Wie stationärer Handel punktet: Den Verkauf als Erlebnis inszenieren

23.10.2015 • 19:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fachgruppen-Vorsteher Franz Alton zeigt in seinem Geschäft, wie man die Vorteile des stationären Handels richtig betont. Fotos: VN/Hofmeister
Fachgruppen-Vorsteher Franz Alton zeigt in seinem Geschäft, wie man die Vorteile des stationären Handels richtig betont. Fotos: VN/Hofmeister

Leidenschaft und das Unternehmersein zu leben, sind das Erfolgsgeheimnis von Franz Alton.

Feldkirch. (cro) Die Frage, ob seine Work-Life-Balance stimmt, stellt sich für Franz Alton nicht. „Ich lebe mein Unternehmertum“, erklärt der Obmann der Fachgruppe Handel mit Mode und Freizeitartikeln in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, dessen Kinder im Geschäft das Fahrradfahren lernten, ihr Osternest zwischen den Regalen suchten oder durch Staubsaugen ihr Taschengeld aufbesserten. Kein Wunder also, dass Ehefrau Christine und längst auch Sohn Thomas sowie die Töchter Elisabeth und Sabine mit im Boot sind.

Nachfolgeprobleme kennt der engagierte Feldkircher Kaufmann daher nicht. Vielmehr glaubt er an die Vorbildwirkung. „Meine Familie hat meine Leidenschaft mitgelebt“, sagt er und ist stolz, dass der Nachwuchs mit viel Engagement neue Ideen einbringt und so schon längst den Erfolg des Traditionsgeschäfts mitgeprägt hat. Apropos Leidenschaft: Dieses Gefühl von Herzblut, gepaart mit Weitblick und dem Mut, auch auf Neues zu setzen, ist für Franz Alton das Geheimnis, das hinter seinem Erfolg steckt. Denn bereits drei Jahre nachdem er im Jahr 1967 den Betrieb von seinem Vater Josef Alton übernahm, erweiterte er das Angebot und verkaufte von da an neben Schuhen auch Sportartikel. Eine naheliegende Entscheidung, denn der heute 63-Jährige war Mitglied in zehn Sportvereinen, trainierte Fußball-Mannschaften, fuhr bei Skirennen mit und nahm an den legendären Bergrennen in Österreich teil.

Mit dem Verkauf von Freizeitmode ist das Unternehmen Alton Ende der 80er-Jahre zu einem Vollausstatter herangewachsen. Es fällt nicht schwer, sich auf der heute 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche komplett einzukleiden, angefangen von den Schuhen über die Alltagskleidung bis hin zur Sportbekleidung. Nicht zu vergessen: der Alton Premium Board Store, das Steckenpferd von Thomas Alton, der mit seiner Park-Crew auch den Snowpark Damüls betreibt.

20.000 Artikel

20.000 Artikel stehen zur Auswahl, doch das absolute Plus ist die Möglichkeit, an Ort und Stelle alles aufeinander abzustimmen. Passender Schuh zum Strickmantel. Passendes Shirt zur Hose. Passende Accessoires. Dazu gibt es auch noch eine Tasse Kaffee, denn seit dem Jahr 2001 gibt es den eigenen Barbetrieb im Geschäft.

Point of Interest

Es braucht eben Strategien, um gegen die Macht des allumfassenden Marktplatzes im Internet bestehen zu können. „Dazu zählt in jedem Fall auch die Atmosphäre“, weiß der Experte und gibt auch wieder, was Kundenmund täglich kundtut: „Außerdem wird die stilsichere Beratung geschätzt. Unsere Verkäuferinnen kennen längst die Wünsche der Kunden und wissen auch um ihre Vorlieben Bescheid.“ So zählt der Kaufmann 80 Prozent Stammkunden, wobei vom Baby bis zum Senior bei Alton jeder das Richtige für sich findet. Auch Kunden aus der Schweiz und aus Liechtenstein schätzen den Service, vor allem seit der Freigabe des Franken-Kurses. Ihre Einkäufe machen zwischen zehn und zwanzig Prozent des Umsatzes aus. Auch bei den Jungen punktet das innovative Fachgeschäft, denn Thomas Altons Motto lautet Authentizität. Dazu zählt nicht nur, dass er, wie auch schon sein Vater, lebt, was er verkauft, sondern vor allem die Multi-Channel-Strategie und die Idee, den Laden zum Treffpunkt zu machen. Beispielsweise mit einem Instore Dinner. Gemeinsam mit Mathias Seidel, Sous-Chef im Arlberg Hospiz Hotel, verwandelte der 33-jährige Junior die Waren-Anlieferung in eine Pop-up-Kitchen und servierte zwischen der neuesten Mode ein exzellentes 5-Gänge-Menü. Doch zurück zum Fachjargon: Er verwandelte den Shop vom Point of Sale zum Point of Interest. Die Jungen fühlten sich wie in einer coolen Club-Location, und auch Thomas Alton ging in der Rolle voll auf. Schließlich ist er außerdem noch ein leidenschaftlicher Koch.