Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts

16.10.2015 • 20:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bildung ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Wir geben viel Geld für Bildung aus, sind aber trotz vieler Talente rohstoffarm. Ein Menetekel für die Zukunft!

Das neue Schuljahr haben rund 80.000 Erstklässler begonnen. 1970 waren es über 140.000. In dieser Zeit hat sich die Anzahl der Lehrer etwa verdoppelt,  mittlerweile geben wir im Schnitt 9130 Euro pro Schüler aus, die Niederlande nur 7800 Euro. Dennoch fallen wir bei den Bildungsergebnissen nicht nur gegenüber den Niederlanden, sondern auch im Vergleich mit Südtirol oder Skandinavien immer weiter ab. Warum? Weil bei uns nur ein allzu geringer Teil der Ausgaben für Bildung tatsächlich im Unterricht ankommt, der andere versickert im Dickicht der Verwaltung. Zudem erschweren die vielen Klein- und Kleinstschulen die Bereitstellung einer modernen Infrastruktur mit Turnsälen und pädagogischem Unterstützungspersonal für Integration und Inklusion.

Die überfällige Reform unseres Bildungssystems muss bereits im Vorschulalter ansetzen. Eine Volksweisheit besagt: „Was Hänschen/Gretchen nicht lernt, lernt Hans/Grete nimmermehr.“ Weil immer mehr Mütter berufstätig sind, es immer mehr Einzelkinder gibt, ist  zur Gewährleistung von Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit eine ganztägige, frühkindliche elementarpädagogische Betreuung ein Gebot der Stunde. Diese soll die jugendliche Neugierde fördern, Freude am Lernen vermitteln und gewährleisten, dass alle Erstklässler der Unterrichtssprache ausreichend folgen können. In Fortsetzung muss ein modernes Modell ganztägige Schulzentren mit bestimmter Mindestgröße und größtmöglicher Autonomie vorsehen, in denen ein fächerübergreifender Unterricht in sinnvoller Abwechslung von Lernen, Sport, Spiel und Freizeit geboten wird.

Durch die Verschlankung unserer aufwendigen Schulorganisationen können gut und gerne eine Milliarde Euro zielführend umgeschichtet werden. Wir müssen eine Bildungsrevolution starten und endlich die partei- oder machtpolitischen Blockaden hinwegfegen, wenn wir für unsere Jugend und unser Land gute Zukunftschancen  wollen. Die digitale Wende in Wirtschaft und Gesellschaft erfordert auch eine Bildungswende. Diese können und müssen wir schaffen!

Die überfällige Reform des österreichischen Bildungssystems muss bereits im Vorschulalter ansetzen.

markt@vorarlbergernachrichten.at
Dr. Hannes Androsch ist Finanzminister i. R. und Unternehmer.