Wie sich die Armut messen lässt

Markt / 12.10.2015 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Angus Deaton bekommt den Nobelpreis für Wirtschaft. AFP
Angus Deaton bekommt den Nobelpreis für Wirtschaft. AFP

Nobelpreis für Wirtschaft geht an britischen Wissenschaftler Angus Deaton.

Stockholm. (VN) Er ist die wohl renommierteste Auszeichnung für Wirtschaftsforscher: Heuer erhält Angus Deaton für seine Forschung zu Konsum, Armut und Wohlstand den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Dies gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Der gebürtige Schotte ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University in den USA.

Geld macht glücklich – aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Unter anderem diese Erkenntnis hat die Welt dem neuesten Wirtschaftsnobelpreisträger zu verdanken. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand der heute 69-Jährige im Jahr 2010 gemeinsam mit Kollegen heraus. Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. „Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen“, lobte das Nobelpreis-Komitee die Arbeit von Deaton. „Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.“

Flüchtlingskrisen verhindern

Der Kampf gegen Armut kann auf Dauer geführt Flüchtlingskrisen nach Ansicht von Deaton verhindern. Dies dauere aber sehr lange, sagte der britisch-amerikanische Ökonom bei der Pressekonferenz am Montag in Stockholm, zu der er per Telefon zugeschaltet war. „Was wir heute sehen, ist das Ergebnis von Hunderten von Jahren ungleicher Entwicklung in der reichen Welt, wodurch ein großer Teil der Welt zurückgelassen wurde, und diese Menschen wünschen sich ein besseres Leben.“ Auf kurze Sicht könne nur eine Stabilisierung der politisch instabilen Verhältnisse helfen. Deaton beschreibt sich selbst als „jemand, der sich sorgt um die Armen in der Welt, wie Menschen sich verhalten und was ihnen ein gutes Leben verschafft“.

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde erst 1968 von der schwedischen Zentralbank im Gedenken an den Stifter Alfred Nobel ins Leben gerufen. Der schwedische Forscher und Industrielle selbst hatte seinerseits 1895 die Nobelpreise in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden geschaffen. Sie sind mit rund 880.000 Euro dotiert.