Zufriedenheit stärkt Kundenbindung

Markt / 06.11.2015 • 20:28 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Landeshauptmann Markus Wallner auf Besuch im Sparmarkt in Au. Foto: VLK
Landeshauptmann Markus Wallner auf Besuch im Sparmarkt in Au. Foto: VLK

LH Markus Wallner sieht gut ausgebildete Mitarbeiter als Aushängeschild des Vorarlberger Handels.

Schwarzach. (cro) Ein hervorragendes Angebot sowie kompetente und freundliche Mitarbeiter sind das beste Argument gegen den Online-Handel. Davon ist Landeshauptmann Markus Wallner überzeugt. Die Attraktivität von Einkaufsstandorten hänge letztlich aber von unterschiedlichen Faktoren ab. Der Wettbewerb ist je nach Standort nicht immer ausgeglichen. Durch die Weiterentwicklung der Unternehmer ist Vorarlberg als Einkaufsland dennoch gefragt.

Herr Landeshauptmann, es gibt einen starken Trend hin zum Online-Handel. Wie muss der stationäre Handel in Vorarlberg darauf reagieren?

Wallner: Exakt so, wie es der Vorarlberger Handel macht: Mit einem hervorragenden Angebot, mit Kompetenz und ausgezeichneter Beratung, mit freundlichem Personal und Serviceleistungen von höchster Qualität. Das schafft Kundenzufriedenheit und stärkt zugleich auch die Kundenbindung.

Aufgrund des starken Frankens kommen noch mehr Schweizer Kunden nach Vorarlberg zum Einkaufen als sonst. Birgt das nicht die Gefahr, dass diese Entwicklung vom Handel mit der Anhebung von Preisen ausgenutzt werden könnte und das Einkaufen so für die Bevölkerung teurer wird?

Wallner: Es ist ja nicht so, dass unsere Nachbarn aus der Schweiz erst seit dem für sie günstigen Wechselkurs nach Vorarlberg zum Einkaufen kommen. Sie waren schon vorher da, jetzt eben in größerer Zahl. Die Preise heutzutage werden von den Kunden sehr genau verglichen, eben auch mit jenen im Internet, deswegen glaube ich nicht, dass ein etwaiger Preisanstieg auf die Schweizer Kunden zurückzuführen wäre. Dass die Schweizer ihr Geld bei uns ausgeben, ist eine erfreuliche Entwicklung – für den heimischen Handel, aber genauso für die Gastronomie, Tourismus und unsere Landwirtschaft.

Niemand kann sagen, wie lange diese Situation noch anhält und wie lange wir noch auf die Kunden aus der Schweiz zählen können. Was bedeutet das für die weitere Entwicklung?

Wallner: Die zusätzliche Schweizer Kaufkraft ist wie gesagt sehr erfreulich für den Handel und das Land insgesamt. Sie darf aber keinesfalls als jährlich fix wiederkehrende Größe angenommen werden. Ich kann mich ja auch noch an Zeiten erinnern, in denen umgekehrt viele Vorarlberger über die Grenze zum Einkaufen gefahren sind. Bei der weiteren Entwicklung des Handelsangebots bin ich deshalb der festen Überzeugung, dass Vorarlberg den bewährten Weg, der eingeschlagen ist, auch konsequent fortsetzen soll: mit Qualität, Service und guter Beratung kann man zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Welche Schritte müssen gesetzt werden, damit Vorarlberg als Einkaufsstandort weiter attraktiv bleibt?

Wallner: Vom heimischen Handel wird tatkräftig am eigenen Erfolg gearbeitet. Dazu zählen Investitionen in die Infrastruktur, dazu gehören aber auch die Anstrengungen in den Bereichen Qualität, Service und Ausbildung. Schließlich hängt die Attraktivität eines Einkaufsstandorts von zahlreichen Faktoren ab. Ein ganz zentraler Aspekt ist etwa auch die wichtige Rolle des Handels in der Lehrlingsausbildung. Die Bevölkerung schätzt gut ausgebildetes, fachkundiges Personal. Das ist sicher ein Aushängeschild Vorarlbergs.

Stichwort „Große Einkaufszentren“: Beim Dornbirner Einkaufszentrum Messepark haben Sie sich für eine Erweiterung um 1500 Quadratmeter statt der geforderten 4700 Quadratmeter ausgesprochen? Welche Gefahr sehen Sie in einer größeren Erweiterung?

Wallner: Das Land vertritt hier eine restriktive Handlung, was die Erweiterung des Messeparks betrifft. Vor allem mit Blick auf die Wirkungen für die Innenstädte und Ortskerne. Im Übrigen liegt die Angelegenheit derzeit beim Höchstgericht. Die Entscheidung warten wir ab.

Auf der anderen Seite ärgern sich die Menschen über Strafzettel an der Windschutzscheibe, wenn die Parkzeit in den gebührenpflichtigen Innenstädten auch nur um fünf Minuten überschritten wird. Ist das die richtige Strategie, um Kundschaft anzulocken?

Wallner: Das ist in der Tat eine Angelegenheit, die immer wieder für Diskussionen sorgt. Schlussendlich müssen die Städte selbst für sich entscheiden, wie sie das handhaben. Aber das ist auch ein weiterer Punkt, der zeigt, dass der Wettbewerb zwischen Ortszentren und Einkaufszentren am Stadtrand ein nicht immer ausgeglichener ist. Das gilt es halt auch zu berücksichtigen.

Ikea in Vorarlberg – wie ist Ihre Meinung dazu?

Wallner: Der Landesregierung liegen noch keine konkreten Antragsunterlagen vor. Das Projekt wird aus Sicht unterschiedlicher Fachabteilungen im Verfahren geprüft werden – und dann werde ich mir eine Meinung bilden.

Wo kaufen Sie gerne ein?

Wallner: Ich kaufe natürlich – wenn ich die Zeit dazu finde – vor allem vor Ort in meiner Heimatgemeinde ein. Dort bekomme ich fast alles, was ich brauche. Und ich bin ein Freund kurzer Wege.

Gefährdet ein Handelsabkommen wie TTIP die Nahversorgung?

Wallner: Entscheidend ist, dass unsere sozialen, arbeitsrechtlichen und umweltrelevanten Standards erhalten bleiben. Wir beobachten die Verhandlungen auf EU-Ebene sehr aufmerksam und machen uns auch auf allen Ebenen bemerkbar, wenn es notwendig ist. Gerade die Nahversorger liegen uns sehr am Herzen. Wir haben Förderungen für Nahversorger etabliert, um eine Absiedelung aus den Talschaften hintan zu halten. Bisher ist das weitestgehend gelungen.

Die Bevölkerung schätzt gut ausgebildetes Personal.

Markus Wallner