Lebensgrundlage Boden für die Landwirte sichern

Markt / 30.10.2015 • 20:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Winfried Blum referierte über die Bedeutung des Bodens.  VN/Stiplovsek
Winfried Blum referierte über die Bedeutung des Bodens.  VN/Stiplovsek

Zweites Agrarforum der Landwirtschaftskammer widmete sich dem Boden.

Hohenems. (VN-gms) Das UN-Jahr des Bodens stand im Zentrum des zweiten Agrarforums der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Die zunehmende Verknappung der landwirtschaftlichen Böden stand dabei ebenso im Fokus wie die Erhaltung der Bodenqualität. 150 Landwirte, Raumplaner und auch Vertreter der Politik informierten sich im Bäuerlichen Schul-und Bildungszentrum in Hohenems.

Gerlind Weber, Professorin an der Boku, legte dabei das Problem aus Sicht der Raumplanung dar. Sie wies auf den ständigen Verlust an Agrar-Flächen in Vorarlberg hin und betonte auch die hohen Kosten, die der Allgemeinheit durch die Zersiedelung entstehen. Wie bereits bei ihrem Vortrag im Rahmen des VN-Klimaschutzpreises gelangte die Raumplanerin zu einer klaren Forderung: „Es muss einen rigorosen Bodenschutz durch die Raumplanung geben.“

Winfried Blum, Boku-Professor, gab Einblicke in die Belastungen, denen die Agrarflächen ausgesetzt sind. Er gab zu bedenken, dass weltweit nur zwölf Prozent der Flächen für den Nahrungsanbau geeignet sind. Weitere 24 Prozent können als Weidefläche genutzt werden. Diese Flächen stehen unter steigendem Druck: Das Bevölkerungswachstum, die Bodenversiegelung, der steigende Konsum, die weltweite Spekulation mit Nahrungsmitteln und nicht zuletzt der Klimawandel führen zu einer „ernsten Lage“. Blum betonte gegenüber den VN, dass gerade beim Klimawandel jetzt schmerzhafte Entscheidungen getroffen werden müssen, um die Zukunft zu sichern. „Das Problem ist, dass die Politik zu kurzfristig denkt“, so der Experte. Dennoch verspürt er einen Sinneswandel, so habe etwa China im neuen Fünf-Jahres-Plan der Umwelt viel Raum gewidmet. In Vorarlberg ist für Blum der Verlust von Agrarflächen durch Umwidmung das größte Problem. Zudem müsse die Produktion an die ökologischen Veränderungen durch den Klimawandel angepasst werden.

Bestflächen schützen

Landesrat Erich Schwärzler (62) kündigte Maßnahmen an. So soll zukünftig bei Wohnanlagen eine zusätzliche Etage möglich sein. Zudem soll die Schaffung überregionaler Betriebszentren forciert werden, um den Wettkampf zwischen den Gemeinden einzudämmen. Dazu gehören für Schwärzler auch neue Ansätze bei der Kommunalsteuer. Bei der Kartierung sollen die besten landwirtschaftlichen Flächen zudem zukünftig besonders geschützt werden. Damit geht der Landesrat auf eine Forderung von Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger ein: Dieser will die „Restflächen“, die der Landwirtschaft vorbehalten bleiben, zu „Bestflächen“ machen. Moosbrugger geht noch einen Schritt weiter. Er fordert, dass die landwirtschaftliche Produktion im Stellenwert zumindest gleichwertig zum Wohnbedarf bzw. zu Arbeitsplätzen behandelt werden müsse.

Wir können nicht so weitermachen wie bisher.

Prof. Winfried Blum