Die Gefahr, über die man nicht spricht

11.10.2015 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Internet ist nicht nur das Tor zu weltweiten Geschäften, sondern auch Angriffspunkt für Verbrechen aller Art.  Foto: AP
Das Internet ist nicht nur das Tor zu weltweiten Geschäften, sondern auch Angriffspunkt für Verbrechen aller Art. Foto: AP

Internetkriminalität ist nicht nur international ein Problem, sondern auch in Vorarlberg.

Gernot Schweigkofler

Schwarzach. Das Internet ist eines der wichtigsten Instrumente der modernen Weltwirtschaft. Gleichzeitig ist es aber auch ein Gefahrenherd, in dem immer mehr organisierte Gruppen Wirtschaftsverbrechen begehen. Auch Vorarlberger Unternehmen sind betroffen. Die Opfer schweigen.

Chefinspektor Harald Longhi ist der Internetspezialist in der Landeskriminalabteilung Vorarlberg. Er weiß, dass es auch hierzulande zu „Cybercrimes“, also Verbrechen aus dem und im Internet, kommt. Er warnt vor einer Bagatellisierung der Gefahr. Gerade kleine Unternehmen seien sich nicht bewusst, wie weitreichend die Folgen sind. Das Bewusstsein entstehe erst dann, wenn es zu spät sei. Er schildert mehrere typische Angriffsszenarien. Von simpler Erpressung über das Kopieren von Webseiten bis hin zum gezielten Datenklau. Dabei könne man auch indirekt zum Opfer werden, denn oft würden Daten auch über Dritte in die Hände der Gauner geraten.

Bestens mit der Materie vertraut ist auch Roland Schaffer. Er berät KMU und unterstützt sie beim Sichern von sensiblen Daten. Auch er ortet ein geringes Sicherheitsbewusstsein, gerade bei kleinen Unternehmen. Viele Unternehmen würden die Kosten für eine gute Sicherheitsarchitektur scheuen und lieber auf kostenlose oder günstige Programme zurückgreifen. Die Entwicklung hin zur „Cloud“ findet er überhaupt „grausig“. Wer unbedingt Daten online speichern müsse, solle diese zumindest verschlüsseln.

Beide sind sich einig, dass die Gefahr vom eigenen Unternehmen ausgeht. So sind Handys und Laptops, die sowohl extern als auch im Firmennetzwerk benutzt werden, oft die Eintrittstür für Schadsoftware. Auch fahrlässiges Verhalten durch Mitarbeiter ist eine Gefahr. Dazu kommen auch Straftaten, die Mitarbeiter im Firmennetzwerk begehen. Dazu gehört das Aufrufen von illegalen Seiten, wie Longhi aus der Praxis weiß.

Gerüstet, aber schweigsam

Bei den großen Unternehmen ist das Bewusstsein für die Gefahr vorhanden, bestätigt Banken-Spartenobmann Wilfried Hopfner: „Die Thematik ist bekannt und auch das Bedrohungspotenzial wird von Unternehmen ernst genommen.“ Die Firmen würden alles tun, um das Risiko möglichst gering zu halten. Er appelliert aber auch an die Verbraucher. Es sei wichtig, sich an die Sicherheitsrichtlinien zu halten und gewissenhaft mit Daten umzugehen.

Die großen Vorarlberger Unternehmen zeigen sich verschlossen. Man will keine Einblicke in getroffene Maßnahmen gewähren und keine Angriffe provozieren. Für manche Hackergruppen sind erfolgreiche Angriffe nämlich eine „sportliche“ Herausforderung.

Ist der Schaden einmal entstanden, ist es schwer, ihn wieder zu beheben. Bei Angriffen aus dem Netz ist der Zugriff auf die Täter meist unmöglich. Verlorene Daten kursieren schnell. Viele Angriffe werden gar nicht gemeldet, so Longhi, der eine hohe Dunkelziffer vermutet.

Viele sind sich nicht bewusst, wie weitreichend die Folgen sind.

Chefinspektor Harald Longhi