Ein anderer Umgang

30.10.2015 • 10:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Gelassenheit schafft Potenziale“, sagt Professor Michael von Brück.
„Gelassenheit schafft Potenziale“, sagt Professor Michael von Brück.

Meditation in der Arbeitswelt reduziert Stress und verbessert das Büroklima, sagt Michael von Brück.

Büro. (VN-dh) Auf Einladung der „Pionierbasis“ referiert der deutsche Religionswissenschaftler und ZEN-Lehrer Michael von Brück (66) am 11. November an der FH Vorarlberg. Im Mittelpunkt des öffentlich zugänglichen Vortrages steht dabei die Frage nach dem Selbstbild des Menschen – auch was das Arbeitsleben betrifft. Die VN führten mit dem Professor vorab ein Gespräch.

Von Führungskräften wird sehr viel erwartet. Ist Meditation, ZEN, Yoga „nur“ ein wertvoller Ausgleich zum Arbeitsalltag oder können sie auch ins tägliche Business integriert werden?

von Brück: Es geht nicht nur um die Arbeitswelt, sondern um die Gestaltung des Lebens überhaupt. Wir reißen zu viel auseinander. Die Freude des Lebens kann sich nicht auf die Erwartungen in der Freizeit allein richten, denn wir verbringen die meiste Zeit im Arbeitsalltag. Hier müssen Kreativität, Lebendigkeit und nicht zuletzt Humor kultiviert und erlebt werden.

Wie wirkt sich Spiritualität in der Arbeitswelt aus?

von Brück: Es geht um Konzentration auf das Wesentliche. Das ist verbunden mit der Reduktion von Faktoren, die Stress verursachen. Nicht von heute auf morgen, aber sehr wohl langfristig führen entsprechende Übungen zu mehr Freude im Alltag.

Kennen Sie konkrete Beispiele, wie Meditation in den Geschäftsalltag von Unternehmen eingeflossen ist?

von Brück: Ja. Ich kann beobachten, wie meine Schüler, die aus entsprechenden Umfeldern kommen, anders mit sich selbst und miteinander umgehen. Das Arbeitsklima wird freundlicher, auch wenn die äußeren Geschäftsbedingungen sich nicht geändert haben.

Was bedeutet es, mit Mitarbeitern achtsam umzugehen? Worauf sollten Vorgesetzte besonders achten?

von Brück: Sie müssen die Mitarbeiter so sehen, wie sie im Moment sind. Meistens hängen wir an Projektionen, die auf den Wahrnehmungen in der Vergangenheit basieren.

Nach dem Prinzip: Ich nehme nicht dich wahr, sondern mein Bild von dir. Diese Muster kann man durch Achtsamkeitsübung verringern. Daraus ergibt sich auch erhöhte Wertschätzung des jeweils anderen.

Unternehmen stehen unter permanentem Leistungs- und Konkurrenzdruck. Kann man da etwa durch Entschleunigung entgegenwirken und dennoch erfolgreich sein? Kann Spiritualität in dieser Hinsicht auch in der Wirtschaft ein Erfolgsfaktor sein?

von Brück: Spiritualität dient letztlich der Frage, die wir oben stellten: Wer bin ich? Was ist überhaupt mein Leben. Die Arbeit ist nur ein Teil davon. Selbstverwirklichung durch Leistung ist allerdings eine wichtige Erfahrung, die zur Lebensqualität beiträgt. Arbeit aber, die uns selbst und die Mitwelt zerstört, ist nicht heilsam. Und sie sollte auch nicht durch Optimierung noch destruktiver werden.

Es geht also auch um Wertefragen. Es gibt Zeiten der Beschleunigung und Zeiten der Entschleunigung. Beides muss in Balance sein. Dies ist heute in vielen Bereichen nicht gegeben. Meditation kann beitragen, dies zu ändern.

Kreativität, Potenziale und Gelassenheit – Meditation als Element der Persönlichkeitsentwicklung, Businesslunch mit Prof. Michael v. Brück, Mittwoch, 11. Nov. 2015, 11.30 Uhr, FH Vorarlberg. Weitere Infos unter www.fhv.at/veranstaltungen