Die Hypo Vorarlberg auf Expansionskurs in Wien

03.11.2015 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hypo-Vorarlberg-Chef Michael Grahammer und Regionaldirektorin Ros­witha Klein wollen in Wien expandieren. Hypo Vorarlberg/APA
Hypo-Vorarlberg-Chef Michael Grahammer und Regionaldirektorin Ros­witha Klein wollen in Wien expandieren. Hypo Vorarlberg/APA

Firmenkunden und Veranlagungsgeschäft im Fokus. Umbenennung nicht ganz vom Tisch.

Wien. (VN-ebi) Die eine oder andere Wand erscheint Michael Grahammer im neuen Wiener Regionalbüro noch etwas kahl, wie der Hypo- Vorarlberg-Chef zugibt. Erst Ende Oktober haben seine Mitarbeiter die neue Hauptstadtzentrale bezogen. Damit legt die mehrheitlich landeseigene Bank ihren Expansionsschwerpunkt auf Wien. Während im Privatkundengeschäft angesichts der Zinslage derzeit eine wirkliche problematische Situation herrsche und man damit kaum mehr Geld verdienen könne, gebe es in der Bundeshauptstadt noch ausreichend Platz im Bereich des Firmenkundengeschäfts. Der Fokus soll allerdings auf der Vermögensverwaltung von privaten und institutionellen Kunden sowie Unternehmen liegen. Dieses Geschäft werde künftig von Wien aus gesteuert. Das Volumen soll sich in fünf Jahren auf insgesamt zwei Milliarden Euro verdoppeln.

Umbau kostete drei Millionen

Der neue Standort im Wiener Zacherlhaus biete die dafür notwendigen Büromöglichkeiten, hält Grahammer fest. Im Bankgeschäft sei derzeit zwar kein zusätzliches Personal geplant, für die Zukunft seien dafür aber die räumlichen Voraussetzungen geschaffen. Das Team der Hypo Immobilien & Leasing, das ebenso in die Hauptstadtzentrale umsiedeln wird, werde im kommenden Jahr um zwei Personen wachsen.

Ein Jahr lang dauerten Planung und Bauzeit der neuen Zentrale in der Wiener Innenstadt. Knapp drei Millionen Euro wurden in den Umbau des denkmalgeschützten Hauses investiert. Die alten Räumlichkeiten konnten der Regionaldirektorin Roswitha Klein zufolge nicht mehr mit dem Wachstum der Bank mithalten. Die Wiener Filiale erwirtschaftet rund 15 Prozent des gesamten Ergebnisses der Hypo Vorarlberg.

„Marke Hypo hat gelitten“

Nur wenige Gehminuten von der neuen Hauptstadtzentrale entfernt liegt die Dornbirner Sparkasse. Ein im Vorjahr verfolgter Zusammenschluss ist aktuell ad acta gelegt. Einen neuen Anlauf gebe es derzeit nicht, sagt Grahammer: „Ich schließe für die Zukunft aber nichts aus.“ Auch nicht, dass die Hypo Landesbank Vorarlberg ihren Namen ändern könnte. „Die Marke Hypo hat in den letzten Jahren gelitten“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Eine Umbenennung sei eine von mehreren Optionen zur „Markenstärkung“, stehe aber nicht im Vordergrund.

Heuer erwartet Grahammer ein deutlich besseres Ergebnis als noch im Jahr zuvor. Gegen den Zahlungsstopp der staatlichen Bad Bank Heta (vormals Hypo Alpe Adria) hat die Hypo Vorarlberg bereits Klage eingebracht. „Es gibt kaum einen Gläubiger, der nicht versucht, das Moratorium anzufechten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Landesbank. Sorge bereitet ihm, dass der Standort Österreich unter dem Hypo-Debakel gelitten habe.

Neue Einlagensicherung

Eine europäische Einlagensicherung würde Grahammer übrigens begrüßen. „Ich sehe sie, wenn überhaupt, aber höchstens in weiter Ferne“, sagt er. Dass es dabei für Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu Ausnahmen kommen könnte, kann er sich nicht vorstellen. Er würde es auch wettbewerbsrechtlich bekämpfen.

In Europa wird die Einlagensicherung derzeit reformiert, die Banken müssen Haftungstöpfe füllen. Für die Hypo Vorarlberg belaufe sich die Summe auf rund eine Million Euro pro Jahr. Schwerer wiege der Beitrag zum neuen Bankenabwicklungsfonds mit drei bis vier Millionen Euro Zusatzbelastung. Die Bankensteuer bewege sich für die Hypo Vorarlberg zwischen zwölf und 13 Millionen Euro im Jahr.

Kennzahlen

Filiale der Hypo Vorarlberg in Wien

Stand: 30. September 2015

» Ausleihungsvolumen: 1,4 Mrd. Euro

» Einlagenvolumen: 800 Mill. Euro

» Mitarbeiter: 55

 

Hypo Vorarlberg (Konzern)

Stand: 30. Juni 2015

» Bilanzsumme: 14,3 Mrd. Euro

» Ausleihungsvolumen: 9,2 Mrd. Euro

» Einlagenvolumen: 4,4 Mrd. Euro

» Ergebnis vor Steuer: 106,5 Mill.

» Mitarbeiter im Konzern: 732