieht er die sechste Urlaubswoche – wahrscheinlich der größte Knackpunkt in den Verhandlungen – als Werkzeug, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Am 15. Oktober steht die zweite Verhandlungsrunde an. Ein Ergebnis wird es zwar noch nicht geben. Dafür Gulasch oder Chili con Carne als Jause, so viel sei verraten.