Den Kunden Markenerlebnisse bieten

22.10.2015 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Shahab Hosseiny (31), Chef der Marketingagentur MSO Digital aus Osnabrück, erläuterte am Spielboden zukunftsfähige Werbestrategien für das Internet.  Fotos: VOL.AT/Rauch
Shahab Hosseiny (31), Chef der Marketingagentur MSO Digital aus Osnabrück, erläuterte am Spielboden zukunftsfähige Werbestrategien für das Internet. Fotos: VOL.AT/Rauch

Marketingexperten
und Unternehmer geben Tipps auf der „Interactive West“.

Dornbirn. Wie muss Werbung, wie muss Marketing, wie muss Kommunikation mit Kunden über das Internet heute aussehen? Damit beschäftigte sich am gestrigen Donnerstag die zweite Marketing- und Technologiekonferenz „Interactive West“ am Dornbirner Spielboden. Ein Fazit der Konferenz: Händler und Werbetreibende müssen sich auf einen Kunden einstellen, der sich nicht mehr wie früher an gewohnte Marken bindet und der unliebsame Werbung mit Ad-Blockern ausblendet. Die geladenen Redner hatten neben eigenen Erfolgsgeschichten auch Tipps parat, wie man seine Werbestrategie zukunftsfähig aufstellt.

Markenloyalität stirbt aus

Mit provokanten Aussagen zur Transformation des Marketings machte Michael Karg den Anfang. Der gebürtige Lochauer führt die Marketing­agentur Razorfish, die unter anderem Microsoft, Intel und Bayer betreut. Er sagt: „Die Markenloyalität ist vom Aussterben bedroht“. Grund sei vor allem die Vielfalt des Angebots, aber auch die Informationen, die das Internet bietet. Der Kunde könne schlicht den Wahrheitsgehalt der Werbung überprüfen, entzauberte er althergebrachte Strategien. Man müsse zudem lernen, mit der Ungewissheit umzugehen. Chaos könne auch Leben hervorbringen, Ordnung hingegen zur Routine verkümmern.

Sein Lösungsansatz lautet: Markenerlebnisse schaffen, statt Unterbrechungswerbung schalten. „Wenn Sie heute noch viel Unterbrechungswerbung schalten, sollten sie überlegen, da schnell wieder rauszukommen“, riet der Marketingexperte.

Wie man es nicht macht, zeigte auch Shahab Hosseiny, Chef der Marketingagentur MSO Digital: Er führte eine Nachrichtenwebsite vor, die den Bildschirm mit beliebigen Anzeigen und automatisch startenden Videos zukleistert. Wenn 25 Prozent der Internetnutzer heute Ad-Blocker benutzen, so sei dies hausgemacht. Die Werbung blockierenden Programme seien ein Problem, „auf das keiner eine eindeutige Antwort hat“, wie der Moderator der Konferenz, VN-Chefredakteur Gerold Riedmann, erklärte. Hosseinys Strategie: Den Bedarf des Kunden erkennen und nicht beliebig, sondern im  richtigen Kontext werben.

Auf Emotionen setzen

Dass sich Marketing nicht auf bloße Produktinformation beschränkt, zeigte Nadja Griehl (30), die bei der Fluglinie Swiss Air für die Social-Media-Auftritte verantwortlich zeichnet. Wichtiger als die Frage, welche sozialen Medien sie bespielt, sei jedoch die Frage nach dem Inhalt. „Wir vermeiden klassische Werbebotschaften“, so die Kreuzlingerin, stattdessen setzt sie auf Emotion, zum Beispiel mit Videos oder Fotoaktionen.

Erfolgreiche Vorarlberger

Ihre Erfolgsstorys präsentierten mehrere Unternehmer aus Vorarlberg, die es mit der richtigen Strategie geschafft haben. So zum Beispiel Julia Bösch, die den Herreneinkleider Outfittery mitgründete, oder Markus Rinderer von Pay On, das Finanztransaktionen abwickelt.

Anpassungsfähigkeit, großes Denken und den Mut, auch bislang unbekannte Werbekanäle zu beschreiten, nannten Daniel Ender und Tobias Klien aus Götzis als Erfolgsrezept für ihre Gutscheinportale. Mit dieser Strategie sei ihre Firma Webgears auf dem Weg zu den Top 3 der weltweiten Gutscheinportale. „Und das ist schon ziemlich krass“, meint Daniel Ender.

Ein Teilnehmer der „Interactive West“ probiert die Virtual-Reality-Brille „Google Cardboard“ aus.
Ein Teilnehmer der „Interactive West“ probiert die Virtual-Reality-Brille „Google Cardboard“ aus.