Die Sparefrohs suchen nach den Alternativen

Markt / 29.10.2015 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sparbuch immer noch beliebt, aber beginnendes Umdenken wegen der Niedrigzinsen.

Dornbirn. (VN-reh) Den Kopf in den Sand stecken, sein Geld besser ausgeben oder Alternativen suchen? Für die Sparer ist am heutigen Weltspartag die derzeitige Situation gar nicht lustig. An die Zeiten, in denen man noch acht Prozent auf dem Sparbuch bekam, kann man sich kaum mehr erinnern. Kaum verwunderlich also, dass die Vorarlberger mit der aktuellen Sparleistung gar nicht zufrieden sind, wie die Imas-Sparstudie von Erste Bank und Sparkassen zeigt.

Den Spargedanken geben die Vorarlberger aber dennoch nicht auf. 221 Euro wandern im Durchschnitt monatlich in den Sparstrumpf, 20 Euro mehr als in Restösterreich. Immerhin betrachten im Land noch knapp die Hälfte Sparen als sehr wichtig. Das ist nicht nur für die Banken von Bedeutung, sondern genauso für die Volkswirtschaft. Nur wenn genügend gespart wird, ist auch Geld für die Kreditvergabe an Private und Unternehmen vorhanden. Und dann kann auch investiert werden.

Vorsorge wird wichtiger

Die Niedrigzinsen ändern jedoch noch nichts an der Tatsache, dass das Sparbuch mit knapp 80 Prozent weiterhin das beliebteste Sparinstrument der Vorarlberger ist. Danach folgt das Bausparen. Jedoch gewinnen Wertpapiere (33 %), die staatlich ge­förderte Pensionsvorsorge (32 %)­ sowie Immobilien
(23 %) immer mehr an Bedeutung. Hauptgrund fürs Sparen ist übrigens der Notgroschen. Frei nach dem Motto: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Aber: Schon 53 Prozent geben aktuell die Alters- und Pflegevorsorge als Sparziel an. „Glücklicherweise besteht in Vorarlberg ein erhöhtes Bewusstsein dafür, dass wir schon jetzt für unseren Lebensstandard im Alter vorsorgen müssen“, sagt Werner Böhler, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.

Alternativen gefragt

Auch auf die Niedrigzinssituation wird sehr wohl reagiert. Wobei die Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Fünftel der Sparer lässt das Ersparte einfach am Girokonto liegen. Ein Drittel hat das Geld an Verwandte weiterverschenkt oder gibt für sich selbst mehr Geld aus und knapp 40 Prozent kaufen Immobilien, Wertpapiere oder Gold. Dabei setzt die Sparkasse verstärkt auf Beratung. Denn die niedrigen Zinsen sind für viele doch der Anstoß, nach Alternativen Ausschau zu halten.

„Während Sparbuch und Bausparvertrag für das kurz- und mittelfristige Ansparen die richtigen Produkte sind, sollte man im Zusammenhang mit der Pension oder der Ausbildung der Kinder generell an einen ganzheitlichen Vermögensaufbau denken und sich mit Diversifikation auseinandersetzen“, rät Werner Böhler den Sparern. Ines Frei, die Veranlagungsspezialistin der Sparkasse, untermauert das mit einem Rechenbeispiel (siehe Grafik). Was wurde aus 1000 Euro, die im September vor fünf Jahren angelegt wurden? Auf dem Sparbuch liegen heute 1025 Euro, wer im deutschen Aktienmarkt veranlagt war, hat nun 1551 Euro. Dennoch, nur auf ein Pferd zu setzen, empfiehlt sich nicht. „Man sollte niemals alles auf eine Karte setzen“, sagt Ines Frei. Mit einem gemischten, vor allem auch auf die eigene Risikobereitschaft abgestimmten Portfolio, sei man für etwaige Turbulenzen auf den Märkten am besten gerüstet.

Die Zinsen sind für viele Anstoß, nach Alternativen zu suchen.

Werner Böhler, Sparkasse